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Zwei Abende mit Olivier Dubois

Ballet de Lorraine (Foto: Laurent Philippe)

Zwei Abende der 37. Ausgabe von Tanz Bozen stehen ganz im Zeichen des französischen Choreografen und Tänzers Olivier Dubois, der bereits mehrfach das Publikum von Tanz Bozen begeisterte.

Am 20. Juli ist um 21 Uhr im Stadttheater Bozen sein kraftvolles Werk Come Out für die 23 Tänzer und Tänzerinnen des Ballet de Lorraine zu sehen. Bereits um 20 Uhr findet im Studiotheater die Uraufführung von Dubois‘ Auftragsarbeit für Tanz Bozen Swan Blaststatt. Am 21. Juli ist er um 21 Uhr mit Prêt à baiser, seiner erfolgreichen Performance zu Stravinskys Sacre du printemps in der Stiftung Antonio dalle Nogare zu Gast.

Das Centre Chorégraphique National-Ballet de Lorraine ist eine der wichtigsten Kompanien Frankreichs. Seit 2011 wird sie vom Schweden Petter Jacobsson geleitet. In den vergangenen Jahren zeichnete sich die Kompanie vor allem durch die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Choreografen aus aller Welt aus. Gemeinsam mit Thomas Caley initiierte Jacobsson experimentelle Projekte, Installationen in Museen, Treffen und Workshops im Centre Chorégraphique und kreierte Titel für die Kompanie. Auch Olivier Dubois war bereits mehrfach eingeladen. So entstand 2019 das kraftvolle Come out, ein Werk für die gesamte Kompanie zu Steve Reichs gleichnamiger minimalistischer Partitur von 1966.

Dieselbe Musik hat Anne Teresa De Keersmaekers auch für ihr berühmtes Stück Fase, Come Out gewählt. Das Original aus dem Jahr 1966 wurde dank der Arrangements von Dubois und seinem Komponisten des Vertrauens, François Caffenne, auf eine Dauer von 50 Minuten ausgedehnt. Der gesellschaftliche Aufschrei, den Reich mit seiner Collage von Stimmaufnahmen junger Schwarzer, die in einen Mord in Harlem verwickelt wurden, einst auslöste, macht das Stück heute angesichts der Zusammenstöße zwischen afroamerikanischer Bevölkerung und Polizei in den USA und der #blacklivesmatter Bewegung aktueller denn je. Der eine Satz, den Reich aus der Aufnahme isoliert und auf verschiedene Weisen wiedergibt, („Ich musste die Wunde öffnen und ein wenig Blut herauskommen lassen, um es ihnen zu zeigen“, also der Polizei, um sich zu entlasten) inspirierte Dubois zu seiner eigenen Interpretation: „Ich will dieses Blut wallen sehen, so rosa, wie es durch die Haut scheint. In der Hoffnung, es möge sich als Manifestation des Triumphes des Lebens ergießen.“ Tatsächlich zielt die Choreografie darauf ab, mithilfe des Widerstandes den Widrigkeiten des Lebens die Stirn zu bieten. Zermürbend in der Wiederholung, Variation und Akkumulation überzeugt Come out mit seiner starken Präsenz, seiner Geometrie, seinen Wellen und Ableitungen. In absoluter Kohärenz besticht jeder einzelne Interpret in seiner Einzigartigkeit, und doch sprechen am Ende alle mit einer gemeinsamen Stimme. In Bozen feiert das Stück seine Italienpremiere (20. Juli, Stadttheater, 21 Uhr)

Mit Swan Blast (20. Juli, Studiotheater, 20 Uhr, Ticket 5 €) zeigt Olivier Dubois im Studiotheater seine Auftragsarbeit für Tanz Bozen: seine ganz persönliche Interpretation des Sterbenden Schwan, jenes berühmten Balletts, das Mikhail Fokin für Anna Pawlowa 1907 kreierte. Viel will der Choreograf über diese Uraufführung nicht preisgeben. Nur so viel: der Titel Swan Blast, deutsch für Explosion des Schwans, ist Programm. Man darf gespannt sein.

Am 21. Juli gastiert das Festival in den Räumlichkeiten der Stiftung Antonio Dalle Nogare (21 Uhr, Führung durch die Sammlung um 19.30 Uhr, Freier Eintritt, Reservierung erforderlich) mit Olivier Dubois‘ Prêt à baiser, einer Duo-Performance, die 2012 für das Musée d’art moderne in Paris geschaffen wurde: Ein langer Kuss zweier Männer zu den Klängen von Igor Stravinskys Sacre du printemps in einem Arrangement von François Caffenne. Gemeinsam mit Dubois performt der italienische Tänzer Nicola Manzoni.

Im Kapuzinergarten steht am 20. Juli um 22.30 Uhr außerdem noch Swan Lake the Game von Club Guy & Roni auf dem Programm. Am digitalen „Spiel“ kann man auch online teilnehmen. Tickets gibt es auf der Webseite der Kompanie: https://tinyurl.com/SwanLakeGame

Roni Haver und Guy Weizman, Gründer von Club Guy & Roni und Ideatoren von Swan Lake the Game, führen das Publikum auf eine virtuelle Plattform, “Hotel NITE”, wo jeder User (in Form einer Libelle) über verschiedene Endgeräte die kollektive Wahrnehmung von Schwanensee mitbestimmen kann. Der “User” sucht sich eine Handlung aus und muss an deren Ende eine Reihe von Fragen beantworten. Die dann getroffenen Antworten beeinflussen den Handlungsstrang: Wer ist der schwarze Schwan? Wie geht die Geschichte aus? Für Tanz Bozen wird Swan Lake the Game zum allerersten Mal in Kinoformat umgesetzt. Unter freiem Himmel hat das Publikum die Möglichkeit, per Handy mitzuvoten. Die Mehrheit entscheidet, welchen Verlauf diese ungewöhnliche Nacherzählung von Schwanensee nehmen wird.

www.bolzanodanza.it

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