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„Das geht zu weit“

Im Netz verbreiten Impfgegner und Verschwörungstheoretiker einen unsäglichen Vergleich zwischen dem Corona- und dem NS-Ahnenpass. Die Grüne Brigitte Foppa zeigt sich entsetzt.

von Matthias Kofler

Brigitte Foppa ringt um Worte: „Als ich das gesehen habe, hat mich das schiere Entsetzen gepackt“, sagt die Grüne Landtagsabgeordnete. Auf WhatsApp zirkuliert eine Fotomontage eines NS-Ahnenpasses. Der darunter stehende Text erinnert in Anspielung an den Corona-Pass daran, „dass es schon einmal einen Pass brauchte, um ins Museum zu kommen.“ Während in Deutschland eine solche Verharmlosung des Nazi-Regimes unter Strafe steht, greifen Impfgegner und Verschwörungstheoretiker in die unterste Schublade, um ihre kruden Theorien zu untermauern.

Für Foppa wurde mit dem Ahnenpass-Vergleich die rote Linie überschritten: „Das geht zu weit.“

Der Ahnenpass war zu Zeiten Hitlers eine gesetzliche Ausweisurkunde, die amtlich beglaubigte Abstammungsnachweise enthielt. Durch die Nürnberger Gesetze wurde das volle Bürgerrecht ausschließlich an Bürger mit deutscher Abstammung verliehen. Der Ahnenpass diente zum „Nachweis der arischen Abstammung“ – die Angehörigen der „deutschen Volksgemeinschaft“ sollten nach rassistischen Kriterien von den rassisch unerwünschten Minderheiten wie Juden, Roma und Sinti getrennt werden. Ab 1939/40 wurden Ahnenpässe auch im Kontext der Umsiedlung der Südtiroler in das Deutsche Reich verlangt.

Die Grüne Foppa schreibt hierzu auf Facebook:

„Ich verstehe Kritik an den sanitätspolitischen Maßnahmen. Ich habe mich selber gerne impfen lassen. Zugleich bin ich skeptisch, ob ein wie auch immer gearteter Impfzwang die Impfbereitschaft erhöhen wird, ich würde auf Impfen&Testen setzen. Aber egal. Was mich hier beschäftigt und wogegen ich mich erhebe, ist der Vergleich mit der NS-Zeit. Denn Menschen zu verfolgen, zu quälen und zu töten, aufgrund ihrer Abstammung, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Identität, ihrer religiösen oder politischen Zugehörigkeit, das ist nicht dasselbe, auch nicht im Ansatz oder in der Wurzel, wie ein Test- oder Impfnachweis, um in ein Museum zu kommen. Ich stelle fest, dass es nur so wimmelt von Vergleichen mit der NS-Zeit, für immer weniger wird die NS-Zeit bemüht. Es gab eine Zeit, da war man sehr vorsichtig, die NS-Zeit ins Felde zu führen, lange Zeit auch zu vorsichtig. Aber wie leichtfertig jetzt damit umgegangen wird, das kann ich nicht ertragen. Wenn auf Anti-Corona-Demos der gelbe Stern getragen wird, dann tut man all jenen Unrecht, die den Stern wirklich haben tragen müssen. Ich war in Auschwitz, und die Verzweiflung, die mich als Nachfahrin dieser Zeit dort erfasst hat, wirkt in mir noch Jahre später nach. Auschwitz banalisieren, wie es jetzt geschieht, das ist für mich nicht akzeptabel. Hier wird eine Grenze überschritten, und da sage ich: Halt.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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