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Reber vor Gericht


Aufregung im Patriotenlager: Der Andreas-Hofer-Bund Tirol droht F-Obmann Andreas Leiter Reber mit der Einleitung eines „Prozesses“, weil er im Landtag gegen die Begnadigung der Südtirol-Aktivisten gestimmt hat.

von Matthias Kofler

Andreas Leiter Reber staunte nicht schlecht, als er kürzlich sein E-Mail-Postfach aufmachte. In einer geharnischten Mail will Alois Wechselberger, der Obmann des Andreas-Hofer-Bundes Tirol, nähere Informationen zum Abstimmungsverhalten der Freiheitlichen im Landtag in Erfahrung bringen. „Als Obmann des AHBT darf sich Sie beide (Leiter Reber und Ulli Mair, A.d.R.) ersuchen, uns die Beweggründe Ihres Wahlverhaltens möglich präzise darzulegen, um in weiterer Folge Ihrer Willensbekundung rechtlich und moralisch zu würdigen. Ich darf Sie ersuchen, dem Ansuchen unseres Bundes bis zum 15. Juni 2021 – schriftlich/per E-Mail – nachzukommen. Es liegt in Ihrem eigenen Interesse, an einer raschen und objektiven Aufklärung mitzuwirken“, schreibt Wechselberger. Denn, so der Tiroler Patriot weiter: Man wolle „vorweg nicht über dieses Ergebnis urteilen“, noch wolle man „ein Verfahren einleiten, ohne nicht zuvor auch die Betroffenen angehört zu haben.“

Der Andreas-Hofer-Bund Tirol (AHBT) wurde als Tiroler Volksbund 1905 in Innsbruck als deutschnationale Vereinigung von Vertretern aller damaligen Parteien gegründet und 1919 in Andreas-Hofer-Bund Tirol umbenannt. Der Bund bezweckt nach eigener Aussage „das Gedenken an Andreas Hofer zu pflegen, der in seinem Leben und Werk sich für das ganze Tirol eingesetzt hat“. Er hat auch einen eigenen Ableger in Deutschland.
Brisant: Leiter Reber ist nicht Mitglied des AHTB. Umso überraschender ist es, dass ihm nun der „Prozess“ gemacht werden könnte.

Grund dafür ist der Umstand, dass die beiden Freiheitlichen Abgeordneten bei der jüngsten Abstimmung zur Begnadigung der Südtirol-Aktivisten mit Nein stimmten. Der Beschlussantrag der Süd-Tiroler Freiheit fand am Ende keine Mehrheit: Der beschließende Teil erhielt lediglich drei Ja, dafür aber 22 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen (das Team K nahm geschlossen an der Abstimmung nicht teil). Laut Wechselberger hat das Abstimmungsergebnis „weit über die Grenzen Gesamttirols hinaus hohe Wellen geschlagen“.

In seinem Antwortschreiben rechtfertigt Leiter Reber seine Gegenstimme. Seine Botschaft: „Geht es uns darum, zu einer schnellen Begnadigung zu kommen, oder nur darum, eine Schlagzeile zu haben.“ Der Vorwurf richtet sich an die Süd-Tiroler Freiheit, die das brisante Thema für parteipolitische Zwecke ausschlachten will.
Der F-Obmann erinnert daran, dass vier Fraktionen — die SVP, die Grünen, das Team K und seine Freiheitlichen — die STF im Landtag darum ersucht hätten, den Antrag, den sie am Beginn der Legislaturperiode eingereicht hatte, noch einmal zu vertagen. Der Landtag habe Staatspräsident Sergio Mattarella bei seinem Amtsantritt um eine Begnadigung der Aktivisten gebeten. Nun liege der Ball beim Präsidenten in Rom — man könne die Begnadigung nicht einfordern. Die Zeichen, dass sich das Staatsoberhaupt gnädig erweise, stünden aber gut. Auch der österreichische Präsident Alexander Van der Bellen sei verantwortungsvoll genug, dass er seinem Amtskollegen nicht leichtfertig vorgreife. Mit dem STF-Antrag würde man Politik machen, aber nichts wirklich verändern.

Leiter Reber kann sich abschließend einen Seitenhieb in Richtung des AHBT nicht verkneifen: „Im völligen Bewusstsein, dass ich diese Zeilen nicht innerhalb der von Ihnen geforderten Frist übermittelt habe und ich mich somit einer etwaigen Verfahrenseröffnung nicht mehr entziehen kann, darf ich bereits vorab – wie hart auch immer das Urteil ausfallen wird – wie weiland Andreas Hofer mitteilen, dass mir davon ,nit amol die Augen noss wern’.“

Nun darf man gespannt sein, ob der Andreas-Hofer-Bund Tirol diese Rechtfertigung anerkennt — oder ein „Verfahren“ gegen den F-Obmann einleitet.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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