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„Ungleichheiten bekämpfen“

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Eine neue Studie zeigt, welche Erfahrungen Frauen während der Corona-Pandemie gemacht haben – und wie sie sich infolge des Lockdowns gesellschaftlich engagierten.

von Lisi Lang

Zwischen Ohnmacht, Wut und engagierter Solidarität – so lässt sich die Rolle der Frauen in der Corona-Pandemie laut Eurac Research und unibz zusammenfassen. Aufgrund der Mehrfachbelastung durch Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung aber auch Haushalt war die Corona-Pandemie für Frauen mit besonderen Herausforderungen verbunden. „Während des Lockdowns habe ich mich in die 50er Jahre zurückversetzt gefühlt“, beschreibt eine Frau in Südtirol die Situation während des Lockdowns. „Es war eine Belastung, der ich in meinem ganzen Leben noch nie ausgesetzt war“, erinnert sich eine andere.

Eurac Research und unibz haben gestern die Studie „Below – Being Locked up?“ veröffentlicht, welche anhand von Interviews erforscht hat, wie Frauen in Südtirol den ersten Lockdown vom März 2020 bis Mai 2020 erlebt haben, und wie sich Frauen in etablierten Interessengruppen und neuen Netzwerken engagierten, Veränderungen anstießen und neue Aufgaben übernahmen, um einen gesellschaftlichen Wandel anzuregen.

Das Pandemiejahr wurde von den Studienteilnehmerinnen insgesamt als „schreckliche Zeit“ wahrgenommen. Auf die „Schockstarre“ zu Beginn der Pandemie, die von Verständnis und Vorsicht geprägt war, folgte Ernüchterung und viele Frauen fühlten sich „vom System im Stich“ gelassen. „Der Moment, wo man merkte, die Schulen gehen heuer nicht mehr auf, das war für mich ein Tiefpunkt und ich resignierte“, erinnert sich eine Studienteilnehmerin an den Lockdown im letzten Frühjahr.

Frauen waren aber nicht nur Opfer dieser Pandemie, wie die Studie von Eurac Research und unibz deutlich macht. Denn während einige versuchten, sich selbst und die eigene Familie vor allen negativen Einflüssen zu schützen, indem sie sich in die eigenen vier Wände zurückzogen, wandten sich andere nach außen, engagierten sich auf gesellschaftlicher Ebene und planten gemeinsame öffentlichkeitswirksame Aktionen. „Ein Großteil der interviewten Frauen war vor der Pandemie nicht gesellschaftlich engagiert. Dennoch wurde das zivilgesellschaftliche Engagement zu einem wichtigen Teil ihrer Bewältigungsmechanismen, um mit ihrer Ohnmacht, Resignation und ihrer Wut klarzukommen und mit dem Gefühl, vom System im Stich gelassen worden zu sein“, erklärt Claudia Lintner von der Freien Universität Bozen.

„Ziel der Frauen, die sich engagierten, war es, ihre persönliche Lage zu verbessern und gegen gesellschaftliche Ungleichheiten anzukämpfen. Sie hatten zum einen das Vertrauen in die Politik verloren. Zum anderen nannten viele von ihnen als Motivation auch Solidarität und ein Bewusstsein für die pandemiebedingten Schwierigkeiten anderer, und deshalb den Wunsch, sich für diese Mitmenschen einzusetzen“, ergänzt die Politikwissenschaftlerin Verena Wisthaler von Eurac Research.

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