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Kellner gesucht

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Der Tourismus fährt die Häuser wieder hoch. Die Buchungslage für die Sommersaison ist gut. Aber es gibt ein Problem: Auf die Schnelle findet man kaum Personal.

von Silke Hinterwaldner

Über ein halbes Jahr lang hatte sich kaum jemand für sie interessiert. Kein Anruf. Keine Stellenanzeige. Und nun klingelt ständig das Telefon und das Internet ist voll mit Jobangeboten. Gesucht werden händeringend Zimmermädchen, Küchenhilfen, Kellner, Personal für den Wellness- und Beautybereich, für die Rezeption oder Baristinnen.

Jetzt, wo die Zahl der Buchungen für den Sommerurlaub von Tag zu Tag exponentiell steigt und die Hotels und Restaurants ihre Betriebe wieder hochfahren, scheint es nicht mehr genügend Mitarbeiter zu geben.

Dieses Phänomen scheint mehrere Gründe zu haben. Zum einen war es eigentlich schon immer so, dass im Tourismus vor allem gut ausgebildetes Personal gefragt war: Köche oder Kellnerinnen werden gut bezahlt, sind aber trotzdem schwer zu finden. Schließlich gibt es im Tourismus oft nur saisonale Jobs, man muss am Wochenende und abends arbeiten. Aber mit Corona hat sich dieser Personalmangel im Tourismus zugespitzt. Das weiß Thomas Walch aus eigener Erfahrung zu berichten. Der HGV-Vizeobmann aus Toblach erzählt von einer jungen Frau aus Mailand, die in den vergangenen Jahren bei ihm im Service gearbeitet hatte. Der Job hat ihr immer Spaß gemacht. Sie sollte eigentlich auch jetzt im Sommer wieder nach Toblach kommen. Aber heuer bleibt sie lieber in Mailand. Dort hat sie im Coronawinter einen Job in einer Fabrik angenommen. Sie verdient am Fließband zwar rund 800 Euro weniger, die Arbeit macht ihr auch nicht besonders viel Freude, aber es sei ein sicherer Job, sagt sie. Und das sei ihr im Moment wichtiger. Wer weiß, wie lange die Pandemie noch dauert und wie zuverlässig der Tourismus arbeiten kann. Lieber der Spatz in der Hand als die Taube am Dach.

Was die junge Frau aus Mailand berichtet, umtreibt viele Menschen, die bisher in der Hotellerie oder Gastronomie gearbeitet haben. Wer keinen unbefristeten Vertrag hat, musste sich oft in den vergangenen Monaten nach einer anderen Arbeit umsehen, um überhaupt über die Runden kommen zu können. Manche machen diese Arbeit weiter, weil sie vielleicht Gefallen daran gefunden haben. Und andere wollen einfach nichts riskieren. Corona hat eben auch den Blick auf die Arbeit verändert. Dabei ist es nicht immer ganz leicht, nach Monaten im Lohnausgleich oder ganz arbeitslos wieder zum stressigen Job zurückzukehren. Das kostet manchen einiges an Überwindung. Es gibt Menschen, die nie wieder zurückkommen werden.

„Wir haben die Situation möglicherweise etwas unterschätzt, das muss ich offen zugeben“, sagt Thomas Walch, „sehr viele Mitarbeiter springen ab. Das belastet uns.“ Er selbst sucht ein Zimmermädchen, aber der Markt ist leergefegt. Keine Chance. Mittelfristig, sobald sich die Coronalage wieder beruhigt, werden die Menschen zuversichtlicher werden und auch wieder zurück in die Gastronomie und in den Tourismus kommen, ist Walch überzeugt, „aber in der Zwischenzeit setzen manche Mitarbeiter lieber auf einen sicheren Job in der Fabrik als auf einen besser bezahlten in der Gastronomie.“ Diese Menschen wollen auf keinen Fall zurück in die Arbeitslose fallen.

In der Zwischenzeit füllen sich die Betten in Südtirols Hotel langsam wieder. Für den Hochsommer sind viele zufriedenstellend gebucht. Man hofft auf eine so gute Saison wie im vergangenen Jahr – und auf gute Mitarbeiter.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (19)

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  • tiroler

    Tausende Däumchendreher in der öffentlichen Verwaltung abziehen und in die Gastronomie verlegen. Damit würden sich auch unsere Landespolitiker nützlich machen!

  • gorgo

    Ist mir wurscht, ob ihr „belastet“ seid.
    Vor 5/6 Wochen bekam man auf Inserate keine, oder bestenfalls Warmhalte-Antworten. Ihr würdet ja niemand nur einen Tag zu früh einstellen. Und jetzt überrascht tun.
    Aber vielleicht dachtet ihr bei eurem Weltuntergangsgejammer der letzten Monate ja selbst, es käme keine Saison mehr.
    Legt euren Angestellten für die Mehrarbeit durch Unterbesetzung ordentlich was drauf, nächstes Jahr kommen genügend wieder.

    • erbschleicher

      @gorgo
      du hast es verstanden. Gratuliere.
      Solltest Dich selbstständig machen, dann kannst du haufenweise Personal anstellen wenn dein Geschäft geschlossen bleiben muss und niemand planen kann, möchte ich dich sehen wie sozial DU dann wärest.

      • gorgo

        Du kannst a priori gar nicht sozial sein, deinem Namen nach.
        Wenn dich diese eine verlorene Saison trotz Hilfszahlungen runiert hat, verkauf deinen Krempel.
        Geitlinge seid ihr und immer schön beim jammern.

        • 2xnachgedacht

          @gorgo
          seltn so an hirnverbr…kommentar glesn… wenns nit zun plärrn war, nor wars echt zun lochn… bin nit in der gastro tätig, obr du kregsch dein zosch anscheinend ohne wenn und aber, oder hoschn af vorrat u brauchsch nix tian..obr va unternehmertum… ja unternehmer= dumm.. hosch kuan blossn schimmer.

          • gorgo

            Du anscheinend noch weniger als ich. Aber macht ja nix.
            Such dir doch eine flotte Saisonsstelle und führe ein sorgenfreies Leben voller „Zosch“ so wie ich. Haha.

  • olle3xgscheid

    Wir haben die Situation möglicherweise etwas unterschätzt, das muss ich offen zugeben“, sagt Thomas Walch, „sehr viele Mitarbeiter springen ab. 
    Und das schon seit min 30 Jahre !!
    Auf der Forderung von 2 oder min 1,5 freie Tage kommt ein müdes Lächeln.
    Und dann diese Saisonsverträge, wieviele Jahre fehlen den Saisonsarbeiter bei Rentenantritt? Wobei effektiv die h für ein Jahreslohn locker gemacht wurden.
    Es braucht neue Kollektivvertröge !

    • brutus

      Nicht die Jahre fehlen wenn man sich außerhalb der Saison arbeitslos meldet! Die Einzahlungsbeträge fehlen! …ergo ein mickrige Rente.

      • olle3xgscheid

        Genau!! Eigentlich schade, sehr schade. Ein schöner Berufszweig das Gastgewerbe.

      • schwarzesschaf

        @brutus zwecks einzahlung sage ich dir eine suchte vor 3 jahren win zimmermädchen als ich den Einheimischeb sagte die saison geht von März bis mitte Januar dann bekam ich die antwort nein ab mitte Novenber tue ich nix mehr da geh ich arbeitslos melden. Aber schwarzer würde ich dir kommen. Meine Antwort nein danke. Also nicht rummeckern wegen mikrige renten es ist halt bequemer 4 5 monate zu hause rumziliegen arbeitlos kassiern als zu arbeitn

        • olle3xgscheid

          Schäm dich so ein Blödsinn zu verzapfen. Ja die Fälle gibts, stimme ich zu , jedoch sind das Einzelfälle.
          Bei dem Lohn als Zimmermädchen , welcher pbrigens die min letzten 10 Jahre NIE gedtiegen ist brsucht ihr euch nicht rühmen.
          Fazit: ALLES falsch gemacht!

        • alsobi

          @schwarzesschaf, ich muss dem „olle3xgscheid“ vollkommen recht geben. vor allem zimmermädchen, hausmeister usw. keine lohnerhöhung und zudem großteils mit schwarzgeld ausbezahlt. 6 arbeitstage bis zu 12 stunden arbeitszeit ist nicht selten der fall.
          „wird dieser kommentar wieder gelöscht werden??“

  • olle3xgscheid

    Ausserdem an alle welche ihren Kindern das Gaszgewerbe abwegig machen, sprich vor allem Akademiker und wohkstehende , schicken ihre Kinder mit Sicherheit nicht in die Gastronomie, , zu minder, Aber zu gerne lassen sie sich bekochen ,ihre Arroganz bedienen , jnd reinigen.
    Nur das darf die Minderheit erledigen

  • ronvale

    Denke das hängt auch vom Betrieb selbst ab. Wer seine Angestellten vor der Krise gut behandelte, wird auch jetzt weniger Mühe haben, Leute zu finden.

    Auch be Kellnern und Köchen tauscht man sich über Erfahrungen aus, und folglich vermeidet man so weit wie möglich die Sklaventreiber und Ausbeuter unter den Gastronomen. Besonders dann, wenn die Nachfrage nach Personal das Angebot übersteigt.

  • backofen

    ordenlich zahlen dann bekommt ihr persional genug

  • stanislaus

    Jene Betriebe, die ihre Mitarbeiter auch in Covid-Krisen-Zeiten nicht vergessen haben tun sich sicher leichter mit dem Personal.

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