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„Es ist machbar“

Trotz der 0:2-Niederlage in Avellino glaubt FC Südtirol-Generaldirektor Dietmar Pfeifer noch ans Weiterkommen seiner Mannschaft: „Wir spielen ja nicht gegen Real Madrid.“

TAGESZEITUNG Online: Herr Pfeifer, ach Himmel, es ist verspielt?

Dietmar Pfeifer: Auf keinen Fall! Es gibt Mannschaften, die in fünf Minuten Nachspielzeit zwei Tore aufgeholt haben. Wir haben 95 Minuten zur Verfügung.

 Sie klingen sehr optimistisch …

Wenn man zehn Monate auf ein Ziel hinarbeitet, viele Opfer bringt und die Meisterschaft mit einer Rekordpunktezahl – 75 – abschließt, muss man trotz einer 0:2-Niederlage noch daran glauben. Es sollte machbar sein. Es ist machbar!

Die Devise lautet?

Wir werden unsere Chancen bekommen, wir müssen sie nur nutzen. Gegen Pro Vercelli haben wir nach 30 Minuten bereits 2:0 geführt. Wenn wir daran glauben, werden wir auch ein gutes Spiel machen.

Was ist in Avellino schiefgelaufen?

Ich denke, wir haben in Avellino zu passiv agiert, zu viel auf ein 0:0 spekuliert. Auf diese Art und Weise haben wir nicht die Leistung abrufen können, die wir uns erwartet hatten. Wenn man mit dieser Haltung in ein Match geht, kann man so ein Spiel auch verlieren. Es hätte nicht sein müssen. Aber der große Vorteil von Playoff-Spielen ist, dass man noch ein Rückspiel hat. Außerdem: Wir spielen gegen Avellino und nicht gegen Real Madrid.

Damit wollen Sie sagen?

Dass die Sache machbar ist.

War die rote Karte für Mattia Marchi die Schlüsselszene bzw. spielentscheidend?

Nein. In der ersten Hälfte sind wir sehr kompakt aufgetreten, mit ein bisschen mehr Präzision hätten wir sogar in Führung gehen können. Das 1:0 von Avellino war ein sehenswerter Schuss, mit so einer Szene muss man immer rechnen. Das zweite Tor hingegen ist nach einer Standardsituation gefallen, wo wir nicht gut verteidigt haben.

Mit einem 0:1 wären Sie zuversichtlicher gewesen?

Dietmar Pfeifer (hier im Bild mit Walter Baumgartner und Roberto Zanin)

Natürlich ist es ein Unterschied, ob man 1:0 oder 2:0 verliert, zwei Tore sind doppelt so viele wie eines. Andererseits hat die jetzige Ausgangsposition auch ihre positive Seite: Wir haben im Grunde weniger zu verlieren als unser Gegner, denn jetzt ist Avellino in der Favoritenrolle. Hinzu kommt: Wir spielen daheim auf Naturrasen, sie spielen immer auf Kunstrasen. Außerdem spielen wir vor einigen Zuschauern, die uns sicherlich helfen werden.

Sie sehen also durchaus noch die Möglichkeit, dass Ihre Mannschaft den Spieß drehen kann? 

Ja, außerdem wäre es vermessen, Trübsal zu blasen und aufzugeben. Bis zum Schlusspfiff müssen wir an unsere Chance glauben. 

Mit Fabian Tait und Mattia Marchi fehlen am Mittwoch zwei wichtiger Spieler …

Ja, aber wir haben einen breiten Kader, wir haben Spieler, die bereits Serie-B-Erfahrung haben und somit wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen müssen. Wir haben für Tait und Marchi gleichwertigen Ersatz.

Wie ist der FCS nach Avellino gefahren?

Mit dem Bus bis Verona, dann mit dem Flieger nach Neapel. Von dort sind es noch 60 Kilometer bis nach Avellino. Kurz nach Mitternacht waren die Spieler bereits wieder daheim. Wir wissen, dass jede Stunde Regeneration entscheidend sein kann, daher haben wir keine Mühen und Kosten gescheut, einen möglichst zeit- und energiesparenden Transfer nach Kampanien sicherzustellen.

Bis Mittwoch kann die Mannschaft die Batterien wieder aufladen?

Ja, wobei man schon sehen muss, dass wir am Mittwoch das vierte Spiel in zwei Wochen spielen. Wir spielen derzeit alle dreieinhalb Tage, daher könnte auch der physische Aspekt ausschlaggebend sein. Wir alle wissen, dass im Fußball Episoden entscheiden können. Dies Episoden hängen vielfach von der mentalen und psychischen Verfassung einer Mannschaft ab. Gegen Triestina haben wir in sechs Minuten zwei Tore erzielt. Wir haben also die Qualität, Avellino zu schlagen.

Wie viele Zuschauer werden im Drusus-Stadion sein?

Leider ist es so, dass wir nur 676 Zuschauer ins Stadion lassen dürfen, davon sind 156 Karten für Avellino reserviert. Die 520 Karten für uns sind längst vergriffen. Ich denke, es wäre auch möglich gewesen, 1.000 Zuschauer ins Stadion zu lassen, aber die Quästur hat so entschieden, da kann man nichts machen. Mir tut es leid für die Zuschauer, die nach anderthalb Jahren wieder die Möglichkeit gehabt hätten, ein Spiel live zu verfolgen. Fußball ist ein Freiluftsport, wo die Zuschauer teilweise mit drei Meter Abstand voneinander sitzen. Man hätte risikolos 200 oder 300 Zuschauer mehr ins Stadion lassen können, schließlich dürfen die Leute jetzt ja auch ins Theater und ins Kino.

Sollte es mit einem Sieg mit zwei Toren Unterschied gegen Avellino nicht klappen, würden Sie dann von einer enttäuschenden Saison für den FCS sprechen?

Man kann nicht von einer enttäuschenden Saison sprechen, wenn die Mannschaft einen Punkterekord aufgestellt hat. Wir haben über weite Strecken eine sehr gute Meisterschaft gespielt. Ich will jetzt gar nicht an ein Nicht-Weiterkommen denken, weil ich davonüberzeugt bin, dass die Mannschaft, das schaffen kann. Bis Mittwoch um 19.30 Uhr gibt es mich nur die Variante Weiterkommen. 

Bleibt Stefano Vecchi Trainer beim FCS?

Das werden wir nach der Saison analysieren. Wichtig ist, dass es Weiterentwicklung gibt. Es geht also nicht darum zu schauen, was gewesen ist und was wir in dieser Saison erreicht haben, zentral ist die Frage: Können wir mit dem Trainer X die Mannschaft weiterentwickeln? Genau das werden wir am Ende der Saison tun.

Interview: Artur Oberhofer

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