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Schonende Flächennutzung

Mehr Innen vor Außen, sprich bestehendes Bauvolumen sanieren statt auf der grünen Wiese neu bauen, wird das Bauen in der Zukunft bestimmen.

Mehr Innen vor Außen, sprich bestehendes Bauvolumen sanieren statt auf der grünen Wiese neu bauen, wird das Bauen in der Zukunft bestimmen.

Die Jahrestagung der Plattform Land hat sich in dieser Woche mit der intelligenten Flächennutzung beschäftigt und gezeigt, welche Chancen die Innenentwicklung bietet und wie sehr sich der Schutz von Grund und Boden auf die Lebensqualität der Menschen auswirkt.

In den letzten Jahrzehnten wurde in Südtirol sehr viel neu gebaut – Wohnungen genauso wie Gewerbestrukturen oder Straßen. Damit ist bereits die Hälfte der verbaubaren Fläche genutzt. Die Teilnehmer der Jahrestagung der Plattform Land waren sind daher einig, dass ein Umdenken nötig ist und die Flächensicherung eine Priorität sein muss.

Eine intelligente Flächennutzung ist nicht nur das Ziel der Plattform Land, sondern auch des neuen Landesgesetzes für Raum und Landschaft, unterstrich Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer, die Neuerungen im Gesetz wie etwa das Leerstandsmanagement ansprach.

Der Präsident der Plattform Land und Gemeindenverbandspräsident Andreas Schatzer hob die besondere Rolle der Gemeinden hervor. Sie können den Flächenverbrauch mit dem Gemeindeentwicklungsprogramm und der Ausweisung der Siedlungsgrenzen maßgeblich steuern. „Dafür könnten Leerstände besser genutzt und die Verdichtung der Ortskerne forciert werden.“ Das gelinge leichter, wenn durch gezielte Förderungen das Sanieren günstiger wird als der Neubau auf der grünen Wiese.

Für Landesrätin Waltraud Deeg sei ein schonender Umgang mit Grund und Boden auch eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung. Wichtig sei die Beteiligung und die Vernetzung aller Akteure – von den Eigentümern über die Planer bis zu den Gemeinden.

Ein hoher Flächenverbrauch wirkt sich auf viele Bereiche des Lebens aus, zeigte Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung auf. Umfragen aus Österreich, wo täglich eine Agrarfläche in der Größe von 20 Fußballfeldern verbaut wird, bestätigen, dass die Bürgerinnen und Bürger keine Verbauung wie bisher mehr wollen. Auch Touristen bemängeln die zunehmende Verschandelung der Landschaft.

Negativ wirkt sich der Flächenverbrauch auf den Selbstversorgungsgrad aus. „Etwa 3.000 m² landwirtschaftliche Nutzfläche braucht es, um einen Menschen zu ernähren. In Österreich stehen nur mehr 1.400 m² pro Kopf zur Verfügung.“

Daher müssen mehr Lebensmittel importiert werden und die Abhängigkeit vom Ausland steigt. Auch die Biodiversität leidet: In Österreich sind in den letzten 30 Jahren die Wirbeltierbestände um 70 Prozent zurückgegangen. Studien zeigen zudem, dass besonders Kinder Grünflächen für ihre psychische Entwicklung brauchen. Und nicht zuletzt verschärfen versiegelte Flächen Dürren und Überschwemmungen, die durch den Klimawandel zunehmen werden.

„Daher muss der Flächenverbrauch reduziert werden. Das geht durch eine Bewusstseinsbildung, ein gezieltes Leerstandsmanagement und eine bessere Innenentwicklung sowie steuerliche Anreize. Auch muss mehr in die Tiefe bzw. Höhe gebaut werden.“ Weinberger schlug zudem vor, besonders wertvolle Agrarflächen gesetzlich vor einer Verbauung zu schützen. Unterstützung für die Vorschläge kommt in Österreich von der Allianz „Stoppt die Bodenverdichtung“.

Auch in der Schweiz ist die Innenentwicklung seit Jahren ein großes Thema. Die Hochschule Luzern unterstützte einige lokale Initiativen von Gemeinden, die die Innenentwicklung auf ihrem Gemeindegebiet vorangetrieben haben, berichtete Alexa Bodammer. „Neben dem Schutz von Boden bietet die Innenentwicklung den Vorteil, dass alte Gebäude saniert und damit energieeffizienter werden. Zudem fördert eine gute Innenentwicklung die Identifikation der Menschen mit der eigenen Gemeinde und stärkt das Engagement.“ Wichtig sei in der Schweiz der partizipative Ansatz: „Die Dorfentwicklung wird zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern geplant und umgesetzt. Das erhöht nochmals die Akzeptanz.“

Wie eine schonende Flächennutzung gelingen kann, zeigten drei Beispiele. In Tirol gibt es den Tiroler Bodenfonds, der Flächen kauft und u. a. den Gemeinden zur Verfügung stellt. Dadurch werden Spekulationen mit Grund und Boden verhindert und gleichzeitig eine vernünftige, grundschonende und bezahlbare Bereitstellung von Wohnraum garantiert, berichtete Geschäftsführer Alexander Erhart.
Für die Gemeinde Taufers im Münstertal hat die Plattform Land die Leerstände erhoben. Diese sollen schrittweise wieder genutzt werden. Die Gemeinde geht dabei mit gutem Beispiel voran und hat selbst bereits Gebäude saniert. Zudem sind auch immer mehr Private an einer Sanierung interessiert. „Wir haben festgestellt, dass teilweise wieder die Kinder von Abwanderern zurückkommen. Ein Ziel ist es, dass jedes Jahr ein bis zwei Leerstände wieder genutzt werden“, sagte Bürgermeisterin Roselinde Gunsch.

Dass der Flächenschutz kein Südtiroler Thema ist, beweisen auch mehrere europäische Initiativen wie SHELTER oder Impulse4Action. Der Koordinator der Plattform Land, Andrè Mallossek, stellte einige Maßnahmen wie den Folgekostenrechner vor. Dieser stellt die Kosten neuer Wohnbauzonen jenen einer Sanierung gegenüber. Ebenfalls ein nützliches Instrument ist der Vergleich der Förderungen in Südtirol, Österreich und Deutschland, sowie die Fördermatrix, die alle Bauförderungen in Südtirol auflistet.

Zum Abschluss der Jahrestagung der Plattform Land diskutierten Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer, Thomas Ausserhofer vom Baukollegium im Unternehmerverband, Judith Kienzl von Young Greens und der Präsident der Architektenkammer, Johann Vonmetz, ob Südtirol auf dem Weg zum „Netto 0“-Flächenverbrauch ist. Das Fazit: Flächenschutz ist eine Herausforderung, die viel Überzeugungsarbeit und Geduld braucht. Daran führt aber kein Weg mehr vorbei: Flächenschutz ist letztlich auch eine wirtschaftliche Chance.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • treter

    Die Plattform Land könnte sich auch in die Problematik Auwaldrodung Brixen zugunsten eines Industriegebäudes für 3D-Betondrucker der Firma Progress „einmischen“! Es gibt nämlich auch in der Industriezone Brixen viele Leerstände…
    Weiters könnte die Progress Holding AG auch an ihrem neuen Standort bzw. im Ex-Fenster Quelle Gebäude in Schrambach nach oben bauen oder auch unterirdisch? Somit könnte der sehr wertvolle Auwald in der Industriezone am Leben bleiben!

  • bernhart

    Es ist keine kluge Entscheidung, Österreicher ud Schweizer zu befragen,
    Steuerlich und Politisch andere Welten, diese können bei unserer Bürokratie nie durchgesetzt werden.
    Deeg wach endlich auf.

  • besserwisser

    und wenn du nicht mehr weiterweisst gründe einen arbeitskreis …
    wir leben in einem land wo die betonitis und die regulitis herrscht. alles muss zubetoniert werden!
    paradebeispiel eppan/mercantikaserme: nicht mal die grünen haben einen einfall wie man der natur was zurückgeben könnte. es werden nur kuchenstücke (= bauwerke) diskutiert …. armes land.
    ach waren das zeiten als ein benedikter noch das land schützte!

  • treter

    [email protected]
    Der Benedikter war damals besser als heutzutage gewisse Umweltgruppen inklusiv Dachverband zusammen!
    Der hätte niemals sogenannte Ausgleichsmassnahmen für die Zerstörung von Natur akzeptiert! Siehe Beispiel geplante Auwaldrodung Brixen für ein Industriegebäude für 3D-Betondrucker der Firma Progress und dafür vorgesehene Ausgleichsmassnahmen bzw. die Erweiterung der Millander Au hinein in eine regelrechte Mülldeponie. Bei Probebohrungen wurde sogar Altöl entdeckt! Und dort soll neue Natur entstehen und den total unbelasteten pestizidfreien Auwald ersetzen? Eine totale Illusion und wohl nur eine Gewissensberuhigung!

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