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Der Wiederholungstäter

Alessandro Savoi

Alessandro Savoi hat in seiner politischen Karriere für unzählige Skandale gesorgt, die alle für sich ein Rücktrittsgrund wären.

von Matthias Kofler

Im Zuge der Koalitionsverhandlungen zur Bildung der neuen Landesregierung konnte die SVP die Lega zur Unterzeichnung eines sogenannten Wertekatalogs verpflichten. Dort wurde festgehalten, dass man jegliche Form der Ausgrenzung oder Diskriminierung von Menschen, insbesondere von kulturellen, religiösen, sprachlichen, ethnischen, sexuellen und/oder sozialen Minderheiten strikt ablehne und sich für eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frau und Mann einsetze. Umso erstaunlicher ist es, dass das Edelweiß bei den Eskapaden von Alessandro Savoi nicht nur alle Augen, sondern auch die Hühneraugen zudrückt und den Lega-Politiker nicht zum Rücktritt aus dem Präsidium auffordert. Die TAGESZEITUNG zeigt auf, dass Savois „Huren“-Beschimpfung gegenüber zwei ehemaligen Parteikolleginnen nicht als Einzelfall heruntergespielt werden kann. Im Gegenteil: Der Lega-Mandatar ist ein notorischer Wiederholungstäter.

Mai 2012

Die TAGESZEITUNG berichtet über einen der krassesten verbalen Übergriffe in der Geschichte des regionalen Parlamentarismus: Der Lega-Regionalratsabgeordnete Savoi hat die PD-Abgeordnete Margherita Cogo während einer Sitzung aufs Übelste beschimpft: „Madonna, adesso parla anche questa troia maledetta.“ Cogo erstattet daraufhin Strafanzeige. SVP-Fraktionssprecher Elmar Pichler Rolle fordert vom Lega-Politiker eine Entschuldigung. Savoi geht, wie von der Tarantel gestochen, auf Pichler Rolle zu, will ihm an die Gurgel. „Hätten die Saaldiener den Lega-Abgeordneten nicht zurückgehalten, wären die Fäuste geflogen“, berichten Augenzeugen.

Juni 2012

Bei einer Aussprache in einem Landtagsbüro wird Savoi nach übereinstimmenden Zeugenaussagen gegenüber seiner Kollegin Francesca Penasa handgreiflich: Er soll ihr an die Gurgel gegangen sein. „Er schrie wie wildgeworden. Ich denke, dass wir durch unser Einschreiten Schlimmeres verhindern konnten“, berichtet ein Augenzeuge. Die Chefin der Südtiroler Lega, Elena Artioli, fordert den Rausschmiss Savois aus der Partei. Dazu kommt es aber nicht.

Juni 2018

„Buffone, buffone, vai a casa”, ruft Savoi während der Behandlung eines Beschlussantrags zum Großraubwild in Richtung von Landeshauptmann Ugo Rossi. Den gelernten Journalisten Paolo Ghezzi bezeichnet er als „giornalaio“ und fordert ihn auf, „still zu sein, wenn Savoi spricht“.

Dezember 2018:

Im Trentiner Landtag kommt es zum Eklat: Bei der Debatte zum Regierungsprogramm streckt Savoi seinen Mittelfinger in Richtung der PD-Bänke. Die „Entschuldigung“: Er habe sein Hörgerät adjustieren müssen. Savoi wird vom Landtagspräsidenten nicht gerügt, weil er den Vorfall angeblich nicht gesehen habe. Der Lega-Politiker nutzt die Gelegenheit, um noch einmal Öl ins Feuer zu gießen: Er bezeichnet die PD-Abgeordneten als „PDioten“ und stellt klar, dass er „die Kommunisten hasst“.

November 2019

Savoi, Vize-Fraktionssprecher der Lega im Trentiner Landtag, beschimpft zwei „ilDolomiti“-Redakteure auf deren Facebook-Seite als „culattoni“. Die Vorgeschichte: Anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen hat das Trentiner Online-Portal ein kompromittierendes Foto veröffentlicht, auf dem neben Lega-Chef Savoi auch der Trentiner Bildungs-Landesrat Mirko Bisesti zu sehen sind. Die beiden Lega-Männer stehen grinsend um eine Geburtstagstorte, auf der die Sprüche zu lesen sind: „W LA LEGA – W LA F………“ Sollte wohl Viva la figa heißen! Das Foto wurde auf einer Veranstaltung der Lega des Fleimstales geschossen, also nicht bei einer privaten Feier, sondern am Rande einer Lega-Parteiveranstaltung.

Februar 2020

Savoi beschimpft die Trentiner Vereinigung für die Aufnahme von Migranten ATAS wörtlich als „rote Zecken“ und als „Bastarden“. Der Grund: Deren Präsident Danilo Fenner hat die Aufnahme von Ermittlungen gegen Matteo Salvini wegen der Beschlagnahme eines Flüchtlingsschiffes begrüßt.

Juli 2020

In einem Facebook-Kommentar greift Savoi, der zu diesem Zeitpunkt noch Präsident der Lega ist, den ehemaligen Landwirtschaftslandesrat Michele Dallapiccola scharf an. Der Grund: Dallapiccola warnte in einem Zeitungsinterview davor, Wolf und Bär zu „dämonisieren“. Mit einem Wortspiel beschimpft Savoi den Ex-Landesrat als „Schaf“: „Dalla piccola capra.“ Dass es Savoi mit der Beschimpfung ernst meint, zeigt er bei der Debatte zum Großraubwildgesetz im Landtag: Auch dort bezeichnet er Dallapiccola mehrmals als „pecora“.

Oktober 2020

Bei einer Live-Übertragung von LH Maurizio Fugatti zur Corona-Bekämpfung im Trentino meldet sich Savoi zu Wort. Er stellt in Richtung derjenigen, die von der Landesregierung Schließungen fordern, klar: „Geht uns nicht auf die Eier! Wenn schon schließen wir den Sitz des PD.“

November 2020

Auf Facebook kritisiert Savoi auf unkultivierte Weise die römische Regierung aus 5-Sternen und PD: „Eine Scheiß-Regierung zwingt den Norden in die Knie. Eine Schande! Irgendwann wird dieses verdammte Covid vorbei sein, doch der Norden vergisst nie. Früher oder später kommt für alle der Nürnberger Prozess. Nur dass ihr es wisst.“ Ein Abgeordneter, der den Holocaust und das Nazi-Regime relativiert. Doch von der SVP kommen keine Rücktrittsforderungen.

März 2021

Savoi muss als Präsident der Lega zurücktreten, weil er seine Kolleginnen Alessia Ambrosi und Katia Rossato, die von der Lega zu Fratelli d’Italia übergetreten waren, auf Facebook als „troie“ (Huren) beschimpft hat. Die Süd-Tiroler Freiheit reicht im Regionalrat einen Misstrauensantrag gegen Savoi ein, der vom Präsidium für nicht zulässig erklärt wird. Der Grund: Laut Geschäftsordnung ist es nicht möglich, per Abstimmung den Rücktritt von einzelnen Präsidiumsmitgliedern zu erzwingen. 25 Oppositionspolitiker nehmen im Mai aus Protest nicht an der Wahl des neuen Regionalratspräsidenten teil. Diese platzt, weil die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht erreicht wird. Die SVP und die Lega halten Savoi die Stange. Fraktionssprecher Gert Lanz erklärt, dass die Wahl des Präsidenten nichts mit Savois Aussagen zu tun habe.

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