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Und morgen die ganze Welt

Mala Emde in „Und morgen die ganze Welt“

Jetzt geht die Filmfülle wieder los. Hoffentlich bleibt jene Muße, die es vermeidet, Filme durchs Programm zu peitschen.

von Renate Mumelter

„Yes! – endlich erwähnt mal wer die gekonnt platzierten Plakate (danke dafür Zita Pichler!). Ich glaube, niemand hat ‚Hochwald‘ so genau und so gut verstanden wie Renate Mumelter! Danke für diesen schönen Artikel zum Kinoauftakt!“, schreibt Evi Romen auf Facebook und meint den letzten Sonntagsfilm-Artikel. Das tut gut. „Hochwald“ ist jetzt auch mit italienischen Untertiteln zu sehen. Eine Gelegenheit.

Es gibt Filme, die es sich lohnt, mehrmals anzuschauen. Bei jedem erneuten Schauen lässt sich Neues entdecken.

Rifkin’s Festival

Es gibt aber auch Filme, die mich schon beim ersten Anschauen langweilen, Woody Allens „Rifkin’s Festival“ zum Beispiel. Mort Rifkin ist beim Altwerden und denkt als Cineast über sein Leben nach. Deshalb bietet Woody Allen ergänzend zum psychophilosphischen Teil der Story ein paar Filmrätsel, die in Morts schwarzweißen Traumsequenzen versteckt sind. Da gibt es dann Bergman-Szenen wie jene mit dem schwarzen Tod in „Das siebtenten Siegel“. Verkörpert wird der Tod übrigens von Christoph Waltz. Das war’s auch schon. Wer’s mag…

Nomadland

Der hoch gelobte „Nomadland“ hat mich zwar nicht gelangweilt aber auch nicht hingerissen. Der Film von Chloé Zhao ist zwar ok, aber mit den vielen Sonnenuntergängen und der über die Naturbilder gelegten Musik kann ich wenig anfangen. Ein Nomadenleben bestünde auch aus Tönen. Schauspielerin Frances McDormand schafft es, die echten Arbeits-NomadInnen ganz natürlich zum Spielen zu bringen. Der Film erzählt von der Welt dieser ArbeitsnomadInnen in den USA. Solche gäbe es in Europa auch. Hier sind sie ErntehelferInnen, BadantInnen, StrandverkäuferInnen, Saisonsangestellte und leben nicht in Campern sondern in Blechhütten, Klauberunterkünften, unter Brücken, im Auto oder in einem Zimmer. Mit „Nomadland“ hat es ein fast dokumentarischer Film in den Kinoolymp geschafft. Neorealismo 2021. Regisseurin Chloé Zhao ist bekennende Feministin, Frances MacDormand ist es de facto. Trotz allem fühlte ich mich bei „Nomadland“ im weichen Kinosesssel irgendwie fehl am Platz. Vielleicht muss ich auch diesen Film öfter anschauen.

„Nomadland“ von Chloè Zhao

Und morgen die ganze Welt

Den Film von Julia von Heinz wird wohl nicht lange laufen. Daher mein Tipp: anschauen. Diese Antifa-Geschichte lebt von überzeugenden DarstellerInnen, einer spannenden Kameraführung und von einer Geschichte, die nicht nur am Schreibtisch entstanden ist. Die Regisseurin war mit 15 selbst bei der Antifa. Der Filme geht einer Frage nach, die sich immer drängender stellt: gibt es Wege, um dem immer stärker werdenden politischen Rechtsdrall entgegenzuwirken, und wie ist das mit der Gewalt? Mala Emde ist Luisa, das Jus-Erstsemester. Noah Saavedra ist der Student Alfa. In „Hochwald“ ist er gerade als Lenz zu sehen.

Die Filme

„Hochwald“ von Evi Romen jetzt auch mit italienischen Untertiteln (nach wie vor mein Favorit)

„Und morgen die ganze Welt“ von Julia von Heinz.

„Rifkin’s Festival“ von Woody Allen übers männliche Altwerden

„Nomadland“ von Chloé Zhao mit zuviel Filmmusik und einem interessanten Thema

„Testa o croce“ von Caterina Gabanella mit Paolo Rossi. Online unter www.filmclub.it

 

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