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„Viele haben Angst“

Unterm Vigiljoch geht weiter der Bär um. Stefan Ceska aus Marling erzählt, wie er dem Tier am Mittwochabend bei einer Radtour begegnet ist und warum er trotz allem keine Angst verspürte. 

von Karin Gamper

Der Bär, der in der Nacht auf Montag am Flatscherhof oberhalb von Marling mehrere Ziegen und Schafe gerissen hat, hält sich entgegen den Vermutungen des Landesamts für Jagd und Fischerei nach wie vor in der Gegend auf. Ein Radfahrer – Stefan Ceska – ist am Mittwochabend zwischen Altboden und Vigiljoch auf ihn getroffen.

Stefan Ceska berichtet: 

„Es war gegen 19.00 Uhr, und ich war mit meinem Fahrrad auf dem Weg Richtung Vigiljoch, als ich hinter einer Kurve zunächst auf einen angefressenen Tierkadaver stieß. Ich blickte mich um und da entdeckte ich den Bären. Er saß ganz ruhig dort im Wald, in einer Entfernung von 10-15 Metern. Wir haben uns etwa 30 Sekunden lang angeblickt, dann ist er davongetrottet. Das war mein Glück, denn wäre er auf mich zugekommen, hätte ich keine Chance zur Flucht gehabt. Ich habe dann die Radtour abgebrochen und bin schnurstracks zurück ins Tal gefahren“.

Nachdem er die Jagdaufsicht am Abend nicht mehr erreichen konnte, kontaktierte Stefan Ceska gleich in der Früh den Jagdverband. Angst, sagt Stefan Ceska, habe er eigentlich keine gehabt: „Dazu fehlte die Zeit, mir gingen 1000 Dinge durch den Kopf.“ Er habe das Treffen eher als etwas Einzigartiges für sein Leben wahrgenommen: „Es war ein bereicherndes Erlebnis auf diesen Bären zu treffen und ihn anzusehen, aber eben deshalb, weil es gut ausgegangen ist.“ Ansonsten ist Stefan Ceska der Meinung, dass „Mensch und Bär da oben nicht zusammenpassen“: „Es sind viele Spaziergänger und Radfahrer unterwegs“. Dies könne auch gefährlich werden. Wird er seine Radtouren aufs Vigiljoch fortsetzen? „Damit warte ich, bis sich der Bär verzogen hat“, so Ceska.

Bei den Bauern am Marlinger Berg hat die neuerliche Sichtung große Verunsicherung ausgelöst. „Die Leute sind in heller Aufregung“, berichtet der örtliche Bauernbundobmann Andreas Gögele. „Der Bär ist trotz aller Vergrämungsversuche noch da. Viele haben Angst und befürchten, dass er nicht mehr weiterzieht”, so Gögele, der ebenso wie Bürgermeister Felix Lanpacher Sicherheit für Mensch und Nutztiere fordert. Das Verhalten des Tieres sei beunruhigend, da es keine Scheu zeige.  Andreas Gögele sorgt sich auch um die Sicherheit von Wanderern und künftiger Touristen, weil das Gebiet für Ausflüge beliebt ist.

Luigi Spagnolli vom Landesamt für Jagd und Fischerei sieht dagegen keinen Anlass zur Panik: „Dieser Bär hat zwar keine Scheu, aber er ist nicht aggressiv. Er hätte in den vergangenen Tagen mehrere Möglichkeiten gehabt Menschen anzugreifen“. Der Tierkadaver im Wald, auf den der Radfahrer gestoßen ist, stamme vermutlich noch von den Rissen vom Montag.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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