Du befindest dich hier: Home » Wirtschaft » Ungenutzter „Mehrwert“

Ungenutzter „Mehrwert“

Naturparkhaus Seis

Obwohl seit mehreren Jahren fertiggestellt, ist das Naturparkhaus in Seis bisher nicht zugänglich. Der Grund: Die Gemeinde Kastelruth und das Land streiten über die Übernahme der Führungskosten.

von Thomas Vikoler

Möglicherweise werden es sich öffentliche Verwaltungen angesichts der immer klammeren Kassen bald nicht mehr leisten können, Immobilien jahrelang leer stehen zu lassen.

So wie das funktionale Gebäude, das am Dorfplatz von Seis steht. An derselben Stelle, wo sich zuvor das alte Seiser Schulhaus befand. Dieses wurde auch deshalb abgerissen, weil angenommen wurde, es stamme aus der Faschistenzeit. Stattdessen fand der ehemalige Kastelruther Mittelschuldirektor Rainer Seberich heraus, dass das Projekt aus der KuK-Zeit stammte.

Das Nachfolgegebäude wurde errichtet, um dort das sogenannte Naturparkhaus unterzubringen, ein Besucherzentrum zum Naturpark Schlern-Rosengarten. Obwohl die Räumlichkeiten seit vier Jahren fertiggestellt sind, ist das Naturparkhaus bisher nicht zugänglich. Geöffnet sind hingegen ein im selben Gebäude untergebrachter Radverleih und die Bibliothek Seis, die zum Teil mit dem Erlös des Verkaufs einer Schenkung des 1938 verstorbenen russischen Grafen und Ethnologen Aleksej Alekseevic Bobrinskoj finanziert wurde.

Die Errichtung des Naturparkhauses am Seiser Dorfplatz hat SVP-Bürgermeister Andreas Colli der Gemeinde Kastelruth vier Millionen Euro gekostet. „Das sieht die bis heute geltende Vereinbarung mit dem Land vor: Die Gemeinde stellt das Gebäude bereit, das Land übernimmt die Führungskosten für das Naturparkzentrum“, betont Colli.

Und genau hier liegt das Problem – und der Grund, warum es bisher nicht geöffnet wurde: Die Gemeinde beharrt auf die Einhaltung der rund 15 Jahre alten Vereinbarung, die zuständige Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer will, dass die Gemeinde Kastelruth – so wie bei den sieben anderen Südtiroler Naturparkzentren – einen Teil der Führungskosten übernimmt.

Alle vorangegangenen Landesräte – Michl Laimer, Elmar Pichler Rolle, Richard Theiner – hätten bekräftigt, dass das Land diese zu hundert Prozent trage, sagt Bürgermeister Colli und fügt hinzu: „Die Vereinbarung gilt weiterhin“.

Die aktuelle Landesrätin weist darauf hin, dass im vergangenen Jahr ein Großteil der Vereinbarungen mit den Gemeinden zu den übrigen Besucherzentren erneuert worden sei: Das Land übernehme nun, anstelle der vorherigen 90 Prozent der Führungskosten, 70 Prozent.

„Ein Naturparkhaus bedeutet einen Mehrwert für eine Gemeinde, von dem sie vor allem in touristischer Hinsicht profitiert. Viele Gemeinden reißen sich deshalb darum. Das sollte auch Kastelruth anerkennen“, meint Hochgruber Kuenzer. Sie hofft, bald eine Einigung zu diesem Problemfall zu finden. „Vielleicht treffen wir uns in der Mitte“, also zwischen 70 und 100 Prozent.

Der Kastelruther Gemeindeausschuss hat sich auf einer Sitzung vergangene Woche noch einmal mit dem Thema befasst, beharrt aber weiterhin darauf, nichts zu den Führungskosten beisteuern zu wollen.

Und was passiert, sollte man sich nicht einigen können? Sperrt dann das Naturparkzentrum auch in diesem Sommer nicht auf?

Mit diesem Szenario wollen sich die Streitparteien erst einmal nicht befassen.

Die Räumlichkeiten, in denen den Besuchern einmal Flora, Fauna und Geologie von Südtirols ältestem Naturpark erklärt werden sollen, ist bisher lediglich teilweise eingerichtet worden. Laut Landesrätin Hochgruber Kuenzer ist aber bereits ein Landesangestellter für den Dienst in Seis abbestellt worden. Auch eine Form der Finanzierung, wie sie betont.

Ebenfalls ungeklärt ist die Frage, zu welchen Bedingungen ein weiterer Raum im Naturparkhaus an den örtlichen Tourismusverein vermietet werden soll.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • kirke

    Ein weiterer Beleg dafür, dass wir viel weniger Politik und mehr Privat brauchen.

  • yannis

    Dies sind eben die Metastasen des seit Jahren unter „Naturschutz“ stehenden Massentourismus und der scheint mittlerweile seine „Endlichkeit“ erreicht zu haben.

  • hallihallo

    diese natürparkhäuser braucht es nicht.
    wieviele besucher hat das naturparkhaus vilnöss im jahr , aufgeschlüsselt nach schülern und erwachsenen??
    mit dem geld ist es viel gescheiter führungen in der natur zu machen.
    außerdem wieviele förster, naturparkbeamte , forstbeamte bei der kontrollstelle st.valentin usw. laufen auf dem gemeindegebiet kastelruth herum? aber statt informationen zu geben, strafen sie höchstens ein paar schwammerlsucher ( eh wenige). wir haben viel zu viele leute , die nur strafen oder gutachten schreiben, ob ein stadel oder weg gebaut werden dürften, anstatt dieses geld in den effektiven bau der wege zu investieren.
    wenn wir schon ein so schöne landschaft haben, dann brauchen wir doch nicht häuser , wo man diese in bildern zeigen will.

  • drago

    Warum sollte man ein Vereinbarung einhalten? Verträge sind dazu da, gebrochen zu werden. Da die Gemeinde die Errichtungskosten getragen hat und das Land bisher nichts, ist es kein Problem für das Land, das Haus geschlossen zu halten.

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen