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Fragiles Kulturerbe

„Piscina de Marés, Leça da Palmeira“. Aufnahme von João Morgado”

Wie wird Architektur der jüngsten Vergangenheit in unserer Gegenwart aufgenommen? Wie können Bauwerke der Zwischen- und Nachkriegszeit vor dem Hintergrund von gesetzlichen Lücken, Vernachlässigung und mangelnder Wartung oder invasiver Umwandlungen erhalten werden? Mit solchen Fragen setzt sich eine neue Vortragsreihe der Plattform Kulturerbe und Kulturproduktion auseinander, die am Mittwoch den 21. April mit zwei Vorträgen zum „Mythos Bauhaus“ startet.

Kontrovers diskutiertes Kulturerbe ist ein Schwerpunkt der 2018 gegründeten Plattform für Kulturerbe und Kulturproduktion. Bereits kurz nach Aufnahme ihrer Tätigkeit hatte die an der Fakultät für Design und Künste angesiedelte Plattform unter Leitung von Waltraud Kofler Engl den schwierigen Umgang Südtirols mit faschistischer Architektur in einer Ausstellung und Tagung in Beziehung zum kolonialen Kulturerbe Asmaras gesetzt. Ein roter Faden, der sich nach Vorträgen im Studium Generale nun auch durch eine neue Vortragsreihe in Kooperation mit der Architekturstiftung Südtirol zieht: „Ein fragiles Kulturerbe – Architektur des 20. Jahrhunderts erhalten“ lautet der Titel, unter dem bis Ende Mai sechs Online-Vorträge in- und ausländischer Architekt*innen, Kunsthistoriker*innen, Kurator*innen und Künstler*innen stattfinden werden.

„Wir haben einen großen Bestand an qualitativ hochwertiger Zwischen- und Nachkriegsarchitektur, die aber vielfach problematisch in der Erhaltung und Vermittlung ist, jedoch Kulturerbe-Status beanspruchen darf “, sagt Waltraud Kofler Engl. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, das Wissen und die Akzeptanz für dieses relativ junge Kulturerbe zu steigern, Impulse zu setzen, wie es erhalten, in der Gegenwart restauriert, genutzt und als kultureller Mehrwert wahrgenommen werden kann. Ausgangspunkt dafür wird die Analyse einiger nationaler und internationaler Fallstudien zum Schutz, zum Erhalt und Sanierung von Werken oder Werkgruppen sein, die emblematisch für das 20. Jahrhundert stehen.

Zum Auftakt der Vortragsreihe steht eine Ikone der Moderne im Mittelpunkt: Am Mittwoch, 21. April 2021, werden Monika Markgraf, Forscherin der Stiftung Bauhaus Dessau und der Künstler und Kurator Fritz Horstmann (Josef und Anni Albers Foundation) das Bauforschungsarchiv und die Ausstellung „Archäologie der Moderne. Bauforschung Bauhaus Bauten Dessau sowie das Zusammenspiel von Material und Architektur vorstellen.

Narrative, Werte und Imaginationen junger DDR-Denkmäler sind am 28. April Thema eines Vortrages der Architekturhistorikerin Simone Bogner von der Bauhaus-Universität Weimar. Nach architektonischen Ausflügen nach Portugal (Teresa Cunha Ferreira, Universität Porto) und Brasilien (Gaia Piccarolo, unibz) am 4. bzw. 12. Mai, wird der gebürtige Meraner Ivan Bocchio von der ETH Zürich am 18. Mai neue Perspektiven zu den Arbeiten von Piero Portaluppi, Gio Ponti und Franz Baumann eröffnen. Der Abschluss der Vortragsreihe ermöglicht dagegen einen neuen Blick auf die Nachkriegsmoderne in Südtirol bzw. einen ihrer bedeutendsten Vertreter: Armando Rocca, der mit mehr als 30 Bauwerken das Gesicht des modernen Bozen und Meran mitgeprägt hat. „Armando Ronca, ein Pflegefall?“: mit dieser Frage wird sich der Kunsthistoriker Jörg Stabenow von der Philipps-Universität Marburg auseinandersetzen.  Ein guter Anknüpfungspunkt für die Fortsetzung der Reihe im Herbst 2021: „Dann planen wir den Diskurs auf der Basis lokaler Fallbeispiele des Architektur-Erbes der Moderne in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino fortzusetzen, mit besonderem Blick auf die Stadt Bozen“, verrät die Leiterin der Plattform Kulturerbe/Kulturproduktion.

Die Vorträge werden für Architekt*innen als Weiterbildung anerkannt (2 BFG pro Webinar).Wir wollen damit aber nicht nur Fachleute, sondern auch ein breites Publikum ansprechen“, sagen die Kuratorinnen Waltraud Kofler Engl und Gaia Piccarolo. „Denn die Bauten und Siedlungen des 20. Jahrhunderts prägen den Lebensraum zumindest in den Städten Bozen, Meran, Innsbruck und Trient ebenso wie die allseits als erhaltenswert anerkannten Altstadtkerne, werden jedoch als weniger qualitätsvoll und kaum erhaltenswert wahrgenommen. Wir wollen Wissen und Wahrnehmung fördern und erweiterte Bewertungsmaßstäbe anregen.“

Mehr Infos und alle Links zur Anmeldung zu den Online-Vorträgen finden sich unterhttps://www.culturalheritage.unibz.it/it/attivita-11/.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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