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„Wir müssen abwarten“

Katja Messner (Foto: Florian Andergassen)

Letztes Jahr haben viele Brautpaare ihre Hochzeit coronabedingt verschoben. Im Interview spricht Hochzeitsplanerin Katja Messner über die diesjährigen Unsicherheiten und die Schwierigkeiten bei der Planung.

Tageszeitung: Frau Messner, die Corona-Pandemie hat die Hochzeitsbranche im Vorjahr hart getroffen. Wie groß sind die Unsicherheiten heuer?

Katja Messner: Heuer ist die Unsicherheit leider wieder groß, weil man einfach auch nach wie vor nichts hört – von keiner Seite. Zudem ist man auch ein bisschen skeptisch, weil die Restaurants noch immer nicht aufsperren dürfen.

Also steht man an einem ähnlichen Punkt wie vor einem Jahr?

Vor einem Jahr wusste man einfach gar nicht, wie es weitergehen soll. Heuer kennt man hingegen die Krankheit, man weiß, welche Einschränkungen es möglicherweise geben könnte und ist deswegen auch etwas gefasster und flexibler geworden. Man muss einen Termin auch nicht mehr sofort absagen, sondern kann relativ lange abwarten, weil auch viele Dienstleister und Anbieter den Brautpaaren diese Möglichkeit bis zum Schluss offen lassen – das ist sicher ein großer Unterschied im Vergleich zum Vorjahr.

Wurden im vergangenen Jahr wegen Corona viele Hochzeiten verschoben, oder hat schlussendlich doch ein großer Teil stattgefunden?

Von unseren Kunden hier im Brautmodegeschäft haben im Vorjahr über 100 Brautpaare ihre Hochzeit verschoben – also ungefähr die Hälfte. Es haben dann zwar im Juli, im August und auch im September einige Hochzeiten stattgefunden, aber es haben bereits zuvor viele ihre Hochzeit abgesagt oder verschoben, weil man einfach auch nicht wusste, ob und in welcher Form eine Hochzeit im Sommer gefeiert werden kann. Und heuer ist man im Prinzip wieder am gleichen Punkt, weil man zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nichts Definitives sagen kann.

Verschieben deswegen wieder viele Brautpaare ihre Hochzeit?

Wir sind aktuell zuversichtlich, dass es wenigstens so laufen wird wie im Vorjahr. Die Masken werden wir uns zwar wohl oder übel nicht aus dem Kopf schlagen können, aber wir hoffen wirklich, dass ab Juni auch Hochzeiten wieder stattfinden können. Viele möchten heuer jetzt endlich heiraten, aber natürlich gibt es auch einige, die ihre Hochzeit ein zweites Mal verschieben möchten – das sind bisher aber nur einige Brautpaare. Ich versuche momentan wirklich die Bräute aufzumuntern und rate den Brautpaaren derzeit auch abzuwarten, weil es einfach ärgerlich ist, wenn man eine Feier absagt, die man vielleicht doch hätte feiern können. Wenn es für die Dienstleister passt, würde ich deswegen definitiv noch abwarten.

Die April- und Mai-Hochzeiten wurden wahrscheinlich aber alle verschoben?

Unsere April-Bräute haben eigentlich alle verschoben und auch jene Anfang Mai haben verschoben, aber jene Ende Mai hoffen wirklich noch ganz stark, dass es irgendwie klappen wird.

Kann man angesichts dieser unsicheren Lage aber überhaupt eine Hochzeit planen?

Das was man planen kann, wird auch geplant. Aber natürlich ist es immer schade um die Zeit, die man in diese Vorbereitung steckt, wenn man dann wieder alles absagen oder verschieben muss. Es heißt aber leider vielfach einfach nur abwarten, weil man auch von der Politik keine klaren Auskünfte bezüglich Events oder Hochzeiten bekommt.

Werden heuer hauptsächlich Hochzeiten stattfinden, die voriges Jahr verschoben wurden oder sind auch neue dazugekommen?

Wir haben heuer eigentlich mit einem schlechteren Jahr gerechnet, aber erstaunlicherweise sind einige neue Brautpaare dazugekommen, die heuer heiraten möchten. Es gibt jetzt auch spontane Anfragen von Paaren, die unbedingt noch heuer heiraten möchten. Aber logischerweise sind es heuer nicht so viele Hochzeiten wie andere Jahre – das kann man nicht vergleichen.

Wird 2022 dann das große Hochzeits-Jahr werden?

Wir hoffen es zumindest (lacht). Wir hoffen, dass die Pandemie endlich überwunden werden kann und dass es 2022 einen richtigen Hochzeits-Boom gibt. Wir haben auch schon einige Anfragen für das kommende Jahr, aber es ist aktuell noch zu früh zu sagen, dass es ein Boom wird, weil die Leute einfach noch abwarten und schauen, wie sich die Lage entwickelt.

Haben die Leute überhaupt noch Lust zu heiraten?

Die Stimmung ist sicher nicht sehr gut, aber doch besser und zuversichtlicher als im Vorjahr. Im letzten Sommer haben sich vor einer Hochzeit auch viele Brautpaare mit älteren Gästen Gedanken darüber gemacht und einige hatten auch Angst, dass sich Eltern oder Großeltern bei der Hochzeit vielleicht infizieren könnten. Heuer sind diese Altersgruppen vielfach schon geimpft und deswegen ist das Risiko kleiner. Heuer ist man aber insgesamt etwas positiver gestimmt, weil viele eine Infektion durchgemacht haben, es eine Impfung gibt und auch die Möglichkeit besteht, sich regelmäßig testen zu lassen – das gab es letztes Jahr ja auch nicht. Die Schnelltests werden heuer sicher vor vielen Hochzeiten ein Thema sein.

Frau Messer, wie steht die Hochzeitsbranche aktuell da?

Es war sicher kein einfaches Jahr und die Branche leidet momentan wirklich, weshalb es für alle Dienstleister dieser Branche enorm wichtig wäre, wenn man heuer wieder mehr durchschnaufen könnte. Es geht bei einer Hochzeit ja nicht nur um die Location oder das Brautkleid, sondern auch um Musiker, Fotografen, Floristen, Catering-Dienste usw. Ich glaube, hier braucht es wirklich wieder einmal ein Hoch, damit man den Leuten etwas bieten kann – und zudem fehlen den Leuten die Feiern auch enorm.

Interview: Lisi Lang

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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