Du befindest dich hier: Home » News » „Wollen die Meisterschaft gewinnen“

„Wollen die Meisterschaft gewinnen“

Foto: FCS

Wird das verdammte Corona-Jahr am Ende das große Jahr des FC Südtirol? Geschäftsführer Dietmar Pfeifer verrät jetzt, dass der Club eine Aufstiegsprämie ausgelobt hat – und wie man Padua im Schlussspurt ausbremsen will.

TAGESZEITUNG Online: Herr Pfeifer, der FCS liegt vier Runden vor Schluss auf Rang 2 mit nur zwei Punkten Rückstand auf Padua. Eine gute Ausgangsposition?

Dietmar Pfeifer: Gut wäre, wenn wir die zwei Punkte Vorsprung hätten (lacht). Aber es stimmt, wir sind nahe dran. Wir spielen eine Mega-Meisterschaft, haben einen Durchschnitt von zwei Punkten pro Spiel – 68 Punkte aus 34 Spielen. Mit so einem Durchschnitt gewinnt man in der Regel die Meisterschaft …

Vor zwei Jahren hat Pordenone mit 72 Punkten die Meisterschaft gewonnen …

Richtig! Und der Tabellenzweite hatte damals 67 Punkte. Das zeigt, also, dass die Mannschaften, die vorne liegen, eine extrem hohe Qualität haben und fast alle Spiele gewinnen.

Tabellenführer Padua hat am Samstag doch etwas überraschend aus Abendspiel gegen Triestina verloren …

Das zeigt, dass jeder jeden schlagen kann. Triestina zählte zu Saisonbeginn ja auch zu den Favoriten auf den Aufstieg in die Serie B. Triestina ist eine Top-Mannschaft, der vielleicht nur etwas die Konstanz fehlt. Wir müssen ja auch noch gegen Triestina antreten. Auswärts!

Wie beurteilen Sie das Restprogramm des FCS?

Wir denken nicht zu weit, sondern immer nur an das nächste Spiel. Wir bereiten uns jetzt auf das Heimspiel gegen Virtus Verona vor, analysieren den Gegner und werden versuchen, dessen Schwächen auszunutzen.

Padua und Perugia waren zu Saisonbeginn die großen Favoriten auf den Aufstieg. Der FCS hat ein Gesamtbudget von 4,5 Millionen Euro, Padua und Perugia haben …

… beide über 10 Millionen Euro. Bei Padua machen nur die Gehälter der ersten Mannschaft mehr als 10 Millionen Euro aus. Padua und Perugia sind auf dem Papier Serie-B-Mannschaften. Wenn unsere Mannschaft jetzt so weit vorne liegt, dann bedeutet dies, dass wir uns nicht verstecken müssen. Unsere Stärke ist die Breite des Kaders, wir haben richtig viele gute, junge und interessante Spieler.

Sportdirektor Paolo Bravo hat einen guten Job gemacht?

Er ist der Architekt des Teams, ja, wobei er die Verpflichtung eines jeden Spielers zuvor mit dem Trainer abgesprochen hat.

Welche sind denn in Ihren Augen die interessantesten Spieler in den Reihen des FCS?

Da ist sicher Marco Curto, der Zentralverteidiger, der das Zeug zum Serie-A-Spieler hat. Er ist Jahrgang 1999 und gehört uns. Dann noch Hamza El Kaouakibi, er gehört Bologna und hat Mega-Qualitäten. Dasselbe gilt für Nermin Karic, Matteo Rover und Simone Navi. Sie alle sind noch blutjung, gehören uns und haben das Zeug dazu, in höheren Ligen zu spielen.

Und Leandro Greco?

Er hat eine bestimmte Zeit gebraucht, um sich auf unser Spielsystem einzustellen, aber in den letzten Monaten hat er gezeigt, dass seine Mega-Erfahrung für uns Gold wert ist. Wenn man sieht, welche Spielübersicht er hat und wie er die Bälle verteilt, dann versteht man, warum er Champions League gespielt hat.

Trainer Vecchi dürfte nach dieser Super-Saison mit dem FCS kaum in Bozen zu halten sein?

Wir haben vereinbart, dass wir uns jetzt voll und ganz auf die letzten Spiele konzentrieren. Dann werden wir sehen. Natürlich hat er Bewunderer – völlig zu Recht! Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass Trainer hier bei uns in Ruhe arbeiten und aus der Mannschaft das Maximum herausholen können.

Der FCS war das Sprungbrett für viele gute Trainer …

Ja, und wir werden auch in Zukunft wieder gute Trainer beim FCS haben.

Wenn es mit dem direkten Aufstieg nicht klappen sollte …

Wir peilen natürlich den direkten Aufstieg an, wir wollen die Meisterschaft gewinnen. Wenn am Ende Platz 2 herausschauen sollte, dann wäre dies ebenfalls ein Erfolg, weil der Tabellenzweite direkt in das Viertelfinale einsteigt und somit weniger Playoff-Spiele bestreiten muss. Aber, wie gesagt: Wir wollen gewinnen!

Der FCS hat ein durchaus machbares Restprogramm und die Art und Weise, wie die Mannschaft am vergangenen Samstag in Legnago das Spiel gedreht und mit 3:2 gewonnen hat, lässt hoffen …

Legnago hat einen guten Lauf, seit dem Trainerwechsel haben sie acht Punkte geholt, vor einer Woche haben sie 3 zu 0 gegen Cesena gewonnen. Wir wussten, dass wir sie nicht unterschätzen dürfen. Freilich: Es war ein schwieriges Spiel, und wenn wir nicht so viel Qualität hätten, hätten wir das Spiel nie und nimmer drehen können. Bei solchen Spielen sieht man, ob eine Mannschaft eine Siegermentalität hat. Wir haben diese Mentalität! Außerdem haben wir mit diesem Sieg Padua unter Druck gesetzt …

… und Padua hat das Abendspiel dann prompt verloren.

Richtig!

Und jetzt verspürt Padua den Atem des FCS im Nacken?

Ja, das ist auch unser Ziel. Je weniger Spiele fehlen, desto größer ist das Risiko, dass gewisse Spieler mit dem Druck nicht fertigwerden und Fehler machen. Daher müssen wir selbst mit diesem Druck zurechtkommen und weiterhin schauen, den Druck auf Padua aufrecht zu erhalten. Beim Spiel in Legnago hat man gesehen, wie wichtig es ist, noch Benzin zu haben, um so ein schwieriges Spiel noch drehen zu können. In dieser Schlussphase der Meisterschaft, wenn es ans Eingemachte geht, wird die mentale Komponente immer wichtiger.

Ein Wort zu Manuel Fischnaller: Vor Monaten dachten manche, Fischnaller wäre fertig. Dann hat der Signater gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist …

Wer gemeint hat, dass Manuel fertig ist, dem hätte ich sofort sagen können, dass dies nicht der Fall ist. Fischnaller hat außerordentliche Qualitäten, er ist ein kompletter Spieler. Und sobald wir unser Spielsystem umgestellt haben – weniger hohe und lange Bälle, dafür schnelles Kombinationsspiel mit Casiraghi und Voltan – hat Manuel wieder maximale Leistung bringen können.

Sie haben der Mannschaft eine Aufstiegsprämie in Aussicht gestellt?

(lacht) Davon weiß ich nichts.

Dieses Gerücht hält sich aber sehr hartnäckig …

(lacht) Es ist klar, dass es immer das Ziel des FCS war, in die Serie B aufzusteigen. Daher werden wir uns im Fall der Fälle sicher erkenntlich zeigen.

Es gibt sie, also, die ausgelobte Aufstiegsprämie?

Ja, wir haben die Mannschaft ein bisschen motiviert.

Interview: Artur Oberhofer

 

 

 

INFO-GRAFIK 1

 

Das Restprogramm

 

 

Padua       FC Südtirol        Perugia

 

GUBBIO    VIRTUS VERONA       TRIESTINA

Modena    Triestina   Ravenna

Carpi         CESENA    MATELICA

SAMB         Vis Pesaro        Feralpisalò

 

* In Großbuchstaben die Heimspiele

 

 

INFO-GRAFIK 2

 

 

Die Tabelle

 

Padua       70 Punkte

FCS   68     Punkte

Perugia     67 Punkte

Modena    60 Punkte

Triestina   54 Punkte *

 

* Ein Spiel weniger

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen