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Der Erfinder

Kurt Wohlgemuth (Foto: Ivo Corà)

Der weltweit erste für den 3D-Druck verwendete Beton-Inkjet-Druckkopf für das Selective Paste Intrusion-Verfahren kommt aus dem Sarntal. Nach Jahren der Forschung und Entwicklung hält der Unternehmer Kurt Wohlgemuth seit Kurzem das Patent in den Händen.

Was zeichnet die bahnbrechende Technologie made in Südtirol aus? Über Binderjet-Düsen und den neu entwickelten Druckkopf wird flüssiger Portlandzement in ein grobkörniges Sandbett gespritzt. Das Ergebnis: 3D-Objekte in beliebigen Formen, die – im Gegensatz zu marktüblichen Herstellungsverfahren für Beton – beim Druck lediglich eine digitale Vorlage brauchen. „Während man beim sogenannten ‚Contour Crafting‘ den Beton nicht in überhängende Formen bringen kann und aufwändige Stützstrukturen benötigt, erlaubt es dieser Druckkopf, vergleichbar mit  vielen Tortenspritzen, völlig frei beliebige dreidimensionale Formen und Objekte zu drucken“, erklärt Kurt Wohlgemuth.

Die Geschichte beginnt vor rund 10 Jahren mit der Idee des gelernten Kunstschmieds, eine Treppe von der Planung bis zur Produktion gänzlich digital zu fertigen. „Als Handwerker im Sarntal muss man sich etwas überlegen, um zu überleben“, so der Inhaber von Metall Concept. Damals wandte er sich erstmal an den NOI Techpark (damals TIS). Mit dem dortigen Netzwerk und in mehrerengemeinsam ausgearbeiteten F&E-Projekten entwickelte Wohlgemuth in den darauffolgenden Jahren gemeinsam mit verschiedensten Partnern aus Wirtschaft und Forschung innovative Schalungssysteme und Druckverfahren. In Zusammenarbeit mit dem Brixner Betonspezialisten Progress AG entstand ein erster Druckkopf für Sorelzement. Da dieses Material weit weniger Anwendungsmöglichkeiten als Beton bietet, forschte Wohlgemuth weiter – und patentierte 2021 schließlich den weltweit ersten 3D-Beton-Inkjet-Druckkopf.

Foto: Ivo Corrà

„Kurt Wohlgemuth ist ein Musterbeispiel dafür, wie Forschung & Entwicklung funktioniert“, so der Verantwortliche für Tech Transfer Automotive & Automation im NOI, Johannes Brunner, der den Sarner Unternehmer von Beginn an begleitete. „Es braucht dafür nicht nur eine zündende Idee, sondern viel Ausdauer, Mut, und vor allem ein Netzwerk mit den richtigen Partnern – in diesem Fall mit der TU München, der Universität Trient sowie den Unternehmen Progress M&A in Brixen, FIT Additive Manufacturing Group und BASF AG.“ Seine Ursprungsvision, eine gedruckte Beton-Treppe, wird Kurt Wohlgemuth dank dieses Patents künftig verwirklichen können. Doch das Anwendungsfeld des neuen 3D-Druckkopfs für Beton ist noch viel breiter und eröffnet der Südtiroler Industrie Möglichkeiten für weitere Produkt- und Verfahrensinnovationen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (23)

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  • batman

    Produkte Produkte Produkte! Die kommende Generation wird sich freuen! Nur wohin mit diesem ganzen Müll?

    • treter

      Bin ganz Ihrer Meinung Batman!

    • n.g.

      @batman Eines scheinst du zu vergessen. Wenn wir uns nicht weiter entwickeln dann gibt es uns bald nicht mehr.
      Man kann darüber philosophieren ob das gut odet schlecht wäre aber du scheinst dir ein Leben wie im Auwald bei den Hobbits zu wünschen. Hm

      • batman

        @n.g.

        Hat das Bewusstsein mit der technischen Entwicklung Schritt gehalten?

      • batman

        @n.g.
        Entwickeln oder wachsen?

      • batman

        @n.g.

        Made in Betontirol!

      • markp.

        @n.g.

        Die Aussage, daß die Menschheit nicht überlebt, wenn sie sich nicht ständig weiterentwickelt, halte ich persönlich für den größten Quatsch, den ich bisher gelesen habe.
        Meiner Meinung ist genau diese technische nonstop Entwicklung, die uns Menschen am Leben hindert und uns daran hindert „im heute“ zu leben. Stattdessen muß es immer das neueste vom Neuen sein, ein Kreislauf aus dem es nur schwer ist rauszukommen und sich wie ein Hamsterrad entwickelt. Immer der Schrei nach neuem nach dem besseren. Und die ganze aktuelle Pandemie (ob gesteuert oder nicht), zeigt uns doch, daß uns auch die größte Entwicklung nicht am Leben erhält.

        Bestimmt gibt es sehr gute Entwicklungen, die uns das Leben leichter machen. Auch gibt es bestimmt Forschungen, die Krankheitsbilder ausmerzen. Aber ob es zum Überleben ein Smartphone braucht, mit dem man sein Haus steuern kann oder gar eine Treppe am PC bauen kann, wage ich es zu bezweifeln. Ich ziehe meinen Hut vor der Erfindung von Herrn Wohlgemuth und allen anderen Erfindern. Sicherlich nutze auch ich die eine oder andere neueste Entwicklungen. Aber um zu Überleben, braucht es meines Erachtens nicht unbedingt immer das neueste vom Neuen.

        P.S.: Vielleicht ist das Hobbitleben im Auwald sogar viel schöner, wer weiß?

        • ronvale

          Ohne diese technische non stop Entwicklung könnten Sie ihren Beitrag hier nicht veröffentlichen

          Schon eigenartig wenn Menschen jene Neuerungen ablehnen, welche ihnen nicht persönlichen Nutzen bringen

  • treter

    Diese 3D-Betondrucker sollen dann ja von der Firma Progress im Auwald in der Brixner Industriezone zum Einsatz kommen. Dafür muss dieser sehr wertvolle Wald, der 64 Vogelarten als Habitat dient, klarerweise gerodet werden. Derzeit läuft ja bekanntlich das Verfahren zur Bauleitplanänderung und diese soll demnächst in der neuen Landeskommission für Raum und Landschaft behandelt werden. Ich ersuche diese Kommission und nachfolgend auch den Brixner Gemeinderat und die Landesregierung den Standort Auwald ganz klar abzulehnen. So innovativ wie 3-D Betondrucker auch sind aber dafür einen Auwald zu roden ist ein Rückschritt in jeder Hinsicht!!!
    Zuallerletzt sei noch eine Frage erlaubt: soll nicht Südtirol zur nachhaltigsten Region Europas werden? Unsere höchsten Politiker betonen dies jedenfalls schon länger…
    Da fällt mir der italienische Spruch ein: „tra il dire e il fare c’è di mezzo il mare“!

    • yannis

      Unsere höchsten Politiker „betonen“ dies jedenfalls schon länger…
      ….wird bald auf „betonieren“ hinaus laufen…..
      wie in DE, erst ein Mords Tra es um ein paar Stauden im sog. Hambacher Forst, aber sogleich wurden 1.932.700 m2 Wald im Brandenburgischen Grünheide für den Bau der ersten Ausbaustufe des ach so wichtigen Tesla Werks vernichtet, während anderswo es dafür genügend Industrie Brachen ungenutzt liegen bleiben.

      • treter

        Apropo Elektroautohersteller Tesla: frage mich wie schaut es mit der Ökobilanz bei der Herstellung und Entsorgung der Autobattarien aus? Da werden in Zukunft gigantische Mengen davon zu entsorgen sein. Dasselbe gilt logo auch für E-Fahrräder!
        Und wenn ich an die Rodung vom Hambacher- und Dannenröderforst in Deutschland denke kommt mir sowieso die Galle hoch….

      • hallihallo

        in südtirol gibt es auch schon genug industriebrachbauten und trotzdem werden die handerwerkerzonen und vor allen die industriezonen ( bozen und brixen usw.) immer noch stark erweitert.

        • treter

          Bin ganz Ihrer Meinung Hallihallo!
          Die Firma Progress könnte doch an ihrem zusätzlichen Standort bzw. im ehemaligen Fenster Quelle Industriegebäude in Schrambach erweitern! Und dort zwischen Staatsstraße und Autobahn gibs nur eine konventionelle Apfelplantage mit niedrigen Bäumen und Pestizideinsatz. Dafür könnte dann der wertvolle Auwald in der Brixner Industriezone erhalten bleiben!

      • andreas

        @yannis
        Der Hambacher Forst ist ein Mischwald mit teilweise 300 Jahre alten Bäumen und die Bäume beim Teslawerk sind eine Monokultur mit Kiefern für die Papierproduktion.
        Diese Fläche war schon seit ca.2003 als Bauland für BMW ausgewiesen, die wollten dann aber doch nicht.

        • treter

          @andreas
          Jeder Wald ist wertvoll in Zeiten des Klimawandels! Auch eine Monokultur mit Kiefern….Vielleicht wissen Sie nicht dass Wälder gigantische Kohlenstoffspeicher sind. Werden sie gerodet gelangen Unmengen von klimaschädlichlichem Kohlendioxid in die Atmosphäre!!

          • ronvale

            Was soll dieses Geplärre um ein Stück Wald?

            „ Zwischen 1990 und 2015 nahm die Fläche der Waldplantagen um mehr als 105 Millionen Hektar zu – zwischen 1990 und 2000 um jährlich 3,6 Millionen Hektar, zwischen 2000 und 2005 um jährlich 5,9 Millionen Hektar und zwischen 2010 und 2015 um jährlich 3,3 Millionen Hektar.“

            Quelle: bnp.de

          • andreas

            Die Kiefern wurden zur industriellen Nutzung gepflanzt, der Verlust ist überschaubar.

  • panettone

    Gratuliere! So eps drrichten net viele.

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