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„Bier ist beim Schlechtwerden“

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Geschlossene Restaurants und Wirtshäuser, kein Wintertourismus und unsichere Aussichten: Die Corona-Krise setzt vielen Brauereien in Südtirol stark zu.

von Lisi Lang

Der anhaltende Corona-Lockdown macht vielen Brauereien in Südtirol schwer zu schaffen. „Es ist momentan für alle eine schwierige Situation“, sagt Gregor Wohlgemuth, Präsident der Südtiroler Wirtshausbrauereien. Seit mehreren Wochen schon befindet sich die Gastronomie in Südtirol im Lockdown, Bars und Restaurants sind geschlossen, Tourismusbetriebe ebenfalls und auch die Wintersaison, auf die man bis zum Schluss wenigstens in einer reduzierten Form gehofft hatte, ist ausgefallen.

Ein Ende des Lockdowns ist aber auch noch nicht in Sicht. „Das Bier ist beim Schlechtwerden – wenn wir noch länger zulassen müssen, werden wir einige Liter wegschütten müssen“, sagt Robert „Bobo“ Widmann, Chef des „Batzen Bräu“ in Bozen. „Man weiß momentan nicht, wann die Gastronomie wieder aufsperren darf und für einen Unternehmer ist diese Situation wirklich sehr deprimierend“, unterstreicht Robert Widmann.

Deprimierend sei die Situation aber nicht nur für ihn als Unternehmer, sondern auch für seine Mitarbeiter. „Im Moment sind nur 4 von 55 bis 60 Mitarbeiter im Betrieb“, schüttelt Widmann den Kopf.

Die acht Südtiroler Wirtshausbrauereien kämpfen derzeit mit verschiedenen Schwierigkeiten und Problemen, man ist sich allerdings einig: die aktuelle Situation ist mehr als nur ungut. „Die meisten unserer Brauereien hängen an Wirtshäusern und nachdem die gesamte Gastronomie jetzt schon seit mehreren Wochen geschlossen ist, fehlt einfach dieser Absatzmarkt“, erklärt Gregor Wohlgemuth. Einige der kleineren Brauereien haben laut Wohlgemuth angesichts dieser unsicheren Situation zwar weniger produziert und riskieren deswegen nicht literweise Bier wegschütten zu müssen.

Andere Brauereien hingegen, wie auch das „Batzen Bräu“, die größte Südtiroler Wirtshausbrauerei, befürchten hingegen sehr wohl, Bier wegschütten zu müssen, wenn sich die Situation nicht bald ändert. „Das Lager unserer Brauerei ist voll: Wir haben Bier, welches für die Wintersaison geplant war, von unseren langjährigen Partnern zurückgenommen und deswegen aktuell anstatt rund 40.000 Liter verkaufsfertigem Bier 80.000 Liter im Lager“, erklärt Robert „Bobo“ Widmann. Auch die Tanks seien alle voll. „Wir haben seit zwei Monaten keinen Sud gebraut“, erklärt der Chef des „Batzen Bräu“.

Aber weil die Haltbarkeit des Hopfengetränks beschränkt ist, bei seinem Bier spricht Robert „Bobo“ Widmann von vier bis sechs Monaten in den Fässern bzw. Flaschen, komme man langsam in die kritische Phase. „Momentan ist die Situation irgendwie noch erträglich, aber wenn wir noch einen Monat lang geschlossen lassen müssen, werden erste Brauereien Bier vernichten müssen – und das tut einfach weh“, sagt der „Batzen“-Chef. Und mit Vernichten meint Widmann ausschütten. „Wenn es so kommt, dann kommt es dick – wir müssten dann sicher die Hälfte in den Gully schütten – aber wir hoffen momentan wirklich, dass es nicht soweit kommt“, unterstreicht Widmann.

Ähnlich schlecht sieht die Situation im Pustertal aus. Dort musste die traditionelle Brauerei Pustertaler Freiheit kürzlich eine erste Bier-Vernichtung in die Wege leiten. „Dieses Bier wurde vor Weihnachten für die Skisaison vorbereitet, aber es ist ja nie zu einem Skibetrieb gekommen“, bedauert Alexander Weissteiner, Inhaber der Brauerei Pustertaler Freiheit. Deswegen musste die Brauerei kürzlich ein Ansuchen beim Zollamt einreichen und etwas mehr als 10.000 Liter Fass- und Flaschenbier ausschütten. „Das bringt uns nicht um, aber es tut einfach weh“, erklärt Alexander Weissteiner. Als Kleinsbrauerei habe man aber keine Möglichkeit das Bier zu erhitzen und dadurch länger haltbar zu machen. „Deswegen geben wir unserem Bier eine Haltbarkeit von vier Monaten beim Fass- und sechs Monaten beim Flaschenbier“, erklärt Weissteiner. Und innerhalb dieser Zeitspanne muss das Bier dann auch konsumiert werden – ansonsten landet es leider im Gully.

Wie für die Wirtshausbrauereien ist auch für die Brauerei in Vintl die Gastronomie der Hauptabsatzmarkt. „Über 80 Prozent gehen in die Gastronomie und wir haben keine Möglichkeiten umzusatteln“, erklärt Weissteiner. „Wir zehren von unseren Reserven und sind in Wartestellung, dass es endlich wieder losgeht – sonst bekommen wir Probleme“, sagt der Inhaber der Brauerei Pustertaler Freiheit.

Der unsichere Ausblick macht den Brauereien besonders stark zu schaffen. „Und die Hilfspakete sind nur sehr dürftig“, schüttelt Robert „Bobo“ Widmann den Kopf. „Bereits im letzten Jahr haben viele Betriebe gewaltige Umsatzrückgänge von teilweise 50 Prozent verzeichnet – das ist ein dramatischer Einbruch“, unterstreicht Widmann. Der private Konsum sei zwar teilweise etwas gestiegen, könne den Absatz in der Gastronomie aber keinesfalls ausgleichen. „Das gesamte letzte Jahr war schwierig, aber ich glaube, das heurige wird noch schwieriger werden“, meint auch Alexander Weissteiner.

Für die Brauereien ist deswegen klar, dass man wieder arbeiten möchte und die Gastronomie öffnen muss. „Wir hoffen wirklich, dass wir bald wieder arbeiten können, sonst wird es auch bei uns im Verein einige treffen, die diese Situation nicht überstehen werden“, betont Gregor Wohlgemuth.

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