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Spaltende Testpflicht

Die Südtiroler Betriebe haben die unterschiedlichsten Meinungen zur geplanten Testpflicht für die Mitarbeiter. Die Umfrage.

Harald Freitag, Auto Freitag, St. Leonhard in Passeier:

Harald Freitag

Ich stelle die Tests als Betrieb gerne zur Verfügung, aber nur auf freiwilliger Basis. Ich werde sicher keinen Mitarbeiter zwingen, wenn er nicht will. Und ich werde auch sicher niemanden daheim lassen, der sich dem Test verweigert. Wir sind der Sache zudem zwei Monate voraus: Ich habe über Internet eine Testpackung bestellt und wenn ein Mitarbeiter bestimmte Symptome hat, testen wir selbst, um keine Zeit zu verlieren und um zu wissen, dass der Mitarbeiter in Ordnung ist.

Zudem finde ich es absolut sinnlos, jemanden zu testen, der das Coronavirus bereits hatte. Warum sollte sich derjenige zwei wöchentliche Tests antun müssen? Wenn mit Hausverstand gearbeitet wird, dann gerne – sonst nicht.

Vom Vieltesten bin ich generell nicht wirklich überzeugt – auch weil wir uns in Südtirol selbst ein Ei legen: Wir wären nie dunkelrot gewesen, wenn im Verhältnis zur Testanzahl kalkuliert würde.

Christian Jocher, Sportgeschäft „runner‘s high“, Brixen:

Christian Jocher

Ich bin nicht begeistert von der Testpflicht, vor allem weil nicht die öffentliche Hand zahlt, sondern alles auf uns abgewälzt wird. Wir haben sowieso schon große Schwierigkeiten, Umsätze zu generieren, weil der Tourismus fehlt, die Gemeindegrenzen geschlossen sind und immer noch Angst da ist. Unterstützung haben wir bisher auch keine erhalten – und dann sollen wir jetzt noch die Tests bewältigen.

In unserem kleinen Geschäft halten sich alle an die Regeln und wir akzeptieren auch nicht, dass sich Kunden danebenbenehmen. Man müsste eher in den Supermärkten und Kaufhäusern genauer hinschauen. Die kleinstrukturierten Betriebe sind für mich nicht das Problem. Bei ihnen ist die Situation überschaubar.

Was mir einleuchtet, ist ein Konzept wie in Tübingen, wo es mehrere Teststationen gibt und die negativ Getesteten ein Tagesticket erhalten, wobei die Betriebe alle geöffnet sind.

Heidi Felderer, Bauunternehmen Felderer, Eppan:

Heidi Felderer

Wir werden bei diesen Tests mitmachen, weil wir froh sind, dass wir arbeiten dürfen. Wenn diese Testpflicht die Lösung ist, dass alle Betriebe wieder arbeiten dürfen, geht es für mich in Ordnung – auch wenn einige meiner Mitarbeiter sicher nicht glücklich mit dem Vorhaben sind. Es ist aber höchste Zeit, dass die Wirtschaft wieder läuft.

Mir ist bewusst, dass es keine Pflicht ohne Konsequenz gibt. Das ist natürlich nicht angenehm. Aber wenn das die Voraussetzung ist, um weiter arbeiten zu dürfen, dann fügt man sich.

Paul Zöggeler, Tischlerei Zöggeler, Jenesien:

Eine solche Testoffensive ist sicher sinnvoll und umsetzbar. Zwingen kann man niemanden, aber es sieht jeder ein, dass es positiv ist, wenn wir das Beste aus der Situation machen, um so schnell wie möglich aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen. Dafür sollte jeder seinen Beitrag leisten.

Allerdings ist es ausreichend, wenn die Tests freiwillig sind. Damit wären sicher 80 Prozent der Beschäftigten mit dabei. Ein Zwang hingegen führt immer gleich zu einer eher negativen Einstellung.

Otto Mattivi, Restaurant Hidalgo, Burgstall:

Otto Mattivi

Ich empfinde das Testen in den Betrieben als sehr sinnvoll und als große Chance, auch weil unsere Gäste Gewissheit haben, dass unser Team getestet ist. Das gäbe auch mir ein sicheres Gefühl, wenn ich irgendwo einkehre. Alle 20 Mitarbeiter, die ich noch fix angestellt habe, stehen hinter dieser Idee. Uns allen ist es wichtig, den Betrieb bald wieder öffnen zu können.

Ich verstehe das Problem nicht, wenn man sich testen lässt. Es gibt in der Zwischenzeit ja auch einfachere Testmöglichkeiten.

 

Ulrich Wallnöfer, Pur Südtirol, Lana:

Wir waren mit dem Thema Testen bereits als Betrieb in einer „Mutanten-Gemeinde“ betroffen. Damals stellten wir gleich im Betrieb Tests zur Verfügung, weil wir es nicht als sinnvoll erachteten, die Mitarbeiter zu den öffentlichen Teststationen zu schicken, wo es anfangs große Staus gab und keine Planbarkeit vorhanden war.

Ulrich Wallnöfer (Foto: Julia Lesina Debiasi

Ein großes Problem haben wir immer, wenn das Wort „Pflicht“ aufkommt. Das geht nicht mit unserer Philosophie einher, wonach bei den Menschen ein gesunder Hausverstand und Eigenverantwortung ausgeprägt sein sollten. Eine Pflicht produziert immer Widerstand und ist in einer solchen Situation kontraproduktiv, denn Widerstände führen immer zu Trennungen in der Gesellschaft – und von denen haben wir in Südtirol schon genügend. Deshalb

braucht es eher verbindende und nicht weiter trennende Maßnahmen, sonst haben wir in den nächsten Jahren alle gemeinsam Kollateralschäden zu tragen. Wenn Betriebe morgen gute Mitarbeiter nicht mehr einsetzen können, die ein Problem mit der Pflicht haben, entstehen Gräben. Das macht mir Sorgen.

Auch nicht richtig finde ich, dass die Tests auf Kosten der Arbeitgeber gehen, die bereits unglaubliche Lasten tragen und unter großem Druck stehen. Wir sollten uns nicht um Corona, sondern um die Weiterentwicklung unserer Betriebe kümmern.

Robert Folie, Folie Metall, Reschen:

Wir arbeiten häufig in Nauders und müssen deshalb sowieso jede Woche zum Test. Speziell in Grenzgebieten, wo die Betriebe teilweise im Ausland arbeiten, muss so oder so getestet werden. Es ist gut, dass Tests durchgeführt werden, um die Situation ein bisschen unter Kontrolle zu halten.

Kritisch sind die Kosten. Wenn die Tests gratis wären, würde es mehr Sinn machen. Sonst machen die Menschen irgendwann nicht mehr mit, wenn sie ständig zahlen müssen.

Umfrage: Heinrich Schwarz

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Kommentare (11)

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  • lillli80

    Aha. Plötzlich sind alle gegen eine testpflicht. Bei der diskussion um die testpflicht bei den grundschülern war der tenor irgendwie anders. Man bekam zu hören „wo ist das problem? Das bisschen nasebohren…ihr eltern, stellt euch nicht so an.“ diese gesellschaft kotzt mich einfach nur an.

  • batman

    Ob die Tests richtig funktionieren oder nicht, ist ja egal!

    https://www.rubikon.news/artikel/spates-eingestandnis

  • jennylein

    Blöd ist halt, daß wir im Moment bei 10.000 Test, bei einer Spezifität der besten Tests von 99,7% (Sd Biontech ), täglich 30 falsch Positive „finden“. Niemand schreibt, dass die täglich veröffentlichten Zahlen der Antigentests schon jetzt meist die Hälfte falsch Positive ausweisen. Wenn wir die Testanzahl auf 30.000 steigern, dann sind wir bei 90 falsch Positiven täglich. Das ergibt dann eine Wocheninzidenz von über 100 auch wenn es keinen einzigen Infizierten mehr gäbe. Unsere beste Landesregierung aller Zeiten wird dann wohl als Gegenmaßnahme täglich nein am Besten stündlich jeden Testen und wir schaffen es dann für den Rest der Legislaturperiode Rote Zone zu bleiben.

  • murega

    @lilli80
    Wer ist den gegen die Testpflicht? Müssen Eltern für die Tests ihrer Kinder in den Schulen bezahlen? Unternehmen schon. Uns das geht ins Geld… Viele Unternehmen machen seit Monaten keine oder nur sehr bescheidene Umsätze. Tests aus eigener Tasche zu bezahlen ist da einfach nicht drin.

    • lillli80

      @murega. Lies dir den text durch und du wirst lesen, dass einige gegen verpflichtende tests sind.
      Bezügl. der kosten war doch auch in der schule das argument, dass die kosten für die tests weitaus geringer sind, als der schaden für die wirtschaft. Nicht unbedingt meine meinung, aber gehört hab ichs 1000mal…

  • tirolersepp

    Arbeiten dürfen = testen
    Nicht arbeiten = nicht testen

    über Sinnhaftigkeit lasst uns später diskutieren !!!

  • novo

    Subventionsempfänger nennen sich in Südtirol Unternehmer.

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