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„Schaue ich hin oder weg?“

Diözesanbischof Ivo Muser stand der Karfreitagsliturgie im Bozner Dom vor. In seiner Predigt warnte Muser vor einer Globalisierung der Gleichgültigkeit, „die nicht nur anderen schadet, sondern auch uns deformieren wird, wenn wir ihr nachgeben“.

Der Karfreitag, der Gedächtnistag des Leidens und Sterbens Jesu, ist für die Katholiken ein Tag der Trauer und ein Tag des Fastens.

Die christliche Gemeinde verstummt, lässt nur noch das Wort Gottes reden. Dies wird deutlich in der liturgischen Feier, die aus drei Teilen besteht: Wortgottesfeier mit der Leidensgeschichte Jesu und den so genannten Großen Fürbitten, Kreuzverehrung und Kommunionfeier.

Die Liturgie mit Bischof Muser im Bozner Dom hat am Karfreitag zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr begonnen: Nach dem schweigenden Einzug haben sich der Bischof und die Konzelebranten vor dem Altar auf den Boden gelegt.

In seiner Predigt sagte der Bischof, dass Papst Franziskus oft an die „Gabe der Tränen“ in der spirituellen Tradition der Kirche erinnert. „Mit dieser Gabe ist keine Weinerlichkeit gemeint, kein Selbstmitleid. Vielmehr führen uns die Passionserzählungen über Petrus in die richtige Richtung: Es geht um die Gabe und die Bereitschaft, sich innerlich berühren zu lassen, nicht abzustumpfen“, so Bischof Muser, der ganz konkret fragte: „Bewegt uns das, was anderen geschieht, was Menschen erleiden und durchzustehen haben? Haben uns die vielen Corona-Nachrichten und Corona-Bilder sensibler, hörender, sehender, solidarischer gemacht für das Leid von Menschen? Schaue ich hin oder schaue ich einfach weg?“

In diesem Zusammenhang ging Bischof Muser auf die Worte des Papstes ein, der von „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ sprach: „Wenn wir dieser Globalisierung der Gleichgültigkeit freien Lauf lassen, dann wird uns das die Menschlichkeit rauben. Glauben wir nicht, dass unsere Gleichgültigkeit nur anderen schadet! Sie wird auch uns deformieren, wenn wir ihr nachgeben. Der Weg kann deshalb nicht heißen, sich mehr und mehr abzuschotten und abzuhärten. Deshalb der Vorschlag des Papstes, um die Gabe der Tränen zu bitten“, so der Bischof.

Bischof Muser wird die Osternacht am morgigen Karsamstag, 3. April, um 19.30 Uhrim Brixner Dom feiern. Am Ostersonntag, 4. April, feiert der Bischof das Pontifikalamt um 10 Uhr im Bozner Dom.

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