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Moritz Anrater ist neuer Landesmeister

Moritz Anraten und Lena Morgenstern (Foto: Morgenstern)

Moritz Anrater hat mit seinem Text „Was hinter uns liegt“ die Poetry Slam-Landesmeisterschaften für sich entschieden. 

Ein Monat voller Rap, Reime und Geschichten. Wöchentliche Dichterwettstreite via Bildschirm und Spannung bis zum Schluss. Von Ende Februar bis Ende März traten jeweils drei Poetry Slammer*innen in vier Vorrunden gegeneinander an. Am vergangenen Freitag fand schließlich das große Finale statt und die fünf von den zahlreichen Zuschauer*innen gewählten Spoken Word-Poet*innen des Landes dichteten um die Wette: Vale Gander („Zeitrafferleben“), Theresa Künig(„Kartenhaus“), Eva Prunner (Anfangen – Aufhören), Moritz Anrater („Was hinter uns liegt) sowie die Titelverteidigerin Eeva Aichner („Zerrissen“). Die Finalist*innen hatten für das Verfassen der neuen Finaltexte nur wenige Tage Zeit und mussten drei Worte in ihre Texe einbauen: an „chillig“, „Hirschgeweih“ und „Kleeblatt“ kam niemand vorbei!

Moritz Anrater überzeugt mit „Was hinter uns liegt“

Seit Montag sind die Poetry Slam-Landesmeisterschaften nun entschieden: Moritz Anrater konnte mit seinem Text „Was hinter uns liegt“ auf ganzer Linie überzeugen. Knapp 28 % Prozent des Online-Publikums stimmte für den Text und die Performance des jungen Meraners. Der Oberschüler und Rapper stand zum ersten Mal auf einer Bühne – und darf sich nun bereits über einen Titelgewinn freuen! Projektleiterin und MC Lene Morgenstern überreichte dem glücklichen Gewinner noch am Montag die Morgenstern-Trophäe.

Poetischer Wettstreit im Wohnzimmer

Die Poetry Slam-Landesmeisterschaften 2021 fanden coronabedingt erstmals online statt und wurden auf der Facebook-Seite von Südtirol 1 und der Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung übertragen. Via App konnte das Publikum über seinen Favoriten, seine Favoritin abstimmen.

Der Siegertext:  „Was hinter uns liegt“ von Moritz Anrater

Ich hab bis heute nie dem Himmel verziehen

dass uns Gott nur sehen lässt, was schon hinter uns liegt

Und klar, is chillig, ich mag es, hilflos nach hinten zu schauen

ganz ohne Gegenwehr immer dieselben Sünden zu kauen, bis ich kotze

Was glauben die denn überhaupt, ich wär betroffen

wenn die Männchen in meinem Kopf, die immer gleichen kleinen, unscheinbaren, schwerwiegenden Worte vorlesen und einem die Chance auf `nem Silbertablett servieren und mir sagen, ich hätt gekonnt?

Ich hätt gekonnt, was solls

Muss ich deswegen jeden Tag über mich ergehen lassen, was war, anstatt zu sehen was kommt?

Eine Demonstration an Dickköpfigkeit, weil ich nicht änder` wie ich bin, will nicht nur irgendwie sein

Nicht nur das Produkt meiner Fehler, ein zu vorsichtiges Kleinkind,

dass das Risiko eingeht, dass sein Leben an ihm vorbeizieht

Kam viel zu oft von meinem Weg ab, heute halt ich mich am Wegrand

denn jedes Mal, wenn ich nach Glück suchte, fehlte mir ein Kleeblatt

Wenn ich zurückschau, bleibt nicht viel außer Asche und Schutt

Ein, zwei gebrochene Herzen und der Verlust an Vernunft

Hab übertrieben und geschwiegen, lang gewartet, mich verliebt

nur um dann klar zu machen, dass mir die Person einfach nichts gibt

Bin über Stränge geschlagen, hab mich mit Händen geschlagen

mit Füßen getreten und niemals nach `nem Ende gefragt, was solls

Ich hab lang schon draus gelernt, weil`s mir schon lang nichts mehr gibt

Frag ich mich, warum lässt mich all das Vergangene nicht in Frieden

 

Ego und falscher Stolz fühlte sich immer schon wie Gift an

Bis ich fehlgeleitet von falschen Werten kurz vor dem Nichts stand

Bevor ich zugegeben hätt, dass ich leider einfach nichts einseh

hab ich lieber weiter mein falsches Hirschgeweih verteidigt

Mit dem Kopf durch die Wand, wer nicht stehen bleibt, ist schwach

wer sich was gesteht, der ist schwach, wer zuerst geht, der ist schwach

Was ich befolgt hab, weil ich dachte, ich wär frei dadurch, machte sich dann halt eben bezahlt

ich war in `nem Käfig gefangen – was solls

Ich werd müde davon, schleich mich mit Lügen davon,

Kann nichts dafür, denn sonst ginge noch meine Würde verlorn. Oder?

Hab ich bis heute nie dem Himmel verziehen,

weil es uns ausmacht und wir sind, was hinter uns liegt

Was schon passierte wie `ne Warnung, eingebrannt in das Gehirn,

und lässt man kurz mal alles schleifen, läuft man Gefahr den ganzen Fortschritt all der Jahre zu verliern

verdammt, ich schreib`s mir auf die Stirn, weil ich mich selbst daran erinnern will

Wer, warum, wo und vor allem, dass ich bin.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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