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„Wir bekommen nichts“

Das Hotel Laurin bekommt vom Staat trotz 6-Millionen-Umsatzverlust keinen Hilfsbeitrag. Besitzer Franz Staffler über die Krise und die Folgen.

von Heinrich Schwarz

Franz Staffler ist überzeugt: „Die Situation ist schwierig und die Auswirkungen werden sich erst in Zukunft richtig zeigen.“ Der bekannte Bozner Hotelier (Laurin, Greif) sorgt sich um den Tourismus und alles, was damit zusammenhängt.

Die von Staat und Land präsentierten Hilfspakete haben bei Staffler nicht zu mehr Zuversicht geführt. „Wenn kein Geld da ist, kann es auch nicht fließen. Deshalb kann man auch nicht viel verlangen“, nimmt er die niedrigen Beiträge realistisch zur Kenntnis.

Staffler selbst fällt beim staatlichen Hilfspaket sogar durch den Rost: „Das Hotel Laurin etwa bekommt in dieser Phase überhaupt nichts vom Staat. Es gilt nämlich eine Umsatz-Obergrenze von zehn Millionen Euro im Jahr 2019, die wir knapp überschreiten. Dabei hatten wir einen Umsatzeinbruch von über sechs Millionen Euro. Minus 68 Prozent an Umsatz seit März letzten Jahres – und fast minus 80 Prozent seit Oktober. Dafür bekommen wir nicht einmal ein Almosen.“

Aber auch im Falle eines Umsatzes von unter zehn Millionen Euro würde nicht viel herausschauen. Der Staat hat nämlich eine maximale Unterstützung von 150.000 Euro vorgesehen. Das sei ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Franz Staffler verweist auf das deutschsprachige Ausland, wo die Wirtschaft weit stärker unterstützt werde: „Ein Haus in unserer Situation bekommt in Österreich rund zwei Millionen Euro.“

Ein Umsatzrückgang von 30 Prozent wäre noch händelbar, meint der Bozner Hotelier, aber bei einem Minus von mehr als zwei Dritteln sei man in einer sehr kritischen Lage. „Denn“, so Staffler, „es fallen weiterhin laufende Kosten an. Hinzu kommt, dass die Bankkredite heuer nicht mehr gestundet werden können und die Rückzahlungsraten fällig werden. Wer keine Reserven hat, muss zusätzliche Schulden aufnehmen, um die Raten zurückzuzahlen.“

Um die Schulden bedienen zu können, müsse man letztendlich bei Investitionen und Instandhaltungen einsparen. „Das wird sich erst in den nächsten ein bis zwei Jahren zeigen“, ist sich Franz Staffler sicher.

Dass der Staat kleinere Geschäfte, Bars und Restaurants unterstütze, sei richtig, da diese im Regen stehen würden, meint Staffler. Aber: „Ausschlüsse für

Strukturen, die Arbeitsplätze erhalten wollen – wie wir –, sind natürlich schmerzhaft und besorgniserregend.“

In seinem Fall komme erschwerend hinzu, dass die Hotellerie in Bozen nicht vom Tourismus lebe, sondern hauptsächlich von Geschäftsreisenden. „Und mittlerweile wird hauptsächlich mit Videokonferenzen gearbeitet. Auch wenn die Corona-Maßnahmen wieder aufgehoben werden, erwarte ich mir sehr schwere Zeiten – zumindest für das ganze nächste Jahr“, betont Staffler.

Er hofft nun, dass sich die Politik die Gesamtsituation anschaut und abwägt. Sprich dass Gastronomie und Hotellerie ebenso wie die Grenzen angesichts der sinkenden Infektionszahlen bald wieder öffnen können. Große Hoffnungen setzt Staffler in die Impfungen.

Und er hofft, dass in Rom doch noch an größere städtische Hotels mit weit über 30 Prozent Umsatzrückgang gedacht wird. Bisher seien Betriebe, die viele Arbeitsplätze erhalten, zum Teil vergessen worden. „Wenn in der Folge Arbeitslose finanziert werden müssen, ist das Geld vom Staat ebenfalls weg“, meint der Hotelier.

Ob die Corona-Pandemie dazu beitragen wird, dass sich verstärkt internationale Investoren für die großen Südtiroler Hotels interessieren werden? Franz Staffler sagt: „Das ist in diesen Zeiten selbstverständlich. Fonds oder Firmengruppen, die Geld haben, werden Gelegenheiten suchen und finden. Das sieht man bereits in Städten wie Rom, Venedig, Paris oder Barcelona, wo wunderbare Hotels um wenig Geld gekauft werden. Bei unseren Familienbetrieben ist die Situation etwas anders, aber die Pandemie hat überall Folgen: Investoren könnten darauf spekulieren, dass die Krise in fünf Jahren vorbei ist und sie dann etwas Interessantes in der Hand haben. Die Eigentümer, die es jetzt nicht mehr schaffen, haben dann verloren.“

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