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Starke Präsenz

Wieder kein Urteil aber eine große Protestaktion auf dem Gerichtsplatz zum Mordversuch an einer Ehefrau in Bozen/Oberau.

„Du bist nicht allein“, „Genug der Worte, Zeit für Taten“. Das steht auf einigen der zahlreichen Plakate, die von Frauen in die Höhe gehalten werden. Mehrere hundert Personen haben sich am Gerichtsplatz von Bozen eingefunden, um Gerechtigkeit für M.C. einzufordern – und eine rasche Verurteilung ihres vor Gericht stehenden Ehemannes.

M.C. war am 1. März 2019, also vor mittlerweile zwei Jahren, von diesem in Bozen/Oberau auf offener Straße niedergestochen und schwer verletzt worden. Vor den Augen eines der gemeinsamen Kinder des getrennt lebenden Paares.

Bei jeder Vorverhandlung zu diesem verkürzten Verfahren – die Anklage lautet auf versuchten Mord – gab es eine vom Verein GEA organisierte Protestkundgebung am Gerichtsplatz. Und jedes Mal gab es eine Vertagung, auch am Donnerstag.

Nicola Nettis, der Verteidiger des 42-jährigen Albaners, der sich seit über einem halben Jahr auf freiem Fuß befindet und bei der Verhandlung am Donnerstag anwesend war, brachte neue Dokumente ein. Sie sollen belegen, dass sich der Beschuldigte nach der Bluttat, die er bereue, sehr vorbildlich verhalten habe. „Laut Strafprozessordnung muss dies bei der Festlegung der Strafe berücksichtigt werden“, sagt Nettis.

Richter Peter Michaeler vertagte die Verhandlung auf den 29. April. Dort sollte das Urteil gesprochen werden. Dem Ehemann droht eine Strafe von mindestens acht bis neun Jahren.

Verteidiger Nettis hatte in der vorangegangenen Verhandlung versucht, das gesamte Verfahren wegen der Protestaktionen vor dem Tribunal an einen anderen Gerichtsstandort zu verlegen. Ohne Erfolg, die Kassation hat den entsprechenden Antrag inzwischen abgewiesen.

Auch am Donnerstag betonte der Anwalt, dass die Vorverhandlung unter widrigen Umständen stattfinde. Sein Mandat habe sich darüber beschwert, dass er das Verfahren nicht mit der notwendigen Gelassenheit bestreiten könne.

Das ist ja genau eines der Ziele der Proteste vor dem Gerichtsgebäude.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (7)

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  • wurzelsepp

    Habe ich richtig gelesen? Auf freiem Fuss? Gibt es nicht so etwas wie Wiederholungsgefahr?

  • watschi

    das nàchste mal werden hoffentlich noch mehr leute gegen diese schandtat demonstrieren. dieser mann muss ohne wenn und aber zu einer langen haftstrafe verurteilt werden und nach verbùssung der strafe abgeschoben werden. alles andere wàre der frau und den kindern gegenùber nicht gerecht und wegen wiederholungsgefahr undenkbar. ich glaube dem kein wort vowegen reue. alles nur verteidingungsstrategie.

  • keineahnung

    Richter Peter Michaeler ist einer der besten am Gericht Bozen.
    Das ist Garantie für ein korrektes Verfahren, welches in einer Anklageerhebung enden wird.
    Wie der eigentliche Strafprozess ausgehen wird mag dahingestellt sein, einen Freispuch wird es wohl hoffentlich nicht geben, auch nicht eine Strafe auf Bewährung.

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