Du befindest dich hier: Home » Chronik » Die Ist-Situation

Die Ist-Situation

Arno Kompatscher

Die Landesregierung hat sich am Dienstag mit den Corona-Regeln und mit dem Impfplan beschäftigt. Die Hintergründe.

Das Coronavirus, die Corona-Regelungen und die Impffortschritte bildeten ein Schwerpunktthema der Sitzung der Landesregierung am Dienstag.

Landeshauptmann Arno Kompatscher verwies darauf, dass Südtirol „aufgrund der insgesamt positiven Infektionszahlen die staatliche Regelung zur Gänze übernommen“ habe.

Somit dürfen jeweils zwei Personen – Kinder bis zu 14 Jahren nicht mitgerechnet – einen anderen Haushalt besuchen. Dennoch rief der Landeshauptmann zu „äußerster Vorsicht und genauer Einhaltung der Vorbeugemaßnahmen auf, um die erreichten niedrigen Infektionszahlen nicht sofort wieder aufs Spiel zu setzen“.

Der Landeshauptmann informierte zudem, dass die Antigen-Tests an den Schulen zur Ausübung von Breitensport berechtigten.

Was den Einkauf von Lebensmitteln und Güter des täglichen Gebrauchs angeht, seien auch Fahrten in die nächstliegende Gemeinde möglich, sofern diese Güter in der eigenen Gemeinde nicht verfügbar seien. Die Regelung für den Laborunterricht, stellte der Landeshauptmann klar, gelte auch für die Uni.

Gesundheitslandesrat Thomas Widmann zeichnete anschließend ein Bild der aktuellen Infektionslage: „Heute wurden 148 Neuinfektionen gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 156. Covid-19-Patienten belegen 120 Krankenhausbetten, wobei es vor einem Monat am 23. Februar noch 260 Betten waren. 34 Personen werden auf der Intensivstation betreut.“ Diese Zahlen seien das Ergebnis von fast zwei Monaten Lockdown. Die Situation habe sich zwar verbessert, dennoch sei die Belegung der Krankenhäuser, besonders der Intensivstation, konstant hoch. Grund dafür seien laut Experten die Mutationen, die schnellere Ansteckungen und mehr junge Patienten bewirkten und den Druck auf die Intensivstationen erhöhten.

Testen, testen, testen 

Die Einschränkungen der vergangenen zwei Monate, sagte Widmann, hätten erste Lockerungen ermöglicht: Seit gestern sind Mittelschulen und der Handel wieder in Betrieb. „Um Präsenzunterricht zu gewährleisten, haben wir nun seit über drei Wochen ein Pilotprojekt initiiert, die sogenannten Nasenflügel-Tests“, betonte Widmann. Es sei erwiesen, dass sich Infektionsherde in Schulen bilden können. Daher sei es wichtig und notwendig zu testen, um einen sicheren Präsenzunterreicht zu garantieren. Die Nasenflügel-Tests, die seit über drei Wochen an den Grundschulen durchgeführt werden, ermöglichten dies.

Die Teilnahmequote an diesen Tests liegt landesweit bei etwa 70 Prozent. In 261 Grundschulen wurden 28.293 Schülerinnen und Schüler getestet. Mit Aufnahme des Präsenzunterrichts an den Mittelschulen werden seit dieser Woche die Nasenflügel-Test auch dort durchgeführt. An der ersten Mittelschule wurde bereits gestern getestet, heute kommen weitere Schulen hinzu. Getestet wird zweimal wöchentlich. Schlägt der Test an, werden die Eltern informiert und der Schüler mit einem PCR-Testnachgetestet. Bisher schlug der Nasenflügel-Test bei 30 Grundschülern an, bei 16 davon brachte auch der PCR ein positives Ergebnis. „Das Testen und das ständige Monitoring sind seit Beginn der Pandemie die wichtigste Bekämpfungsmaßnahmen“, betonte Widmann. Und die italienweiten Statistiken belegen es: Südtirol testet italienweit am meisten, im Schnitt erfolgen täglich über 10.000 Tests.  

Impfen, impfen, impfen 

Im Wettlauf gegen die Ausbreitung des Virus sei das Impfen die zweite wichtige Säule, erklärte Widmann und zeigte Genugtuung darüber, dass die Impfungenvoranschreiten. Bisher wurden insgesamt 95.033 Dosen verabreicht, davon 63.027 Erstdosen und 32.000 Zweitdosen.

„Mit 79 Prozent Geimpften der 29.367 Über-80-Jährigen liegen wir italienweit an der Spitze“, sagte Landesrat Widmann.  Derzeit wird die Gruppe der 75- bis 79-Jährigen geimpft. 22.596 Personen fallen in diese Altersklasse, von denen bis gestern 2111 Personen geimpft wurden. Auch von dem 21.346 Personen umfassenden Schul-, Kindergarten- und Universitätspersonal sind bereits 11.164 (52,3%) erstgeimpft. Ab morgen wird die Gruppe der besonders gefährdeten Personen geimpft. „Für diese ‚Ultrafragili‘ gibt es von Seiten des Staates klare Vorgaben, welche Krankheitsbilder hineinfallen“, informierte Widmann. Dabei handelt es sich in Südtirol um rund 3600 Personen. Die Impfungen derer, die nicht schon altersbedingt geimpft worden sind, beginnt morgen. Ab Donnerstag werden außerdem Menschen mit schweren Beeinträchtigungen geimpft. Sie erhalten auf Grundlage des Gesetzes 104/1992, Art. 3, Komma 3 besondere Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen.

Landesrat Widmann kündigte Lieferungen von insgesamt 80.190 Impfdosen an, die der Sanitätsbetrieb binnen 23. April erwarte. Mit diesen Impfdosen könnten dann fast alle Über-70-Jährigen geimpft werden. Der Landesrat betonte auch, dass in Südtirol die Impfkapazität, also Infrastruktur und Personal, vorhanden seien. Als Beispiel nannte er das Impfzentrum in Bozen Süd, wo bis zu 2500 Impfungen pro Tag möglich seien: „Das entspricht bei vollem Betrieb einer Gesamtkapazität von 15.000 Impfungen pro Woche nur in Bozen.“

Aufruf zu Zusammenhalt, Testbereitschaft und Respekt der AHA-Regeln  

Schließlich warf der Landesrat einen Blick ins Ausland, nach Österreich und Deutschland, „wo ebenso wie in den meisten anderen italienischen Regionen die Fallzahlen steigen“. „Wir öffnen derzeit langsam“, sagte Widmann, „und die Zahlen werden dann unweigerlich steigen.“ Diese langsame, abgewogene und verantwortungsbewusste Öffnung bezeichnete der Landesrat als „gemeinsames Projekt mit den Bürgerinnen und Bürgern“. Konsens und guter Wille seien gefragt. „Wir werden weiterhin massiv testen. Wir werden mit dem Impfen fortfahren. Wir möchten auch Antigen-Selbsttest zur Verfügung zu stellen“, schloss Widmann, der an die Verantwortung aller zum Zusammenhalt, zur Testbereitschaft und zur Einhaltung der AHA-Regeln appellierte.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (35)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • tiroler

      Die Gemeindegrenzen dürfen immer überschritten werden. Überhaupt nach Bozen darf jeder und immer. Es genügt zu sagen man muss insTwenty oder zum Obi

    • olyfan

      Dass Covid-19 keine echte Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellt, dürfte spätestens seit der von John Ioannidis veröffentlichten Studie „Infection fatality rate of COVID-19 inferred from seroprevalence data“ bekannt sein. Ioannidis, dessen Studie auch im Bulletin 99 der WHO veröffentlicht wurde, kommt zu folgendem Ergebnis: In den 51 untersuchten Regionen lag die Sterblichkeit lediglich zwischen 0,09 und 0,57 Prozent, bei Menschen unter 70 Jahren lag sie mit 0,00 bis 0,05 Prozent sogar noch deutlich niedriger. Mehr als 99 Prozent der Erkrankten erholen sich also problemlos von Covid-19, was das Narrativ einer tödlichen Bedrohung widerlegt.

      • winter

        @olyfan: keine tödliche Bedrohung? immerhin sind weltweit mehr als 2,7 Millionen Menschen daran gestorben, und die Statistiken zur Übersterblichkeit sind aussagekräftig.
        Ioannidis Studie ist wohl nicht mehr ganz aktuell?

  • besserwisser

    testen und impfen. das ist das einzige das hilft.
    armer lh den job mit diesem „team“ machen zu müssen …..

  • bernhart

    Wieso Impft man nicht die Berufstätigen??
    Alte Personen in den Altersheimen sind das kleinste problem ,diese verlassen die Strukturen nicht.
    Ratlos Planlos und Mutlos, die Legierung hat versagt., für das Versagen werden die Bürger bestraft.

  • andreas

    Das Geschwätz und die Willkür der beiden nervt eigentlich nur noch.
    Es wirkt als würden sie am Morgen aufstehen und auswürfeln, ob sie das Volk wieder schikanieren oder ein paar Lockerungen präsentieren sollen.
    Mal Donnerstag Nachmittag, dann Freitag Abend, dann wieder mal am Sonntag, alles ohne klare Linie oder Ankündigung.
    Wenn ihnen nächste Woche einfällt, dass Besuche zu Ostern dann doch verboten werden könnten, wird der LH wohl am Karfreitag Abend wieder eine Verordnung unterschreiben.

    • cicero

      Ich verstehe sowieso nicht was sich die beiden denken. Wenn die Zahlen steigen sofort zu dann wieder auf, wieder zu usw. usw. Die Erfolge sind bescheiden, nach monatelangem Lockdown minimale Ergebnisse, dafür enorme Schäden. Oder könnte man sich nicht einmal eine andere GLEICHBLEIBENDE Strategie ausdenken wie in Schweden, mit moderaten Einschränkungen, z.B. von Großveranstaltungen ansonsten aber nahezu normales Leben. Wie lange soll das noch so weitergehen? Jetzt hoffen sie auf die Impfung um ohne Gesichtsverlust aus der ganzen Sache wieder herauszukommen und zu kaschieren dass die ganze Strategie von Anfang an falsch war. Das wird so schnell nicht klappen.

  • lillli80

    Wenn ich richtig rechne waren es also 0.05% positive tests beim nasenbohrer projekt. Lächerlich. Puree aktionismus. Und wieder fehlt die verhältnismässigkeit.

    • cicero

      Ja der Nasenbohrtest soll jetzt wieder einmal der Befreiungsschlag werden. Jetzt kommen einmal die Volksschüler flächendeckend dran, dann ist die relevante ! Gruppe zur Gänze abgedeckt. ja die Verhältnismäßigkeit lässt grüßen.

  • prof

    Kann mi jemand sagen ob es in Deutschland Österreich besser funktioniert?

    • andreas

      Ja ich, in D werden die Sitzungen der Ministerpräsidenten angekündigt, das Ergebnis danach der Presse verkündet und auch erklärt und diese Regeln gelten dann bis zur nächsten Sitzung.

      Es geht mir z.B. weniger darum wie streng die Maßnahmen sind, wenn sie notwendig sind, ist es halt so, sondern dass willkürlich Änderungen vorgenommen werden, weil einer meint mal wieder eine gute Idee gehabt zu haben.

    • cherz

      @prof leider nein, aber dies ist das Ergebnis einer total versagenden EU !!! Es war von Anfang an so, daß alle anderen schlecht geredet wurden, so z.B. Sputnik V im Spätsommer, ach dieser „Diktator“ Putin, oder England, wieviel weiter sind diese im Gegensatz zu unseren lieben volksfremden Politikern in Brüssel…

  • gorgo

    Das Mallorca der Alpen werden wir so wohl nicht.
    Aber vielleicht ist die Saison eh schon abgeschrieben. Die Zahlen steigen überall.
    Also weiterhappeln wie bisher.

  • n.g.

    Bis Ostern sinds noch 19 Tage. Also Zeit 10 neue Verordnungen auszuklüngeln und dem Volk zu präsentieren.
    Man will ja immer up to date sein.
    Grins

  • luis2

    Die zwei Herren haben vergessen zu sagen, geht fleißig in die Kirche zur Ostern. Hat die Kirche das Virus schon besiegt?
    Es ist schon interessant alle schweigen wen es um die Kirchenbesucher geht, gerade hier sehe ich die Gefährdung der älteren Leute.
    Die Kirche ist eine große Machtapparat wo sich niemand getraut was zu sagen.
    Mögen die zwei Herren vielleicht gar zum Schuss ein Amen einbauen.

  • drago

    „gemeinsames Projekt mit den Bürgerinnen und Bürgern“
    Irgendwie habe ich versäumt, dass die Bürgerinnen und Bürgern zusammen mit der Landesregierung ein Projekt ausgearbeitet hätten.
    Aber da kommt wieder der LH zum Ausdruck: große Floskeln und sonst nichts. Und natürlich alle 5 Minuten wird etwas geändert, ohne Planung. Wei schon oft gesagt: planloses Reagieren, von planvollem Agieren keine Spur. Nicht einmal ein Impfplan, der den Namen wert ist. Frage mich, welcher der Herren heute mit dem falschn Fuß aufgestanden ist, nachdem dies die übliche Grundlage für die Entscheidungen ist.

  • thefirestarter

    Ich schlag die Einfuhr dieses „Medikaments“ vor!

    Der Kräutertee mit dem Namen Covid-Organics habe bereits zwei Patienten geheilt, wirke innerhalb von sieben Tagen und sei auch als Prophylaxe nützlich, verkündete Madagaskars Präsident Andry Rajoelina. Dann nahm er im Beisein von Ministern, Diplomaten und Journalisten ostentativ einen tiefen Schluck aus der Flasche.

    Entwickelt wurde das vermeintliche Heilmittel im Kampf gegen Corona vom Madagassischen Institut für Angewandte Forschung. Es besteht aus verschiedenen auf der Insel beheimateten Kräutern und aus Beifuß, einem einst aus China eingeführten Korbblütler aus der Gattung der Artemisia. Aus dem Beifuß gewonnenes Artemisinin wird seit geraumer Zeit sehr erfolgreich im Kampf gegen Malaria eingesetzt. Unterstützung erfährt der 45 Jahre alte Präsident von der Katholischen Kirche. Sollten die Eltern einverstanden sein, wolle man Covid-Organics umgehend an den Schulen des 26-Millionen-Einwohner-Staats ausschenken, verkündete Kardinal Désiré Tsarahazana, Vorsitzender der Madagassischen Bischofskonferenz. Im Land können die Flaschen mit dem bräunlichen Getränk für umgerechnet rund 40 Cent erworben werden.

  • bernhart

    1. Welle „2. Welle DAUERWELLE
    Jugendlich infizieren sich absichtlich mit Corona um die Impfung zu umgehen.
    Also was soll dieser ganze Zirkus , denn mehr kann man dazu nicht mehr sagen.

  • prof

    Nachdem LH Kompatscher laut obigen Kommentare immer alles falsch macht,
    so sollte er sofort hier die schlauesten Kommentar Schreiber/innen sofort als Berater engagieren,mich allerdings nicht denn ich bin nicht schlau genug.

    • andreas

      Versuche mal zu argumentieren anstatt den Beleidigten zu spielen.
      Der LH hat auch die Fehler von Widmann und die Unzulänglichkeit von Achanmer zu verantworten, es liegt an ihm, die Landesräte zu wechseln.

      Er hat nicht alles falsch gemacht, in letzter Zeit mit dem Rumgegeige aber reichlich und auch, dass er der Sanität nicht endlich anordnet, rechnen zu lernen und verlässliche Zahlen zu präsentieren, auf deren Basis er Entscheidungen trifft.

  • tirolersepp

    Fakt ist wir sind besser als Deutschland und Österreich !!!

    Zahlen sind fallend !

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen