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Deportation Arturo Bettinelli

Die Familie Bettinelli hat dem Stadtarchiv Bozen wichtige Bezeugungen bezüglich der Deportation von Arturo Bettinelli in das Bozner Lager und nach Dachau zur Verfügung gestellt.

Die Familie Bettinelli hat wichtige Bezeugungen bezüglich der Deportation von Arturo Bettinelli in das Bozner Lager und nach Dachau, zur Verfügung gestellt. In den letzten Wochen hat das Stadtarchiv Bozen eine kleine Schenkung angenommen. Es handelt sich dabei um einige Dokumente des Arturo Bettinelli, welcher im NS-Lager Bozen deportiert war und in Dachau starb. Insbesondere hat die Nichte Teresa Bettinelli der Stadtgemeinde Bozen sieben Dokumente bezüglich Leben und Deportation des Onkels (1944) geschenkt, damit diese im Stadtarchiv aufbewahrt werden.

Es handelt sich dabei um ein „Studiumszertifikat“ aus dem Jahre 1925, einen Zettel von 1944 welcher der Familie Bettinelli in Lodi überliefert wurde mit der Schrift „Per avvertire Arturo va in Germania“, einen Brief datiert 26.09.1944 für die Frau Ada Ressi Nato mit gleichem Inhalt wie der vorige Zettel, zwei Briefe datiert 29.09.1944 aus dem Lager in Bozen für die Brüder und für die Schwester, den Brief der Arbeiterkammer von Lodi gerichtet dem Comitato di Liberazione Nazionale (Komitee der nationalen Befreiung) vom 27.06.1945 und ein Foto von Arturo Bettinelli selbst.

„Die Geschichte des Arturo Bettinelli endet in Dachau. – schildert Carla Giacomozzi, Verantwortliche der Dienststelle Stadtarchiv Bozen – Am 5.10.1944 verließ er nämlich auf einem Viehtransport das NS-Lager Bozen. In Dachau starb er im Alter von 30 Jahren, mit Matrikelnummer 113.204, am 23.02.1945. Seine Familie, insbesondere die Nichte Teresa, welche uns 2021 kontaktierte, erfuhr somit nur heuer wo und wann Arturo starb. Als Dank beschloss die Familie die Dokumentation dem Stadtarchiv Bozen zu schenken, „damit seine Erinnerung in den Generationen nach ihm weiter lebe.“

Es handelt sich dabei um eine Schenkung von hohen historischen Werten, welche den Bestand von originalen Dokumenten aus dem Bozner Durchgangslager bereichert, weshalb die Stadtverwaltung sich durch die Stadträtin für Kultur Chiara Rabini bei der Familie herzlich bedankt, für den Beitrag zur Förderung der Erinnerungspolitik, wofür sich die Stadt seit Jahren gezielt einsetzt.

Bettinelli Arturo – Biographie
Arturo Bettinelli wird am 8. Mai 1915 in Cremosano, einen kleinen Dorf in der Provinz Cremona, geboren. Er besucht die Schule bis zur vierten Klasse und ist dann als Bauer für den Landwirt Francesco Barbaglio tätig. Arturo ist der älteste von sieben Geschwistern und wie es für die damalige Zeit üblich war, ist er mit 29 Jahren für die gesamte Familie zuständig, vor allem nach dem Tod seiner Eltern Bettinelli Giuseppe und Ghilardi Teresa. Wegen eines Unfalles bei der Arbeit hinkte er den Rest seines Lebens, wobei er deshalb auch nicht den Wehrdienst erfüllen musste. Am 25. September 1944 startete er, auf Befehl seines Arbeitsgebers Barbaglio, Richtung Genua, um dort dessen Sohn ein Dokument persönlich zu übergeben. Während dieser Reise wurde er wahrscheinlich von nationalsozialistischen Soldaten durchsucht, wobei das Dokument welches er in Genua übergeben musste gefunden wurde und er wurde somit zuerst auf einen Bus, dann auf dem Zug Richtung Bozner Lager geschickt. Trotz der Angst richteten sich seine ersten Gedanken seiner Geschwister, denen er seine Abfahrt ins Dritte Reich mitteilen wollte. Es gelang ihm tatsächlich auf einem Stück Zeitungspapier, welches er aus dem Bus warf, diese Nachricht aufzuschreiben: „Alla famiglia Bettinelli Lodi per Corte Palasio cascina Ronchi provincia di Milano / per avvertire che Arturo va in Germania“. Die Nachricht wird von einer Mailänder Dame gefunden, Ada Ressi Nato, welche sie der Familie Bettinelli überreichen wird. Arturo kam also im NS-Lager Bozen an, wo ihm die Matrikelnummer 4531 – Block H gegeben wurde. Am 29. September 1944, drei Tage nach seiner Ankunft in Bozen, schrieb Arturo seiner Familie einen Brief, wobei er versicherte, dass es ihm gut gehe und, als gutes Familienoberhaupt, empfiehl er weiterhin sich nicht hängen zu lassen. Außerdem empfiehl er seiner Schwester sich dem Arbeitgeber Barbaglio zu wenden, damit dieser sich um ihn im NS-Lager und um seine Familie kümmere, da sein Leid auf die Kommission für seinen Sohn in Genua zurückzuführen war. Ein Jahr später wendete sich die Familie Bettinelli dem Komitee der nationalen Befreiung in Corte Palasio, um eine Entschädigung von Barbaglio anzufragen, jedoch bekam Arturos Familie am 27. Juni 1945 die Antwort von Seiten der Arbeiterkammer in Lodi, wobei sich Barbaglio weigerte, eine Entschädigung zu zahlen, um einen seiner Arbeiter nach Genua geschickt zu haben. Die Familie Bettinelli wird 77 Jahre lang keine Nachricht bezüglich Arturo erhalten, bis eben Teresa, seine Nichte, sich entschloss der Geimende Bozen zu wenden, um genauere Informationen bezüglich ihres Onkels zu erhalten. Was 2021 von Arturo Bettinelli übrig bleibt, abgesehen von den wichtigen Dokumenten in Besitz der Familie, sind ein Name und eine Nummer im Archiv „Die italienischen Deportierten in den Vernichtungslagern: 1943-1945“: Bettinelli Arturo, Nr. 113204 geboren in Cremosano 8-5-1915, gestorben in Dachau 23-2-1945.

Text von Teresa Bettinelli

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • auguststeiner

    Danke für dieses historisches Dokument. Durch die Berichte über Menschen wie Arturo Bettinelli wird uns anhand seines Schicksales der Schrecken der damaligen Zeit gegenwärtig.

    Danke der Familie für die Überlassung dieses wichtigen Zeugnisses.

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