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Schlechte Ertragslage

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Die Kellereien und Sennereien sind besorgt über die aktuelle Entwicklung der Pandemie, die in der ersten Jahreshälfte keine Erholung der Umsätze im Absatzkanal der Hotellerie und Gastronomie ermöglichen wird.

Das Geschäftsklima im Obstsektor bleibt hingegen zuversichtlich: Die Ernte 2020 fiel zwar weniger ertragreich als im Vorjahr aus, der Start in die Vermarktungssaison war aber positiv. Dies ergibt sich aus der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO − Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Die zweite Corona-Welle brachte neue Schwierigkeiten für den Südtiroler Weinsektor. In den letzten beiden Monaten 2020 verzeichneten die Kellereien einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019. Betrachtet man das gesamte Jahr 2020, so berichten alle Kellereigenossenschaften von einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr, insbesondere auf dem Südtiroler und dem italienischen Markt.

Die Ertragslage wird in 28 Prozent der Fälle als „schlecht“ bezeichnet. Um der Krise entgegenzuwirken und den Winzer/innen bessere Auszahlungspreise zu gewährleisten, haben die Südtiroler Kellereigenossenschaften den Vermarktungsbeginn für den Jahrgang 2020 auf März bis April 2021 verschoben. Die Ernte vom vergangenen Herbst erbrachte mehr als 313.000 Hektoliter Wein und die Kellereimeister sind mit der Qualität sehr zufrieden. Die Erwartungen für 2021 sind jedoch verhalten, aufgrund der Sorge um die Entwicklung des HoReCa-Vertriebskanals (Hotels, Restaurants und Cafés), ohne den keine echte Umsatzbelebung möglich ist. Darüber hinaus wird eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen erwartet, insbesondere der Verkaufspreise und der Zahlungsmoral der Kund/innen. Dementsprechend gehen 38 Prozent der Kellereien heuer von einer schlechten Ertragslage und unbefriedigenden Auszahlungspreisen aus.

Auch für den Milchsektor war 2020 ein sehr schwieriges Jahr, aufgrund der starken Verflechtung mit dem Tourismus- und dem Gastronomiesektor und der niederen Milchpreise auf dem italienischen Markt. Die jüngsten Entwicklungen bezüglich der Pandemie lassen auch für die kommenden Monate keine Erholung erwarten. Viele Sennereien rechnen heuer mit sinkenden Verkaufspreisen und einer weiteren Verschlechterung der Wettbewerbssituation. Dennoch sollten die Ertragslage und die Auszahlungspreise in den meisten Fällen noch zufriedenstellend ausfallen.

Die Obstbranche zeigt hingegen weiterhin eine zuversichtliche Stimmung. Alle Genossenschaften rechnen heuer zumindest mit einer „befriedigenden“ − in vielen Fällen sogar mit einer „guten“ − Rentabilität. Die Apfelernte 2020 war zwar um 7,9 Prozent niedriger als im Vorjahr, lieferte aber gute Größen und eine hohe Qualität, mit einem geringen Anteil der Produktion, der für die industrielle Verarbeitung bestimmt wurde. Darüber hinaus dürfte der Produktionsrückgang in einigen direkten Konkurrenzländern wie Spanien und Frankreich die Südtiroler Exporte begünstigen. Auch mit dem Start der Vermarktungssaison sind die Genossenschaften zufrieden: Die Verkaufspreise haben sich von Anfang an gut entwickelt, wobei vor allem die Clubsorten für eine gute Preisstabilität sorgen. Die aktuellen Lagerbestände liegen zwar geringfügig über dem Niveau der vergangenen Jahre, jedoch verläuft der Mengenabbau wegen der guten Nachfrage erwartungsgemäß.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, kommentiert: „Die Krise wirkt sich auch auf die Landwirtschaft aus, da sie die Konsumgewohnheiten der Menschen verändert. Im Weinsektor beispielsweise gewinnt der Online-Vertriebskanal an Bedeutung, während im Obstsektor im Jahr 2020 ein neuer Rekord für die Bio-Produktion aufgestellt wurde. In diesem sich ständig verändernden Umfeld ist die hohe Qualität der Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern sowie Genossenschaften ein Garant für die Exzellenz der Südtiroler Landwirtschaft.“

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Thomas Oberhofer, Obmann VIP

„Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 stieg der Apfelkonsum in unseren Kernmärkten wesentlich. Eine ähnliche Steigerung ist für die nächsten Monate aber nicht mehr zu erwarten. Da die Erntemenge in Europa im Jahr 2020 unterdurchschnittlich ausfiel, ist trotzdem – wie erwartet – ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Markt gegeben. Dadurch ergibt sich heuer ein ähnlich positives Preisniveau wie im Vorjahr. Aus Sicht unserer Vinschger Obstproduzent/innen werden dadurch die Ernteeinbußen von durchschnittlich 20 Prozent jedoch nicht wettgemacht.“

Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol

„Der zeitweise Ausfall der Gastronomie und des Tourismus sowie tiefe Versandmilchpreise haben den Milchsektor hart getroffen. Besonders die Käseproduzenten erwartet ein Rückgang der Auszahlungspreise. Die jüngsten Entwicklungen lassen auch für die kommenden Monate keine Erholung erwarten. Alle Sennereien rechnen mit sinkenden Verkaufspreisen und einer weiteren Verschlechterung der Marktsituation.“

Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes und der Kellerei Tramin

„Ich hoffe, dass sich die Corona-Situation in den nächsten Monaten Schritt für Schritt entspannt. Dann wird der Absatz von Wein und Milchprodukten wieder anziehen. Die Pandemie zeigt deutlich, wie wichtig es ist, auf Qualität und genossenschaftliche Vermarktung zu setzen. Daher bin ich für die Zukunft optimistisch.“

 

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Kommentare (12)

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  • bernhart

    Meine Herr hört endlich auf zu jammern, euch Bauerngeht es den Umständen entsprechend noch gut, euch hat niemand das Arbeiten verboten, der Tourismus leidet seit ende Oktober, alle leben vom Versprechen der Landesregierung, euch wird geholfen, die Frage ist wann??
    600 Euro hat kein Tourismusangestellter bekommen , die Bauern schon.
    Liebe Bauern jetzt seht ihr wie wichtig der Tourismus in unserem Land ist, es lebt nicht nur der Wirt ,alle anderen verdienen brav mit.
    Mit der ganzen Pandemie werden viele zugrunde gehen, schade um jeden einzelnen.
    LH sagt es wird besser werden, er sagt aber nicht wann, nur von Versprechen kann ich meine Familie nicht ernähren., auch nicht mit lokal erzeugte Lebensmittel.
    Fragt mal den Arbeiter , wie es ihm geht??
    Genau wie dem Rentner und Tourismusangestellten., diese wurden und werden vergessen.

    • ostern

      @bernhart
      Das jammern ist eine chronische Krankheit der Bauern.
      Die Einzigen die immer arbeiten konnten und können während
      der Pandemie. Die Ersten die Unterstützungsgelder bekamen und
      auch deren Familienangehörige die nicht in der Landwirtschaft
      arbeiten. Selbst von Betroffenen erzählt!!

  • batman

    @bernhart
    Um 30% reduzierte Erntemenge plus 25% Preisrückgang auf das Rohprodukt bei gleichbleibenden Produktionskosten

  • andreas

    Problem des Südtiroler Weins ist die Positionierung im höherpreisigen Segment und ein Absatz über Supermärkte, wo Masse möglich wäre, nicht funktioniert.
    Sie haben jahrelang durch hohe Preise gut verdient, also sollten sie genügend Rücklagen haben, um eine 2-3 jährige Flaute durchhalten zu können.

    • besserwisser

      @alleswisser andreas zeigt wieder mal dass er keien ahnung hat und behauptet undifferenziert irgendetwas.
      niemand hat lagerkapazität für drei jahre, auch die flaschenlager sind beim überlaufen, die externen lagerhalter verdienen sich jetzt schon eine goldene nase ….
      ausserdem kann man keine basislinie drei jahre im keller lassen ….

  • wurzelsepp

    Jetsetwinzer jammern wieder. Bevors zum Golfen nach Südafrika geht…

  • sorgenfrei

    In jedem krieg, in jeder krise kamen die bauern immer gut davon… grund und boden zu besitzen ist nie ein schaden… auch haben sie achon verlustbeiträge und die berühmten 600 € bekommen… die kellereien beiträge für lagerkapazitäten, sogar pcr-tests von erntehelfern wurde vom steuerzahler berappt… auch ich habe einbußen aus kultureller tätigkeit, aber keine aussicht auf verlustbeiträge, weil keine lobby… zum glück habe ich vorgesorgt, denn spare in der zeit, dann hast du in der not….

  • andi182

    Ich Kauf mit keine Milch um 1,39 Euro und die Joghurt von den Eigenmarken (Handel) sind um ca 30% billiger als Markenprodukte aber im gleichen Südtiroler Werk
    produziert. Die Sennereien sollten auch an die Konsumenten denken nicht nur an den eigenen Profit .
    Herr Reinalter

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