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Wie kriminell ist Brixen?

Heidi Troi: Brixen hat ein Schaf im Wappen. Wie kriminell soll es schon sein?

Die Brixnerin Heidi Troi bringt dieser Woche ihren zweiten Brixen-Krimi mit dem sympathischen Bauer wider Willen, Junggesellen und Privatdetektiv Lorenz Lovis heraus. Ein Gespräch mit einer Autorin, die sich in ihren Ermittler verschaut hat.

Tageszeitung: Frau Troi, wie kriminell ist Brixen?

Heidi Troi:  Brixen hat ein Schaf im Wappen. Wie kriminell soll es schon sein? Im Ernst: Natürlich passiert auch in Brixen das eine oder andere Verbrechen, aber insgesamt ist es doch eine sehr friedliche Stadt.

Mit den Brixen-Krimis sind Sie so etwas wie die Botschafterin der dunklen Seite der ehemaligen Bischofsstadt geworden. Wollen Sie ihr das idyllische Klischee austreiben?

Da könnte ich mich wohl in Brixen nicht mehr sehen lassen. Spaß beiseite: Regiokrimi ist ja ein sehr eigenes Untergenre des Krimis. Viel mehr als um die dunkle Seite der Region punktet der Regiokrimi mit einnehmenden Charakteren, Humor und dem Setting, in dem er spielt – und da hat Brixen ja einiges zu bieten.

Wer Brixen und seine Verhältnisse kennt, für den ist der Wiedererkennungswert hoch. Wie nahe können Sie der Realität auf den Leib rücken, ohne sich in Schwierigkeiten zu bringen?

Die Fälle in den Brixenkrimis sind erfunden, dasselbe gilt natürlich für die Persönlichkeiten, die darin vorkommen, auch einige Orte entstammen meiner Fantasie. Kurz: Was nicht passt, wird passend gemacht. Für die Brixner ist es spannend, dem nachzugehen. In welchem Dorf etwa der Hof meines Ermittlers liegt usw. Nicht jeder errät es.

Was sagen die Brixner dazu, dass ihr beschauliches Städtchen plötzlich zum Schauplatz einer Krimiserie geworden ist?

Bisher habe ich nur gute Rückmeldungen bekommen. Grade von Brixnern.

Ihr Privatdetektiv Lorenz Lovis ist ein sympathischer Nebenerwerbsbauer wider Willen, der Pech mit den Frauen hat und gerne ein paar Gläser Kerner kippt. Hat Sie jemand zu dieser Figur inspiriert?

Da gibt es jedenfalls jemanden, der sich sehr mit dem Lovis identifiziert. Weniger wegen den paar Gläsern Kerner, als wegen seinem mangelnden Ehrgeiz und dem Gefühl, seinen „Fällen“ nicht gewachsen zu sein. Aber eigentlich war es nicht mein Ziel, diese Person als Vorbild für Lorenz Lovis zu verwenden. Wenn, dann ist es unbewusst passiert.

Es geht mehr um ihn und seine sehr spezielle Biographie, als um die Fälle, die er aufklären soll. Man hat fast den Eindruck, Sie wären in ihn verliebt.

Ertappt!

Warum haben Sie sich für einen männlichen und nicht eine weibliche Hauptfigur entschieden. Geben Männer als Detektive mehr her?

Das hat mit der Ursprungsgeschichte zu tun. Ich sollte vor fünf Jahren im Rahmen einer Fortbildung eine Liebesgeschichte in einem unüblichen Setting schreiben. Bei mir war es ein Heustadel, in dem ein Privatdetektiv namens Lorenz Lovis eine Kundin empfing. Ich habe mich in die Szene verliebt und wollte wissen, was es mit diesem Kerl auf sich hat und so wurde es ein männlicher Ermittler. Das muss aber nicht so bleiben. Meine Agentin hat bereits ein Manuskript von mir, in dem eine Frau ermittelt.

Es heißt, dass in allen Krimidetektiven etwas von den Autoren steckt. Wie viel von Heidi Troi steckt in Lorenz Lovis?

Da steckt natürlich etwas von mir drin. Lorenz Lovis ist ein ständiger Zauderer, muss zu Entscheidungen geschubst werden und glaubt nicht wirklich an sich. Das wären so die Eigenschaften, an denen auch ich herumknabbere. Dafür ist er recht entspannt und nimmt gern Hilfen von anderen an. Das trifft sicher auch auf mich zu. Und er hat irgendwie den Mut gefunden, seinen Job zu kündigen und etwas ganz Anderes zu machen. Das hat mich dazu inspiriert, meine sichere Stelle als Grundschullehrerin an den Nagel zu hängen und als Theaterpädagogin zu arbeiten, was ja grad in unserer Zeit eine eher wackelige Angelegenheit ist. Wahrscheinlich muss ich demnächst auch Aufträge als Privatdetektivin annehmen, um mich über Wasser zu halten.

In Ihrem neuen Krimi wird eine Leiche im Weinberg des Privatdetektivs gefunden. Das erinnert an einen jüngst stattgehabten Fall. Lassen Sie sich von aktuellen Ereignissen inspirieren?

Eigentlich nicht. Ich halte nichts davon, True Crime für Fiktionales zu verwenden, weil ich finde, dass bei wirklichen Verbrechen immer Menschen involviert sind, die darunter leiden, dass über sie berichtet und geschrieben wird. Angehörige der Opfer und der Täter, ihre Freunde. Parallelen zu meinen Krimis in der Realität sind reiner Zufall.

Eigentlich sind Sie eine Theaterfrau. Wie sind Sie zur Krimiautorin geworden? Hatten Sie Lust darauf, Gott zu spielen?

Hi hi. Gott spielen darf ich ja als Theaterfrau auch ein bisschen. Grundsätzlich hat aber Theater viel mit dem Schreiben zu tun. Nicht nur, dass wir im Theaterpädagogischen Zentrum unsere Stücke mit den Spielerinnen und Spielern entwickeln und dann natürlich irgendwann zu Papier bringen, sondern es sind die Geschichten. Jeder erfolgreiche Roman gründet auf dem Drei-Akt-Modell von Aristoteles, das natürlich auch Theaterstücken zugrunde liegt. Warum es bei mir genau ein Krimi wurde, weiß ich nicht. Der Krimi hat mich wohl gesucht.

Mit Evi Gasser bringen Sie ein Kinderbuch heraus. „Zeitreise zu den Nepomuks“ führt zurück zu den Rätern. Was ist das Spannende daran?

Zeitreisegeschichten für Kinder gibt es einige. Aber keine davon führt in die Südtiroler Geschichte und da gibt es doch ein paar Besonderheiten, die erzählt werden sollten. Südtirol war immer ein Durchzugsland, hier haben Könige und Kaiser Station gemacht und es wurde Geschichte geschrieben. Geschichte, die wir den Südtiroler Kindern in spannenden Geschichten näherbringen wollen. Wir haben bewusst darauf verzichtet, das erste Buch der Reihe in der Zeit von Ötzi spielen zu lassen, weil es über Ötzi bereits einige Bücher gibt, und sind in die Zeit der Räter gesprungen, die in der Kinderliteratur vernachlässigt wird. Die vier Kinder, die die Protagonisten unserer Bücher sind, dürfen die Südtiroler Geschichte hautnah miterleben und so ermöglichen wir auch unseren Leserinnen und Lesern ein Eintauchen in die Geschichte und dadurch einen emotionalen Zugang. Und das Spannendste für uns ist natürlich unsere Zusammenarbeit, die wir beide sehr genießen. Wir haben gleiche Wertvorstellungen, sind beide sehr zupackend und lieben Kinder und Kinderbücher. Ich bin sicher, das kommt auch im Buch rüber.

Interview: Heinrich Schwazer

Zur Person

Heidi Troi, 1972 geboren, lebt in Brixen in Südtirol und leitet dort das von ihr gegründete Theaterpädagogische Zentrum. Mit ihrer Brixen-Krimireihe um den sympathischen Privatdetektiv und Anti-Helden Lorenz Lovis führt sie den Lesern so manchen Abgrund der schönen Südtiroler Bergwelt vor Augen. Vorgestellt wird der zweite Band „Bewährungsprobe“ am 18. März mit kleinen Aktionen in den Sozialen Netzwerken feiern werde, ab 19.00 Uhr mit einer Buchstart-Party auf Facebook.Infos unter www.heiditroi.me

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