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„Besuch ist kein Urlaub“

Einrichten vor laufender Kamera (Bilder von einem Gespräch im Sommer): Carmen und Robert Geiss mit Kurt Steurer (rechts)

Seit Donnerstag weilen die Geissens im Pustertal: Mitten im Südtirol-Lockdown wird das TV-Paar Ausflüge nach Antholz, Bruneck und ins Gadertal unternehmen. Die Hintergründe.

von Silke Hinterwaldner

Seit Donnerstag Abend sind die Geissens im Pustertal unterwegs: Das wäre normalerweise höchstens eine Nachricht für das Schlusslicht in der TAGESZEITUNG. Aber mitten im Corona-Lockdown ergeben sich rund um diesen Besuch viele Fragen. So hat auch das Büro von Landeshauptmann Arno Kompatscher angeblich bereits einen Anruf erhalten. Der Mann am Telefon wollte in Erfahrung bringen, ob die Geissens tatsächlich eine Sondergenehmigung von höchster Stelle erhalten hätten, um in Südtirol trotz geschlossener Hotels, Restaurants und Geschäfte Urlaub machen zu dürfen.

Diese Sondergenehmigung hat es freilich nicht gegeben. Trotzdem wird rund um St. Lorenzen viel darüber spekuliert, ob der Besuch der Geissens zu rechtfertigen ist. Einer, der als Südtiroler Freund der Familie gilt, ist Kurt Steurer vom gleichnamigen Einrichtungshaus in St. Lorenzen. Er ist schon lange in Kontakt mit den Geissens, beruflich wie privat. Mittlerweile führt nicht nur sein Einrichtungshaus Aufträge für die TV-Familie aus, sondern auch mehrere andere Pusterer Unternehmen.

Also, Herr Steurer, warum dürfen die Geissens Urlaub machen, während alle anderen im Lockdown nicht einmal einen Kaffee im Gasthaus trinken können? „Der Besuch hat nichts mit Urlaub zu tun“, erklärt Kurt Steurer, „es gilt vielmehr einige Abrechnungen zu machen. Gleichzeitig wird an einer neuen Folge gearbeitet.“ Das heißt: Bei Carmen und Robert Geiss ist Urlaub immer auch Arbeit. Sie müssen sich bei allen Aktivitäten filmen lassen. „Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie“ ist schließlich eine unglaublich erfolgreiche Produktion, eine Mischung aus Seifenoper und Reality-TV, die seit vielen Jahren auf RTL läuft.

Insofern ist der Besuch streng genommen nicht als Urlaub zu verstehen, sondern als Dienstleistung, berufliche Tätigkeit dieser Art ist auch im Lockdown erlaubt. „Wir haben den Besuch schon mehrere Male wegen Corona verschoben“, sagt Kurt Steurer, „wir wollten es nicht noch einmal auf die lange Bank schieben.“

Auch wenn Bürgermeister Martin Ausserdorfer alles andere als begeistert war und ist. Er sagt: „Ich habe damit nichts zu tun. Abgesehen davon, dass ich abgeraten haben, dies jetzt durchzuziehen.“ So gab es auch eine Anfrage bei der Gemeinde, den Schießstand nutzen zu dürfen. Dies wurde aus oben genannten Gründen nicht gestattet. Der Schießstand ist schließlich eine öffentliche Einrichtung.

Was allerdings private Unternehmer auf den verschiedenen Ebenen anbieten, mag zwar streng genommen erlaubt sein, die Optik allerdings bleibt schief: So werden die Geissens in einem Hotel untergebracht, sie werden der Rodelbahn in Heidenberg einen Besuch abstatten, ein Stadtbummel in Bruneck verbunden mit dem Besuch von Geschäften ist genauso auf dem Programm wie ein Abstecher zum Biathlonzentrum in Antholz und eine Wanderung auf eine Hütte im Gadertal. Außerdem sollen Carmen und Robert Geiss – für einen guten Show-Effekt zuerst bei der Speckproduktion Hand anlegen und danach in einem Restaurant selbst Knödel drehen. Die Südtiroler Küche, die schöne Landschaft und etwas TV-Präsenz, Kurt Steurer wollte eigentlich nur ein bisschen Werbung für das Pustertal machen und einige Aufträge für die Unternehmen an Land ziehen. Die Frage aber bleibt, ob momentan der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Daran, dass vor Ort strenge Corona-Sicherheitsregeln gelten, hat Kurt Steurer keinen Zweifel: Es werde jeden Tag getestet, nur ein reduziertes TV-Team sei vor Ort, alle Hygienerichtlinien würden eingehalten und akribisch kontrolliert. Eine so große TV-Produktion dürfe sich keine Fehler leisten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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