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„Bist du Rassist?“

Rund um den internationalen Tag gegen rassistische Diskriminierung am 21. März finden weltweit Aktionen statt. Auch in Südtirol.

In vielen Ländern werden sie in Aktionswochen zusammengefasst. In Italien regt hierzu die nationale Antidiskriminierungsstelle „UNAR“ an.

Für Südtirol hat auch heuer wieder die OEW zu „Stop Racism! Aktionswochen gegen Rassismus“ eingeladen. Rund 30 Organisationen sind ihrem Ruf gefolgt und bringen sich vom 8. bis 21. März (on- wie offline) mit verschiedenen Veranstaltungen in die Aktionswochen ein.

Zum Auftakt haben sich heute Vertreter*innen der Organisationen vor dem Waltherhaus in Bozen versammelt und einige Events der Aktionswochen, einsehbar unter www.stopracism.it,sowie die begleitende Social-Media-Kampagne, abzurufen unter www.stopracsim.it/la-campagna,vorgestellt.

„Bist du sicher, dass du nicht rassistisch denkst?“, titelt die Kampagne der Aktionswochen „Stop Racism!“ 2021 in Südtirol. Sie nimmt auf Momente des Alltagsrassismus Bezug, zu denen es allzu oft ohne verletztende Absicht kommt.

Die Social-Media-Kampagne, die auf der Website der Initiative www.stopracism.it/la-campagna und seit Montag auf den Social-Media-Kanälen der OEW und den teilnehmenden Organisationen veröffentlicht wird (z.B. facebook.com/oew.org und instagram.com/oew_zebra), wurde von Samia Kaffouf, Studentin der Kommunikations- und Kulturwissenschaften an der Universität in Brixen, gestaltet. Sie möchte mit der Kampagne dafür sensibilisieren, dass Rassismus in unserem gesellschaftlichen Kontext tief verwurzelt ist.

„Niemand will als Rassist*in bezeichnet werden, aber gesellschaftlich eingebettete Vorurteile beeinflussen ständig und ganz unbewusst unsere Art zu denken und handeln“, so Kaffouf. In den aller meisten Fällen ist es nicht böse gemeint, wenn Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund für ihre hervorragenden Sprachkenntnisse gelobt, wenn sie positiv überrascht auf ihren Studientitel angesprochen werden oder sich Fremde für ihre Haare interessieren. Dennoch sind solche Aussagen ausgrenzend. Denn sie machen den Adressat*innen immer wieder klar, dass sie nicht ins vorherrschende Bild eines*r Südtirolers*in passen. Und dies allein aufgrund von Äußerlichkeiten.

„Zudem muss Rassismus in einer globalisierten Welt neu kontextualisiert werden“, ergänzt die Macherin der Kampagne. Man denke beispielsweise an die sogenannten „neuen Generationen“, die sich aus Menschen zusammensetzen, deren Vorfahren zwar nach Italien eingewandert, die selbst aber nicht zwangsläufig migriert sind. Diese Generationen sind neuen Formen von Diskriminierung ausgesetzt, die oft subtiler sind als jene, denen Personen der „ersten Generation“ ausgesetzt waren. Auch auf diese Diskriminierungsformen möchten die 30 Organisationen während der Aktionswochen eingehen.

„Es ist wichtig, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren, besonders wenn man das Privileg hat, rassistischer Diskriminierung nicht ausgesetzt zu sein“, so Adrian Luncke, OEW-Bereichsleiter „Vielfalt&Miteinander“ und Koordinator der Initiative „Stop Racism!“. Es erfordere schonungslose Ehrlichkeit, sich selbst gegenüber einzugestehen, wie man selbst durch Rassismen geprägt sei und wie sich diese – wenn auch ungewollt – durch die eigenen Handlungen fortschreiben können. Und dies auf Kosten einiger Bürger*innen. Neben der Selbstreflexion könne Begegnung ein Mittel sein, um die eigene Voreingenommenheit zu überprüfen und zu einem fairen Miteinander zu gelangen, führt er fort.

Auch Volksanwältin Gabriele Morandell war mit vor Ort und äußerte sich positiv zu den Aktionen der Südtiroler Vereine.Innerhalb ihres Büros wird in allernächster Zeit die Antidiskriminierungsstelle eröffnet, die sich – eingerichtet durch die Autonome Provinz Südtirol – dauerhaft auch mit rassistisch motivierten Ungleichbehandlungen auseinandersetzen wird. Dabei wird sich auch wichtige Netzwerk- und Sensibilisierungsarbeit leisten.

„Heute ist das, was Menschen und Völker vereinen kann, zweifellos wichtiger als das, was zu Missverständnissen, Spaltung und Konflikten beiträgt“, greift Fernando Biague, Leiter des Centro di Ricerca e Formazione sull’Intercultura auf der heutigen Pressekonferenz in Bozen das Stichwort „Begegnung“ auf.

So ist es ermutigend, dass jedes Jahr mehr Organisationen an den Aktionswochen teilnehmen, die heuer wieder mit Angeboten in ganz Südtirol umgesetzt werden. Der Kalender ist auf der Website (www.stopracism.it/events)einsehbar. Er wird entsprechend der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ständig aktualisiert. Bitte informieren Sie sich daher zeitnah via Webseite oder direkt bei den teilnehmenden Organisationen, sollten sie eine der zahlreichen Veranstaltungen besuchen wollen.

Folgende Organisationen beteiligen sich an den Aktionswochen gegen Rassismus (2021):

Associazione Centaurus Arcigay Alto Adige Südtirol; Associazione Scioglilingua; Bildungshaus Kloster; Neustift; Caritas; Caritas Diocesi Bolzano-Bressanone; Centro giovani Connection; Centro Pace; Centro per la Pace / Friedenszentrum; Cgil Alto Adige; Circolo Culturale ANPI; Circolo Culturale Kulturverein; Franca “Anita” Turra e Hans Egarter ; Cooperativa Contro Tempo Teatro Bolzano; Evangelische Gemeinde Bozen; Fachstelle Gewalt – Forum Prävention; Frauenmuseum; HRI-Human Rights International; Jugenddienst Brixen; Jugenddienst Lana-Tisens; Jugendtreff VKE Bozen; Jugenddienst Unteres Eisacktal; Jugendzentrum Kass; Kolpingjugend Südtirol; Kuba-Kaltern; Landesberufsschule Savoy; Lungomare Bolzano-Bozen; OEW-Organisation für Eine solidarische Welt; Stadtbibliothek Bruneck; Stadtbibliothek Sterzing; Volontarius.

 

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