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Hybrid-Festival

2021 undenkbar. Publikum und Karin Dor mit Martin Kaufmann, BM Spagnolli 2010 (Foto: Filmclub)

Helene Christanell beschreibt, was es bedeutet, das Bolzano Filmfestival Bozen (BFFB) erstmals hybrid zu planen. 

von Renate Mumelter

Bis zur Pandemie gab es nur hybride Autos, jetzt gibt es auch hybride Kultur. Ein Weg zum Überleben. Das BFFB läuft dieses Jahr online und live, sofern Letzteres möglich ist. 

Wie aber funktioniert hybrid? „Es ist die doppelte Arbeit“, sagt Festivalleiterin Helene Christanell und ergänzt, dass das Festival nur so überhaupt möglich ist. 

Große Herausforderung

Für die BFFB Ausgabe 2021„haben wir Corona mit eingeplant“, sagt Christanell, „damit sich 2020 nicht wiederholt“. 2020 fiel das BFFB der Pandemie zum Opfer. „Auch heuer bleibt die Ungewissheit bis zum Schluss. Die RegisseurInnen können vielleicht kommen, vielleicht aber auch nicht. Deshalb haben wir vorerst Zimmer gebucht, weil wir bis drei Tage vorher stornieren können. Auch die Kinosäle stehen zur Verfügung“. Sie können natürlich nicht voll besetzt werden. „Wir mussten den Zeitplan umkrempeln, denn sollte Kino möglich sein, braucht es längere Pausen zwischen den Vorführungen, um die Hygienemaßnahmen einzuhalten“. Gleichzeitig findet die online-Planung statt, und „beides zusammen ist eine große Herausforderung“, sagt Christanell. „Es ist das erste Mal, und das bedeutet, dass es immer wieder Überraschungen gibt“.

Doppelt moppeln 

Kinovorführungen und Streaming, das bedeutet, dass „jeder Film zwei Mal gebucht und bezahlt werden muss. Einmal geht es um Kinorechte, einmal um online-Rechte“, sagt Christanell. „Dazu kommt, dass jeweils zwei Formate technisch betreut werden müssen, denn Kino-Festplatte und online-Format sind verschieden. Doppelte Kosten, doppelte Arbeit, doppelt offene Fragen.  

Das Streamen

Wer meint, Streaming bedeutet, einfach einen Link online zu stellen, irrt. Für das Streamen muss Serverplatz von den entsprechenden Anbietern gekauft werden, und das kostet, auch wenn es sich „nur“ um 6 Tage handelt. Die Grundgebühr richtet sich nach der Anzahl der Filme und nach dem dem genutzten Zeitraum. Der Streaming-Dienst bettet die Filme dann in die Webseite des Festivals ein. Außerdem muss ein Ticketing-Modell erarbeitet werden, und das wiederum zieht eine Reihe von steuerrechtlichen Fragen nach sich. Außerdem verlangen die Verleihfirmen Leihgebühren. Auch die verdoppeln sich im Hybrid-Modus. Leihgebühren setzen sich aus Grundkosten und Anteilen am Kartenverkauf zusammen. Ohne Verleih findet so gut wie kein Film ins Kino oder ins Streaming. „Es ist sehr Vieles neu zu lernen“, sagt Helene Christanell.

Die höheren Kosten können nur durch Umschichtung abgedeckt werden. Empfänge und ähnliche Rahmenveranstaltungen fallen 2021 mit Sicherheit aus. Dadurch werden Mittel frei, es fehlt aber auch ein Teil der Festivalstimmung.

Das Ziel

Helene Christanell ist trotz allem zuversichtlich. „Am wichtigsten ist es uns, zu zeigen, dass Kultur möglich ist. Nur den Kopf in den Sand zu stecken bringt nichts“.

www.filmfestival.bz.it

34. Bolzano Film Festival 13. bis 18. April 2021 

Non molliamo – weiter geht’s

Die online-Reihe von Filmclub, ZeLIG, BFFB zeigt noch bis Mittwoch „Dalla testa al cielo“ von Debora Scaperrotta. Talk: Oscar La Rosa/Debora Scaperrotta

Ab Donnerstag läuft ein Dokumentarfilm, der Peter Martellanz noch live zeigt: „Starring Peter Martell“ von Fabrizio Favro. Talk: Renate Mumelter/Martin Kaufmann.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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