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„Der schmeckt wohl die Pasta“

Foto: Infes

Immer mehr Frauen in Südtirol berichten von (ab)wertenden Kommentaren von GynäkologInnen bei Untersuchungen. Meist geht es um verletzende Bemerkungen über runde Formen oder angeblich überschüssige Kilos.

von Artur Oberhofer

Der Satz ist während eines Kaiserschnitts gefallen.

Der Gynäkologe sagte allen Ernstes zum assistierenden Personal:

„Da sind aber ganz schön viele Fettschichten, der schmeckt wohl die Pasta…“

Ein anderes, nicht minder krasses Beispiel:

Eine Frau, im neuen Monat schwanger, geht zur letzten Vorsorgeuntersuchung.

Was ihr widerfährt, schildert sie später in einer Facebook-Gruppe:

„Ich traf auf einen Arzt der Superlative. Nach dem obligatorischen Wiegen ließ er den Spruch fallen: ,Sie passen wohl gar nicht darauf auf, was Sie essen.‘

Ich: ,Nein, eigentlich nicht…‘

Dazu muss ich sagen: Zum Start meiner Schwangerschaft hatte ich ein Gewicht von 73 kg bei einer Größe von 1,76 cm, das entspricht einem BMI von 23,3, also Normalgewicht. In  der Schwangerschaft habe ich 14 kg zugenommen.

Der Arzt blickte zur Krankenschwester und sagte: „Halten Sie fest, Patientin mit Adipositas‘.

Wie bitte? Ich, perplex und hochschwanger, fühlte mich, als wäre ich das riesigste Walweibchen, das dieser Arzt je gesehen hat.“

Diese zwei Erfahrungsberichte sind keine Einzelfälle.

Laut der Fachstelle Essstörungen im Forum Forum Prävention (Ifes) berichten immer mehr Frauen in Südtirol von (ab)wertenden Kommentaren über ihren Körper während der Schwangerschaft seitens der GynäkologInnen oder des Fachpersonals bei Vorsorge- bzw. Kontrolluntersuchungen.

„Meistens geht es um verletzende Bemerkungen über ihre runden Formen oder über die Gewichtszunahme“, sagt Magdalena Platzer von Infes.

Die Infes-Mitarbeiterin übt scharfe Kritik an den GynäkologInnen:

„Der sich verändernde Körper der Frau ist in der Schwangerschaft zahlreichen gesellschaftlichen Urteilen ausgesetzt, umso wichtiger ist daher die empathische und sachliche Beratung vonseiten des medizinischen Personals“, so Magdalena Platzer.

Es sei von allen Seiten unangebracht, den Körper einer Frau in der Schwangerschaft ohne medizinische Belege zu beurteilen, verurteilen oder zu vergleichen.

Frauen würden gesellschaftlich ohnehin für ihr Körpergewicht unter Druck gesetzt. Dabei sei gerade in der Schwangerschaft ein sensibler Umgang mit dem Körper der Frau umso wichtiger.

So berichteten einige Frauen, ihnen sei seitens des Frauenarztes eine Gewichtszunahme von maximal 1 kg pro Monat, also 9 kg, empfohlen worden — und dies bei einem normalen Ausgangsgewicht (BMI 19-25).

Dazu heißt es bei Infes:

„Sieht man sich die Empfehlungen der WHO an, so hängen diese unmittelbar mit dem Ausgangsgewicht der Frau zusammen und lassen Spielraum. Bei einem Normalgewicht (BMI 18,5-24,9) vor der Schwangerschaft empfiehlt die WHO eine Gewichtszunahme von 11,5 bis 16 Kilogramm. (WHO 2016, S. 15)
Die Frage die sich dabei stellt ist, woher die Idee von einer Gewichtszunahme von einem kg pro Monat stammt?“

Infes will für das Thema Body Shaming Sensibilisierungsarbeit leisten und appelliert an die FrauenärztInnen: „Bitte beachten Sie bei den Untersuchungen, Frauen kompetent und fachgerecht zu informieren. Sie würden damit helfen, werdende Mütter zu stärken und ihnen einen positiven und gesunden Umgang mit dem sich verändernden Körper in der Schwangerschaft zu vermitteln.“

Urteilende Kommentare über Gewicht, Figur und Aussehen seien weder nützlich noch hilfreich, so Infes-Mitarbeiterin Magdalena Platzer. „Sie sind einfach nur verletzend.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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