Du befindest dich hier: Home » Wirtschaft » Die grünen Ideen

Die grünen Ideen

Corona und der Arbeitsmarkt: Die Grünen haben jetzt ihre Ideen zum Ausweg aus der Corona-Krise vorgelegt.

Die erste Coronawelle im Frühjahr brachte das wirtschaftliche Leben plötzlich zum Stillstand und Arbeitnehmer*innen sahen sich mit reduzierten Arbeitszeiten und Einkommensverlusten konfrontiert.

Italien griff auf die schwerfälligen Institute des Lohnausgleiches zurück und richtete eine Sonderlohnausgleichskasse für jene ein, die durch das Raster gefallen wären. „Dadurch versprach man schnelle Hilfe“, so die Grünen.

Wer Glück hatte, bekam den Lohnausgleich von den Arbeitgeber*innen vorgestreckt, für alle anderen begann das Warten. Für viele folgten Monate ohne Einkommen.

Derzeit benötigt das Verfahren der Direktzahlungen des Lohnausgleiches noch immer ca. 3 Monate, bedauern die Grünen.

Laufende Kosten wie Miete, Lebensmittel etc. könnten aber nicht aufgeschoben werden. Arbeitnehmer*innen, die längere Zeit in Lohnausgleich sind, müssten mit starken Einkommenseinbußen rechnen. Standards könnten so nicht gehalten werden. „Das System der Lohnausgleichskassen ist nicht für langfristige Zeiträume ausgelegt und sollte so auch nicht angewandt werden. Da die Lebenshaltungskosten in Südtirol im italienweiten Vergleich mit Abstand am höchsten sind, sollte und kann die Provinz hier auch finanziell eingreifen und einen zusätzlichen Ausgleich für Einkommensverluste einrichten“, so die Grünen auf einer Pressekonferenz.

Sicherheit für Saisonangestellte

Besonders gebeutelt sei der Tourismussektor. An ihm könne man die Grenzen der sozialen Absicherung ausmachen. „Saisonarbeiter*innen, die aufgrund der Krise keine Anstellung finden und bisher Arbeitslosengeld bezogen, stehen jetzt ohne finanzielle Absicherung da. Es scheint sich zwar bereits eine Lösung in Rom anzubahnen, dennoch wird eine schnelle kurzfristige Lösung benötigt, anzudenken auch mit Ausgleichszahlungen des Landes. Mittelfristig sind stabile Unterstützungsmaßnahmen notwendig, damit die Saison Angestellten auch Planungssicherheit haben. Auch hier kann Südtirol eingreifen“, so die Grünen.

Anzustreben seien auf jeden Fall Ganzjahresverträge.

Momentan ist es üblich, dass nach einer Saison angereifte Restbestände an Ferien und Freistunden ausbezahlt werden und die Angestellten die Zeit bis zum nächsten Saisonbeginn mit Arbeitslosengeld überbrücken. Diese Leerzeiten werden also von allen Beitragszahler*innen abgedeckt, hier findet eine riesige Umschichtung an bezahlten Beiträgen zugunsten des Tourismussektors statt. Mittelfristig braucht es eine Umstrukturierung des Tourismussektors. Über Alternativen muss diskutiert werden. Anzudenken wäre beispielsweise eine eigene Kasse, ähnlich jener der Bauarbeiterkasse, die vom Tourismussektor getragen werden muss, damit die finanzielle Abdeckung der Leerzeiten nicht auf andere Sektoren übertragen und von denen finanziert werden. Das würde die anderen Sektoren entlasten und Druck aus dem derzeitigen Sozialsystem nehmen, so die Grünen.

Und das sind die weiteren Vorschläge der Grünen:

Folgen der Entlassungen abfedern

Vorbeugend kann auch im Bereich der Entlassungen agiert werden. Im Moment ist ein Entlassungsstop für objektive Gründe aufrecht. Kündigungen, die trotzdem ausgesprochen werden, sind durch besondere Leistungen wie Abfindungszahlungen gedeckt. Auch nach der Krise und nach der Aufhebung des Entlassungsschutzes sollten diese besonderen Leistungen für eine bestimmte Übergangszeit beibehalten werden. Um den Arbeitgeber*innen diese Kosten nicht zuzumuten, könnte das Land diese Leistungen übernehmen und so die Kosten der Betriebe abfedern.

In Fortbildung und Umschulungen investieren

Die Bedingungen am Arbeitsmarkt haben sich bereits vor der Pandemie grundlegend geändert. Heute sind 40 Jahre Dienstzeit beim selben Unternehmen nicht mehr üblich. Durch die Corona-Krise haben sich diese geänderten Bedingungen nochmals verstärkt. Daher braucht es Initiativen, welche die Umorientierung und Umschichtung erleichtern. Fortbildungen und Umschulungen auf dem zweiten Bildungsweg müssen intensiv gefördert werden, damit den Arbeitnehmer*innen eine Umorientierung erleichtert wird. Auch hier kann Südtirol Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen beruflich umorientieren (müssen), Verdienstausfälle über einen längeren Zeitraum ausgleichen.

Homeoffice regeln und Coworking fördern

Das Homeoffice hat einen großen Aufschwung erfahren. In Teilen wird es auch nach der Krise beibehalten werden. Dafür werden klare Regelungen benötigt, sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmer*innen, unter anderem was die Übernahme von Kosten anbelangt. Doch auch auf lokaler Ebene müssen Akzente gesetzte werden. Homeoffice allein ist in vielen Haushalten nicht ideal, da die Räumlichkeiten zu knapp sind. Anzudenken wären Coworking-Spaces, um dezentrales Arbeiten zu ermöglichen, hier sind vor allem die Gemeinden gefragt.

Schneller und überdachter Ausbau des Glasfasernetzes

Außerdem muss der Ausbau des Glasfasernetzes schneller fortschreiten. Die Strategie, zuerst Handwerkerzonen anzubinden und erst dann den Rest, entspricht nicht mehr den durch die Coronakrise entstandenen Notwendigkeiten. Der Ausbauplan ist entsprechend anzupassen, denn auch private Haushalte benötigen das schnelle Internet, damit dezentralisiertes Arbeiten möglich ist.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

  • kirke

    99,9% der Bevökerung lassen sich einsperren wegen ewas, das keine Gefahr für sie ist.
    Das wirklich Problem sind jetzt die vielen Selbstmorde, der Ruin unzähliger Betriebe und Einzelunternehmen, sowie die Angststörungen und überfüllten Psychiatrien.
    Geld kann man einfach drucken so wie die EZB es macht. So lange die Menschen sich einbilden, dass es einen Wert hat, funktioniert auch Geldschöpfung ohne Leistung.

  • ilove5g

    Bevor das gehate hier beginnt. Das ist der erste konstruktive Vorschlag der Opposition den hier seit Wochen lese, währen Ulli Mair sich lieber um die Vögel im Vinschger Zug kümmert und der Knoll generell nur gegen alles und jeden wettert.

    • n.g.

      Irrtum! In dem Bericht steht nichts was die Landesregierung nicht schon vor 5 Jahren hätte gemacht werden sollen. Tiefste Provinz und Rückständigkeit! Das zeigt nur wie unfähig in den letzten Jahren gearbeitet wurde. Es wird nur reagiert und nicht vorausschauend Politik gemacht.

  • issy

    Dachte mir, vielleicht kommt doch mal eine innovative Idee von den Grünen und nicht nur die üblichen Forderungen an die öffentliche Hand. Aber außer die Idee mit der eigenen Kasse für Tourismusbeschäftigte kann ich nichts wirklich Neues erkennen.

    Fortbildungen und Umschulungen gut und recht, aber man könnte z.B. auch darauf hinweißen, dass man sich heute im Internet sehr gut eigenständig und günstig fortbilden kann.

    Da sollte sich so mancher verwöhnte und lahmarschige Südtiroler auch mal ein Vorbild bei Migranten nehmen. Gerade weil diese wohl öfter die Erfahrung gemacht haben, dass man sich nicht immer auf dem Staat verlassen kann, sind sie umtriebiger und bilden sich aus Eigeninteresse selbst weiter.
    Bei den Migranten, die ich kenne und momentan ohne Arbeit sind, (ok, sind meist Migranten mit akademischen Background, gilt somit bei weitem nicht für alle Migranten) bin ich echt erstaunt, wie gut sie die Zeit nutzen und mit welcher Ausdauer und Energie die sich Fähigkeiten und Wissen übers Internet eigenständig aneignen.

  • bernhart

    Wer soll das Bezahlen, wer hat soviel Geld???
    Bis heute nichts brauchbares gekommen. aber trotzdem vielen dank, dass Ihr aufgewachen seits.

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2021 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen