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Benno fehlt 

Dreieinhalb Stunden tagte am Dienstag das Freiheitsgericht zum Enthaftungsantrag der Verteidigung. Am Mittwoch folgt die Entscheidung. 

von Thomas Vikoler

Eine Verhandlung vor dem Freiheitsgericht mit einem derartigen Medienauflauf, das hat es am Bozner Landesgericht seit Jahrzehnten nicht gegeben. Jeder spricht von Benno, doch Benno (Neumair) fehlt: Der 30-Jährige, der verdächtigt wird, seine Eltern Laura Perselli und Peter Neumair ermordet zu haben, zog es auf Anraten seiner Verteidiger Flavio Moccia und Angelo Polo vor, im Bozner Gefängnis zu bleiben. 

Ihr Antrag auf Aufhebung der von Richterin Scheidle nach der Festnahme verfügten U-Haft gilt ohnehin mehr als taktisches Manöver als ein aussichtsreicher Versuch, Benno Neumair die Freiheit zu erstreiten. Mit dem Gang vor das Freiheitsgericht bekommen die Anwälte Zugang zu allen (neuen) Akten, welche die Staatsanwaltschaft zur Bestätigung der U-Haft ins Treffen führt. 

Die Argumente von Moccia und Polo kreisten um die Haftgründe der Fluchtgefahr und der Tatwiederholungsgefahr. Die aus ihrer Sicht nicht gegeben sind: Benno Neumair habe nach dem Verschwinden seiner Eltern am 4. Jänner nie Anstalten gemacht, Bozen zu verlassen. Er sei in der Wohnung in der Runkelsteinstraße 22 geblieben, und habe den Ermittlern dort Tür und Tor geöffnet. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass ihr Mandant straffällig werden könnte. Zum Haftgrund der Beweisverdunklungsgefahr gaben sich die beiden Anwälte eher kleinlaut. Benno Neumair hat nach Erkenntnissen der Ermittler eine Woche nach dem Verschwinden der Eltern versucht, mit Wasserstoff Spuren zu verwischen. 

Für die Staatsanwaltschaft sind alle drei Haftgründe gegeben, die Zivilpartei verwies am Dienstag vor allem auf eine potentielle Tatwiederholungsgefahr. Sollte Benno Neumair aus der Haft entlassen werden, würde er Gefahr für seine Schwester Madè darstellen. Diese stellte am Dienstag klar, dass sie keinen Besuch bei ihrem Bruder beantragt habe. 

Nach dreieinhalb Stunden war der Zauber hinter verschlossenen Türen vorbei, das Freiheitsgericht unter Vorsitz von Stefan Tappeiner wird seine (voraussehbare) Entscheidung heute Mittwoch bekanntgeben.

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