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„Hier wohnen wir“

Der Jagdverband will mit der Kampagne „Hier wohnen wir. Nimm Rücksicht auf das Wild“ Freizeitsportler für Wildtiere sensibilisieren.

Oswald Kottersteger ist Jäger und Revierleiter in Prettau.

Er war einer der ersten Revierleiter, die auf den „Massenansturm“ im diesjährigen Coronawinter reagierten und die Freizeitsportler darauf hinweisen wollten, Rücksicht auf die Wildtiere zu nehmen. Auf seine und auf die Initiative vieler anderer besorgter Jäger hat der Südtiroler Jagdverband Hinweistafeln erarbeitet, welche sportbegeisterte Naturfreunde für die Tierwelt sensibilisieren sollen.

Prettau zählt zu den schneereichsten Revieren im Land.

Mit seinen zwölf Dreitausendern ist es Anziehungspunkt für unzählige Skitourengeher und Schneeschuhwanderer. Diese bringen viel Unruhe in die Hochlagen und Wälder. „Für Reh und Gams sind Skifahrer, die plötzlich den Hang oder durch den Wald herunter geschossen kommen, eine Bedrohung. Sie fliehen panisch. Das kostet, wenn es immer wieder passiert, unter Umständen so viel Kraft, dass die Tiere den Winter nicht überstehen,“ weiß Kottersteger.

Betroffen sind natürlich auch andere Tierarten: Rotwild, die störungsempfindlichen Raufußhühner und selbst das Steinwild. Deshalb ist es wichtig, vor allem im Wald ausschließlich auf den ausgewiesenen Routen zu bleiben. Auf diese Weise können sich die Wildtiere auf die Anwesenheit des Menschen einstellen.

Mit der Kampagne „Hier wohnen wir. Nimm Rücksicht auf das Wild“ wollen die Südtiroler Jäger und ihr Verband auf diese Problematik hinweisen. In diesen Tagen werden rund 800 Hinweistafeln an besonders frequentierten Skitouren- und Wanderrouten angebracht.

Auch die Hundehalter sind gebeten, ihre Vierbeiner anzuleinen. Welches Herrchen oder Frauchen kann schon zu hundert Prozent sicher sein, dass der Hund nicht beim Anblick eines Wildtieres auf Nimmerwiedersehen im Wald verschwindet?

Die Durchführungsverordnung zum Schutz der Tierwelt sieht jedenfalls Leinenpflicht vor.

Niemals darf ein Hund unkontrolliert durch den Wald streunen, denn einen umherstöbernden Hund empfinden Wildtiere noch mehr als Bedrohung.

Das Anleinen im Winter ist umso wichtiger, als sich die Wildtiere gerade jetzt oft in der Nähe von Wegen aufhalten, weil sie dort leichter vorankommen.

Landesjägermeister Günther Rabensteiner unterstreicht: „Wir wollen die Menschen mit dieser Aktion nicht aus der Natur verbannen. Wir alle wissen, wie gut es uns tut, in einer schönen Bergwelt Kraft zu tanken, ganz besonders in Zeiten wie diesen. Es geht vielmehr darum, die Interessen der Wildtiere und der Menschen miteinander zu vereinbaren. Die Menschen sollen die Natur genießen und dabei Rücksicht auf die Wildtiere nehmen.“

Was Wintersportler und Naturfreunde jetzt für das Wild tun können:

– Bleiben Sie auf den ausgewiesenen Routen und markierten Wegen, vor allem im Wald.

– Meiden Sie die Dämmerung. Das ist die Zeit, in der viele Wildtiere die Ruhe im Wald nutzen, um nach Nahrung zu suchen.

– Umgehen Sie Waldränder und schneefreie Flächen, hier halten sich Wildtiere gerne auf.

– An Futterstellen ist es besonders wichtig, dass das Wild Ruhe findet. Bitte umgehen Sie diese großräumig.

– Nehmen Sie Ihren Hund bitte an die Leine.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

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  • silberfuxx

    ……ERSTENS werden diese Hinweisschilder – wie die meisten – IGNORIERT. Was heute zählt ist das persönliche Mega-Erlebnis auf wessen Kosten auch immer……..UND ZWEITENS werden mit Hinweisschildern höchstens Personen ANGELOCKT, in der Hoffnung Wild zu begegnen………DIE STÖRUNG IST VORPROGRAMMIERT…….

  • [email protected]

    äußerst höhnisch und ohne jeglicher Selbstreflektion, dass jene, welche die Absicht haben die Tiere zu töten und zu essen, solche Schilder aufhängen…

  • naturfreund

    Die Aktion der Jägerschaft wird bei all jenen auf wenig Verständnis stoßen, die wie ich in einem Gebiet mit regem Wildvorkommen leben und in der Folge leidvoll miterleben mussten, wie die Jäger bis zum 15. Dezember (Ende der Jagdsaison) Tag und Nacht, ausgestattet mit Scheinwerfern, Nachtsichtgeräten und Hightechflinten durch Flur und Wald, aber auch um Haus und Hof, pirschten, um dann beim ersten Morgengrauen wild los zu ballern.
    Und jetzt, da die Jagdsaison endlich vorbei ist und Wild und Anrainer endlich wieder ruhig schlafen können, da soll es dem Nichtjäger verboten werden, auch nur den Wald zu betreten. Denn dort wohnen ja die Rehe. Scheinheiliger geht’s nicht mehr!

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