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Das Kultur-Paket

Die Grüne Fraktion im Landtag hat ein „Kulturpaket“ aus Beschlussanträgen und Gesetzesinitiativen erarbeitet, das den Wert der Kultur verdeutlichen und stärken soll.

Allmählich wird Europa sich bewusst, wie hart die Pandemie den Kultursektor und die gesamte damit verbundene „Lieferkette“ getroffen hat.

Eine europäische Studie hat errechnet, dass die wirtschaftlichen Verluste des Kultursektors im Jahr 2020 fast 200 Milliarden Euro betragen haben, so die Südtiroler Grünen.

Im Laufe dieser Monate seien Künstlerinnen, Musiker, Sängerinnen, Kunstkritiker, Schauspielerinnen, Lichtdesigner, Betreiberinnen von Kinos, Theatern, Orchestern usw. zu Recht auf die Barrikaden gegangen und haben protestiert (um nur einige Beispiele zu nennen, erinnern wir uns an die Flamenco-Tänzerinnen in Spanien und den Flashmob der Mitarbeiter des Mailänder  Showbusiness).

Viele von ihnen hätten während des Lockdowns aus der Not eine Tugend gemacht und nutzten soziale Medien, um weiter singen und künstlerisch tätig sein zu können.

Anlässlich des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker sprach Riccardo Muti über die Bedeutung von Musik (und Kunst) für unser seelisches Wohlbefinden („health of mind“).

„Trotz dieser wichtigen Aktionen ist und bleibt die Kultur in all ihren Aspekten ein unterbewerteter Sektor, der oft auf Hobby- und Freizeitdimensionen reduziert wird. Ihre wirtschaftliche Bedeutung wird regelmäßig heruntergespielt“, so die Grünen.

Die Grüne Fraktion im Landtag hat dieses Manko aufgegriffen und ein „Kulturpaket“ aus Beschlussanträgen und Gesetzesinitiativen erarbeitet, das den Wert der Kultur verdeutlichen und stärken soll.

Dazu gehören ein Gesetzentwurf, der die „Kunst am Bau“ bei öffentlichen Gebäuden wiederbeleben will sowie ein weiterer Gesetzentwurf, der die Vergabe von öffentlichen Aufträgen für einheimische Künstler*innen zugänglicher machen soll. Als Dritter im Bunde reiht sich ein Beschlussantrag, der den monetären Wert der Kulturlandschaft in Südtirol bemessen will.

Letzterer wird diese Woche im Landtag behandelt.

Die Grünen in ihrer Aussendung:

Die Ergebnisse des Reports 2019 sind unglaublich: Die Bruttowertschöpfung des kulturellen Sektors belief sich 2018 auf ca. 100,5 Milliarden Euro.

Damit lässt sie Branchen wie die Chemieindustrie, die Energieversorgung oder die Finanzdienstleister hinter sich und liegt in etwa gleichauf mit der Bruttowertschöpfung des Maschinenbausektors. In Deutschland erzielt nur die Automobilindustrie eine höhere Wertschöpfung.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young aus dem Jahr 2019 trägt der Kultursektor mehr zur europäischen Wirtschaft bei als die Branchen Telekommunikation, Chemie und Automobil zusammen.

Und in Südtirol? Hierzulande sind die Museen immer noch alle geschlossen und die Stimmen aus Kunst und Kultur werden oft nicht gehört.

Unser kulturelles und künstlerisches Erbe ist reich. Wie reich tatsächlich wissen wir (noch) nicht.

Wenn wir über finanzielle Beiträge für die Kultur sprechen, denken viele, dass es sich hierbei um Einmalinvestitionen handelt, die auf gewisse Weise „verloren“ sind. Weit gefehlt: Die deutschen Zahlen legen nahe, dass die Kulturszene einen enormen wirtschaftlichen Mehrwert einbringt und nicht nur schlicht Nehmerin von Beiträgen ist.

Die Kultur ist ein lebenswichtiger Sektor, gut für unser seelisches Wohlbefinden und die Gesundheit unserer Wirtschaft.

Wir Grüne regen in diesem Beschlussantrag an, dass sich Südtirol des Wertes der Kultur bewusst wird, gerade in diesen für alle schwierigen Zeiten der Krise.

Wir fordern daher eine Erhebung der wirtschaftlichen Situation der Kultur- und Kreativwirtschaft in Südtirol mit Fokus auf die Anzahl der Unternehmen, den Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft und die Bruttowertschöpfung dieser Branche. Dabei müssen wir auf jene hören, die Kultur schaffen.

Doch dies ist nur der erste Streich. Kunst und Kultur dürfen nicht vernachlässigt werden. Im Landtag, in den Gesetzgebungsausschüssen, an den Verhandlungstischen.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (15)

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  • andreas

    Nix gegen Kultur, sie trägt in Deutschland aber nur ca.3% zum BIP bei und von diesen sind ca. 45% Werbung, Software und Videospiele.

    Kultur in Südtirol ist größtenteils hoch subventioniert und kann nicht annähernd mit Deutschland verglichen werden.

    • ludwigastner

      Die Kultur aufs BIP reduzieren?
      Schade dass nur mehr wirtschaftlich gedacht wird und allem einen materiellen Wert zugeschrieben wird.
      Diese Einstellung kostet uns das Menschsein.

      • andreas

        Ich bin dafür die Kultur in Südtirol zu unterstützen, aber mit sachlichen Argumenten und nicht mit absurden Vergleichen.
        Kultur ist in Südtirol nun mal selten ein gewinnbringendes Geschäft, oft ein Zuschußgeschäft, was an sich kein Problem ist, Foppa möchte das aber anscheinend anders vermitteln.

      • summer

        @ludwigastner
        Jetzt haben aber Sie gewollt oder ungewollt den Vogel abgeschossen, denn wenn die Kultur nicht im BIP gemessen werden kann oder sollte, also der materialistische Wert außen vor bleiben sollte, dann sollte die Kultur auch nicht nach materiellen Beiträgen rufen. Denn sie soll ja eben nicht materialitisch sein und bloß von ihren Idealen leben, oder wie?
        Erschreckend, welche Ignoranz selbst im Kulturbereich herrscht.
        Und last but not least: die Künstler und Kulturschaffenden haben ohnehin einen heißen Draht zu den Grünen. Gib es heute noch andere KünstlerInnen, die nicht grün sind? Werden heute außerhalb dieser Farbe noch KünstlerInnen geduldet?
        Deshalb Frau Foppa: Bravo, das nenne ich mal richtige, lupenreine Lobbyarbeit oder Klientelpolitik.

        • ludwigastner

          @summer
          die Kultur ruft auch nicht um Topfausschüttungen im Hollywoodstyle. Sondern um Brot für die Spiele.
          Aber egal ..hattn sä wos gscheidis gilernt ödo?

          • summer

            @ludwigastner
            Nein, aber es gibt genauso wie in allen wirtschaftlichen Bereichen gut Verdienten, wo es kein Gießkannenprinzip geben darf.
            Außerdem beziehe ich mich deutlich auf Ihre Bemerkung, dass Kultur nicht in Form von BIP messbar sei.
            Na gut, dann leben die Kulturschaffenden von der Luft? Ihre Aussage ist insofern einfach am Ziel vorbeigeschossen und ein Bärendienst.

        • stefanhhh

          Seit wann sind die 10.500 Musikanten/innen und die vielen Laienschauspieler/innen, die Mitglieder der Chöre, die Rockmusiker/innen des Landes usw. alles Grüne? Da müssten sie 10 Abgeordnete im Landtag sitzen haben, nicht 3 🙂

          Diese Lobbyarbeit würde ich mir mehr wünschen.

  • george

    Der Materialist ‚andreas‘ sieht immer alles nur als Geschäft. Eine geistige Vertiefung mit entsprechendem geistigen und sinnlich füllenden Gewinn ist für ihn anscheinend nicht erschließbar.

    • andreas

      Meinte ja die Foppa, dass sie mit der Wertschöpfung argumentieren muss und hat dabei übersehen, wie weit gefächert dieser Sektor in Deutschland ist.
      Könnte man als eine Art Fake News bezeichnen, bzw. mit Zahlen hausieren gehen, ohne zu erklären, wie die sich zusammensetzen und praktisch Äpfel mit Birnen vergleichen.

    • gestiefelterkater

      Der Materialist?
      Da Grüninen und „Kunstschaffende“ mit Sicherheit alles uneigennützige Philanthropen sind und ihnen nichts ferner liegt als Gewinn, so kann man sie ja mit Appläusen, Lobenden Worten und Ruhm und Ehre entlohnen, so ist dies doch wertvoller als alles Gold und Geld!
      So lasset uns jeden Montag Abend auf dem Balkon stehen und unseren „Kunstschaffenden“ Helden applaudieren!

  • franz1

    Frau Foppa sie kennen sich sicher aus mit „Wertschöpfungen“, doch in diesem Fall – die Vergleichungen -scheint mir das an den Haaren herangezogen…
    Sind die Grünen auch schon in Wahlfieber….

  • issy

    Die Sache ist ja auch die, dass es ein Überfluss an Kultur gibt.
    Man ist ja zeitlich schon gar nicht mehr in der Lage das gesamte Kulturangebot zu konsumieren.
    Netflix hat da noch den letzten Rest gegeben.

    Witzig ist dann aber, dass für die Kulturschaffenden nicht dasselbe gilt, das sie sonst dem gemeinen Volk abverlangen.
    Unsere Kulturschaffenden sollen nämlich gefälligst durch die öffentliche Hand über Subventionen vor der ausländischen Konkurrenz geschützt werden.
    Aber gleichzeitig geben sich gerade viele Kulturschaffende (ganz uneigennützig ^^) als Social Justice Warriors und Refugees Welcome-Aktivisten und bürden der Allgemeinheit die daraus folgenden Probleme (siehe z.B. die Pöbeleien letzthin in Meran) auf.
    Beim Durchschnittsbürger hingegen wird das Bedürfnis nach Schutz vor rückständigen Kulturen lächerlich gemacht.

    Und, dass es unterschiedlich weit entwickelte Kulturen gibt ist Fakt. Denn, „wenn alle Kulturen gleich sind dann ist Kannibalismus nur eine Geschmacksfrage“ (nach Leo Strauss…)

    Deshalb wird auch im Fall der Kulturschaffenden in typisch grün heuchlerischen Manier wieder mal mit zweierlei Mass gemessen, da man seine Wähler ja bei der Stange halten will.

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