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„Ich hoffe, streitbar zu sein“

Judith Waldmann (rechts) und die Direktorin Martina Oberprantacher: Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunst wachrufen und für soziale, politische und gesellschaftliche Themen sensibilisieren kann.

Die Tübinger Kunsthistorikerin Judith Waldmann ist die neue kuratorische Leiterin von Kunst Meran. Ihre erste Ausstellung widmet sie dem Prozess der Übersetzung. Was plant sie und wie ist Ihr erster Eindruck von der Südtiroler Kunstszene?

Tageszeitung: Frau Waldmann, ihre erste Ausstellung bei Kunst Meran widmet sich dem Prozess der Übersetzung. Ist diese Wahl nur der besonderen geographischen Lage und Geschichte Südtirols geschuldet oder gibt es noch andere Gründe?

Judith Waldmann: Die Geographie und die Geschichte Südtirols, die gelebte Mehrsprachigkeit und das interethische Zusammenleben in der Region waren der entscheidende Impulsgeber diese umfangreiche Gruppenausstellung an genau diesem Ort, hier in Meran umzusetzen. Ich sehe das Thema als Chance mich sensibel an die Strukturen und Gegebenheiten vor Ort heranzutasten und mich den Fragestellungen zu nähern, die damit verbunden sind. Was bedeutet es drei offizielle Amtssprachen zu haben? Welche Chancen und welche Herausforderungen sind mit dem Multilingualismus verbunden? Welche Möglichkeiten eröffnet Übersetzung und welche Grenzen hat sie? Übersetzung soll sowohl als Ursprung von Kreativität und Poesie, sowie als Ursache für Missverständnisse und Ausgrenzung beleuchtet werden. Wir möchten das komplexe Phänomen der Übersetzung auf verschiedenen Ebenen beleuchten. Die Übersetzung von einer Sprache in eine andere wird der zentrale Ausgangspunkt der Ausstellung sein, der sich dann der Übersetzung von anderen Zeichensystemen öffnet – Zeichensystemen, wie Musik, Tanz oder digitalen Codes. Es werden beispielsweise Arbeiten zu sehen sein bei welchen Tanz in Lichtsignale übersetzt wird oder Musik in Zeichnung. Es geht um das Verstehen und das Nicht-Verstehen von Codes. Es geht um Lesen und Dekodieren, aber auch um Phantasie, Assoziation und Interpretation. Übersetzung soll als kreativer Prozess beleuchtet werden, bei welchem auch immer etwas Neues entsteht. Kurz gesagt: Ja, es gibt noch Gründe über die regionale Anbindung hinaus, die mich zur Themenwahl bewogen haben.

Das „Übersetzen zwischen Kulturen“ wird vor allem in den Postcolonial Studies thematisiert. Steht auch Ihre Befassung mit der Übersetzung in diesem theoretischen Rahmen?

An dieser Stelle möchte ich gerne erst einmal darauf eingehen, was „Übersetzen zwischen den Kulturen“ heißen kann. Es geht hier nicht um das Übersetzen von Sprache. Von „kultureller Übersetzung“ spricht man bei der Übertragung oder der Aneignung von Werten, Verhaltensmustern oder Traditionen. Kultur ist nicht territorial gebunden, sondern lebt entwickelt und wandelt sich jenseits von Landesgrenzen; sowie auch ihre Ausdrucksformen wie Kunst, Theater, Film oder Literatur nicht innerhalb nationaler Inseln, sondern aus einem internationalen Diskurs heraus entstehen. Die Ausstellung wird sich unteranderem mit interethischem Zusammenleben auseinandersetzen, das heißt der Austausch und auch das „Übersetzen zwischen den Kulturen“ wird eine Rolle spielen.

Übersetzen ist immer Auseinandersetzung mit dem Fremden und dem Anderen und hat als solche einen eminent politischen Kern. Wie politisch denken Sie Ihre Ausstellung an?

 Sie haben ganz Recht, der Auseinandersetzung mit Übersetzung haftet nolens volens etwas Politisches an. Dieser wichtige Baustein der Ausstellung wurde von Anfang an bewusst mitgedacht. Es werden Werke gezeigt, die einen ganz deutlichen und direkten politischen Impetus haben, bei anderen Arbeiten schwingt diese Komponente eher indirekter mit. Der aserbaidschanische Künstler Babi Badalov beispielsweise, bezieht mit seinen scharfzüngigen Schriftzügen und Wortspielen, die er in verschiedenen Sprachen umsetzt, eine klare politische Position. Durch die Unterteilung des englischen Wortes Patriotism (deutsch Patriotismus) in Pat Riot Ism, isoliert er die englische Bezeichnung für Randale, Aufstand und Ausschreitungen (Riot) und stellt damit eine Verbindung zwischen den Worten her. Begriffe, die wir in genau dieser Kombination in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit dem Sturm aufs Kapitol in der Presse lesen konnten. Es werden auch Arbeiten gezeigt die leisere Töne anschlagen. Wenn eine Künstlerin, deren Namen ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell nennen kann, Daten zur Luftqualität in Mailand ins Graphische und Musikalische übersetzt, dann hat dieser Akt ebenfalls eine politische Ebene.

Die 1980 heftig umstrittene Aufführung des Theaterstückes von Bert Brecht „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ ist eines der künstlerischen Beispiele, die Sie in Ihrer Ausstellung zeigen werden. Warum?

Plakat zum Theaterstück: Die Rundköpfe und die Spitzköpfe, 1980 von Berthold Brecht, Regie: Götz Fritsch.

Götz Fritsch, der das Stück inszeniert hat, hatte den spannenden Ansatz alle drei Amtssprachen Südtirols in einem Theaterstück zu vereinen. Die kontroversen und heftigen Reaktionen der Presse zeigen, dass hier ein wunder Punkt berührt, oder gar ein ungeschriebenes Gesetzt gebrochen wurde. Zum einen wurde das Stück als Inszenierung gelobt, die jede und jeder in Südtirol gesehen haben sollte, zum anderen wurde es als pseudoversöhnliche Sprachmixtur diffamiert, die es strengstens zu vermeiden gelte. Dieses Zusammenführen aller drei Sprachen enthielt unheimlichen Sprengstoff. Als das Stück, das seine Uraufführung in Bozen hatte, in Meran gezeigt wurde, platzte der Theatersaal aus allen Nähten und die Aufführung musste mit Verzögerung beginnen. Ich denke es ist interessant innerhalb einer Ausstellung, die sich in Meran Übersetzung und Sprache widmet, diesem besonderen Ereignis 2021 erneut eine Bühne zu geben und darüber nachzudenken, warum es die Gemüter so bewegte und vielleicht auch heute noch bewegt.

Ein weiteres Beispiel sind die Bozner Treffen, die zwischen 1990 und 2005 stattfanden. Was haben diese mit Übersetzung zu tun? 

Die Bozner Treffen waren eine ganz besondere Zusammenkunft hochrangiger Intellektueller. Hier wurden visionäre Blicke in die Zukunft gewagt und heiß debattiert. Sprache und Übersetzung stellte ein zentrales Thema dar. Der gebürtige Bozner Valentin von Braitenberg, der später über Jahrzehnte hin Direktor am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen war sprach sich dafür aus, dass die Vorträge in verschiedenen Sprachen gehalten werden – ein polyglottes Zusammentreffen also. Wichtige Teilnehmer der Treffen wie Ernst von Glasersfeld und Douglas Richard Hofstadter setzen sich Zeit ihres Lebens mit der Thematik der Übersetzung auseinander. Hofstadter, US-amerikanischer Informatiker und Kognitionswissenschaftler, hat sich beispielsweise in seinem Buch „Le Ton beau de Marot: In Praise of the Music of Language“ mit der Übersetzung und vor allem mit der Unübersetzbarkeit von literarischen Texten befasst. Er war der Auffassung, dass Redewendungen oder spezifischer Wortgebrauch eine zufriedenstellende Übertragung in eine andere Sprache unmöglich machten. In diesem Buch schreibt er, dass er sein Werk selbst für unübersetzbar halte. Es wurde schlussendlich – im Gegensatz zu seinen anderen Büchern – auch nie ins Deutsche übersetz. Ernst von Glasersfeld der selbst Mehrsprachig aufwuchs und einige Jahre mit seiner Familie in Meran lebte, sah die Mehrsprachigkeit als einen der Ursprünge seiner bahnbrechenden Gedanken zum Radikalen Konstruktivismus an. Durch das Leben und Erleben in verschiedenen Sprachen erkannte er, dass es Dinge gibt die man in einer Sprache sagen und für wahr halten kann und die sich dennoch nicht in eine andere Sprache übersetzen lassen.

Ein Manifest des Künstlerkollektivs Kinkaleri zur Zeichensprache, sowie eine Arbeit von Alexandra Grieß und Jorel Heid, die eine Übersetzung aus dem Medium Tanz in das Medium Licht zeigt. Was sagen diese Arbeiten zur Thematik Übersetzung?

Es sind Arbeiten, die das Thema der Übersetzung mit künstlerischen Mitteln untersuchen. Hier geht es nicht nur um Sprache, sondern auch um Bildsprache, um Bewegung, Gestik, Licht und Poesie. Bei der Arbeit des Künstlerkollektivs Kinkaleri wird der Besucher selbst zum Performer. Auf der Vorderseite eines DIN A3 Blattes ist ein gestisches Alphabet abgebildet – sprich jedem Buchstaben des Alphabetes ist eine Geste, eine Bewegung zugeordnet. Auf der Rückseite ist dann eine Performance-Anweisung an die Besucher*innen zu lesen; und zwar die Anregung sich ein Gedicht zu überlegen und dieses dann mit Hilfe des gestischen Alphabetes umzusetzen. Eine Übersetzung von Poesie in Tanz also. Bei der Arbeit von Jorel Heid und Alexandra Griess wird hingegen Tanz in Lichtsequenzen übersetzt. Zweiunddreißig programmierte und dimmbare Neonlichter führen eine siebenminütige Choreographie von Veronique Langlott auf. Der Sound der Arbeit generiert sich hierbei ausschließlich durch das leise Knistern der an- und ausgehenden Leuchtstoffröhren. Eine sehr sensorische und auch berührende Erfahrung. Sowohl bei den Lichtsignalen, als auch bei den tänzerischen Gesten ist die Betrachter*in mit Codes konfrontiert, die sich – wie eine fremde Sprache – nicht direkt entschlüsseln lassen. Es wird abstrakter und das poetische Moment der Übersetzung tritt in den Vordergrund. Die Ausstellung die den Arbeitstitel „The Poetry of Translation“ trägt, möchte die Besucher*innen dazu einladen zu beobachten, zuzuhören, wahrzunehmen, zu rätseln, zu übersetzen, zu verstehen, zu verwerfen und zu interpretieren.

Jakob de Chirico: „Cuori pelati“, späte 1980er-Jahre Courtesy: Jakob de Chirico (Foto: Elisabeth Hölzl)

Kommen wir zu Ihrer Berufung als neue Kuratorin von Kunst Meran. Was reizt Sie an der Aufgabe und welches Profil möchten Sie dem Kunsthaus verleihen?

Die erstklassige Ausstellungsgeschichte des Kunsthauses war es, die mich auf Anhieb überzeugt hat. Am Kunsthaus gibt es gleichsam Platz für experimentelle Formate sowie für die Präsentation etablierter künstlerischer Positionen. Es reizt mich auf diesem Fundament aufzubauen und gemeinsam mit Martina Oberprantacher und dem Team in den kommenden Jahren ein versiertes Programm zu entwickeln, dabei auch Experimente zu wagen und neue Wege zu gehen. Martina Oberprantacher möchte diskrimierungskritische und gesellschaftspolitische Themen stärken, ein Ansatz den ich unterstütze. Kunst Meran hat von Anfang an bedeutenden Künstlerinnen eine Plattform geboten – dieser rote Faden soll sich in Zukunft fortspinnen. Auch der Ansatz Architektur und Design mit ins Programm miteinzubinden bleibt bestehen. Gerne würde ich diese interdisziplinäre Ausrichtung auf die Verbindung von Kunst mit Ausdrucksformen wie Musik, Tanz und Theater hin erweitern.

Welchen ersten Eindruck haben Sie von der Südtiroler Kunstszene?

 

In wenigen Tagen eröffnet am Kunsthaus die Ausstellung „KULTUR IN BEWEGUNG“ in der sich das Kuratorenteam Ursula Schnitzer und Markus Neuwirth der Mammutaufgabe gestellt haben fünfundzwanzig Jahre Meraner Kunstgeschichte von 1965 bis 1990 aufzuarbeiten. Der Begleitkatalog – vom Umfang und Inhalt her ein Standartwerk zur zeitgenössischen Kunstgeschichte der Stadt – zeigt eindrücklich auf wie lebendig die Kunst- und Kulturszene in diesen Jahren war und wie fest auch internationale Bande geknüpft wurden. Hermann Nitsch stellte noch zu Anfang seiner Karriere mehrmals im Kleinen Kunstpalast aus, Raphael Montañez Ortiz führte eine seiner„Piano Destructions“ in einem Waldstück in Vellau auf. Mein Eindruck ist, dass sich diese Lebendigkeit, das Interesse an avantgardistischen Positionen im Hier und Jetzt fortsetzt. Meine ersten Gespräche mit Künstler*innen, wie Maria Stockner und Kulturschaffenden, wie Marcello Fera oder Aldo Mazza haben mir unheimlich viel Anregung gegeben. Aktuell bin ich dabei das faszinierende Werk des jüngst viel zu früh verstorbenen Südtiroler Künstlers Sven Sachsalber zu recherchieren. Ich bin mir sicher, dass Sachsalber nicht die letzte spannende Kunstbegegnung sein wird, die ich in der Südtiroler Kunstszene machen werde.

Parallel bleiben Sie weiterhin als Assistenz Direktorin an der Adrian Piper Research Archive Foundation Berlin tätig. Die Konzeptkünstlerin und Philosophin ist sehr streitbar. Sie auch?

Sagen wir es so: ich hoffe es zu sein, da ich es für eine sehr wichtige Eigenschaft halte. Der Direktorin Martina Oberprantacher, dem Team von Kunst Meran und mir ist es ein ehernes Ziel mit den Ausstellungen die wir ausrichten und mit dem Rahmen- und Vermittlungsprogramm, das wir dazu entwerfen, Diskussionen anzuregen. Das „Streitbar-sein“ scheint uns ja heute ein Stückweit verloren gegangen zu sein. Die Bevölkerung ist in einer Vielzahl an Ländern tief gespalten, vorangetrieben durch das Erstarken (rechts-)populistischer Parteien – Brexit Befürworter gegen Brexit Gegner, der AfD Wähler gegen den SPDler, der Demokrat gegen den Trump-Supporter. Hier sollte sich nicht nur die Politik mit der Aufgabe konfrontiert sehen Gräben zu überwinden und eine neue Streit- und Diskussionskultur einzuüben. Auch Kunst- und Kultureinrichtungen haben die Aufgabe Wege zu suchen hierzu einen Beitrag zu leisten.

Eines der bekanntesten Zitate von Adrian Piper lautet: „The power of art is unlimited for social change“. Unterschreiben Sie das und welche soziale Veränderung meinen Sie?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunst wachrufen und für soziale, politische und gesellschaftliche Themen sensibilisieren kann. Die Kunst gibt Freiraum Dinge auf die Spitze zu treiben oder die verrücktesten Projekte anzustoßen, die in keinem anderen Rahmen denkbar und geschweige denn umsetzbar wären. Als Schlingensief 2000, kurz nach der Wahl von Jörg Heiders FPÖ zur zweitstärksten Partei im Land, den „Bitte-liebt-Österreich-Container“ im Herzen Wiens aufstellte, war der Aufschrei vor Ort wie auch in der internationalen Presse groß. Nach dem Vorbild der Fernsehshow „Big Brother“ konnten die Österreicher täglich zwei Asylbewerber aus dem Container wählen, die dann in ihr Heimatland abgeschoben wurden. Eine Aktion die unter die Haut ging und heftige Reaktionen wie auch Diskussionen hervorrief. Mit dem fantastischen Projekt „The Silent University“ hat der kurdische Künstler Ahmet Öğüt 2012 bleibende Strukturen geschaffen. Noch heute teilen geflüchtete Akademiker, deren Abschlüsse nicht anerkannt wurden, ihr Wissen in Stockholm, Hamburg oder Mülheim an der Ruhr mit der Öffentlichkeit. Manche Aktionen sind Alltagsfliegen, andere verändern das Denken oder auch Strukturen nachhaltig.

Corona setzt der Kunst derzeit enorm zu. Was kann Kunst und Kultur in dieser Situation leisten, was die Wirtschaft und die Politik nicht kann?

Kunst- und Kulturinstitutionen haben einen Bildungsauftrag und sind Stätten, an welchen Inhalte auf anderen Wegen wie an Schulen oder Universitäten vermittelt werden. Und das mit einem – in einer Pandemie ausschlaggebenden – Unterschied: Im Museum müssen nicht zwei Menschen dicht an dicht die Schulbank drücken sondern können sich einzeln in großzügigen Räumlichkeiten mit der Kunst auseinandersetzen. Museen sind alternative Lernorte, in welchen, bei Einhaltung der Hygieneregeln, das Ansteckrisiko auf ein Minimum reduziert ist. Leider wurde diese Qualität in dieser Krise nicht stark genug herausgestellt. Die Kunst- und Kultureinrichtungen wurden zur Unterhaltungsindustrie hinzugerechnet – während in Meran Bars und Restaurant wiedereröffnen konnten blieben die Museen zu. Das ist absurd.

Die Pandemie erzwingt gegenwärtig eine Einübung in virtuelle Räume und Gesellschaften. Muss die Kunst gezwungenermaßen auch diesen Weg gehen?

Die Eroberung virtueller Räume in der Kunst blickt mittlerweile ja auf eine langjährige Geschichte zurück. Künstlerinnen und Künstler die sich in diesem Medium ausdrücken hatten und haben während der Pandemie in jedem Falle die besseren Karten ihre Arbeiten einem Publikum zu präsentieren, ohne hierbei unüberbrückbare Kompromisse eingehen zu müssen. Die diesjährige Transmediale in Berlin beispielsweise wird zum Großteil im Netz stattfinden. Bei diesem Format, das sich seit jeher mit dem Digitalen auseinandersetzt bietet sich das auch wunderbar an. Ich bin mir sicher, dass Museen einige der coronabedingten Online-Formate in Zukunft beibehalten werden. Ich denke jedoch nicht, dass die Kunst diesen Weg gezwungenermaßen beschreiten muss. In einer (aktuell noch nicht vorstellbaren) Post-Pandemie-Zeit wird Nähe, Kontakt und Körperlichkeit wieder einen festen Platz in unserer Kultur, sowie in unserer Gesellschaft einnehmen. Wie wir alle sehne auch ich mich danach im Kino wieder das Popcorn mit meinen Nachbarn zu teilen, tanzen zu gehen und gemeinsam mit Freunden unbeschwert durchs Museum zu schlendern.

Interview: Heinrich Schwazer

 

Judith Waldmann

Judith Waldmann (*1985 in Tübingen) ist Kuratorin für zeitgenössische Kunst. Sie studierte Kunstgeschichte in Hamburg, Florenz und Freiburg. Seit 2018 ist sie Assistenz Direktorin der Adrian Piper Research Archive Foundation Berlin. Als Ausstellungsleitung vonMonitoring – Ausstellung für zeitbasierte Medienkunst (Kasseler Kunstverein und Kulturbahnhof Kassel, sowie als freie Kuratorin am Kasseler Kunstverein und am OGR Torino, kuratierte sie umfangreiche Einzel- und Gruppenausstellungen mit Künstler*innen, wie Halil Altindere, Johan Grimonprez, Annika Kahrs, Ari Benjamin Meyers und Pinar Yoldas. Unter Ihrer Mitherausgeberschaft sind zahlreiche Kataloge und Sammelbände erschienen, wie I can’t work like this. A reader on boycott and contemporary art (Sternberg Press, 2017) und Nähe auf Distanz. Eigendynamik und mobilisierende Kraft politischer Bilder im Internet (Hamburger Forschungen zur Kunstgeschichte, De Gruyter, 2020). Judith Waldmann schreibt journalistische Beiträge für MONOPOL, Contemporary And (Q&) América Latina und DARE.

 

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