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Der „verbotene“ Skispaß

Foto: Leonhard Angerer

Obwohl die Lifte geschlossen sind, herrscht auf den Abfahrten im Skigebiet Plose reger Betrieb. Was sich die Wintersportler alles einfallen lassen, um dem Pistenspaß zu frönen und welche Probleme sich ergeben. 

von Erna Egger

Die Skibetriebe sind geschlossen, trotzdem wollen die Leute ihrem Hobby im weißen Schnee frönen. Und dass Not erfinderisch macht– und das gerade in Corona-Zeiten – zeigt sich nun auch im Wintersportgebiet Plose in Brixen: Obwohl das Befahren der Abfahrtenverboten ist, tummeln sich vielzählige Wintersportler auf den Skipisten und der Rodelbahn. Es sind bei weitem nicht nur Tourengeher, die entlang der Pistenaufsteigen und dann wieder abfahren, mittlerweile sind auch viele junge Freerider unterwegs.

Diese lassen sich von ihren Eltern nach Kreuztal transportieren und wedelndann die Vallazza-oder Trametsch-Piste hinab, bis zur Kreuzung Würzjochoder zur Talstation. Dort werden sie von ihren Angehörigen abgeholt und wieder nach oben transportiert. Die Eltern sind permanent mit den Auf- und Abfahrten beschäftigt. „Es gibt auch einige Jugendliche, die mit dem Linienbus bis zum Hotel Valazza fahren, dann per Autostopp eine Mitfahrgelegenheit nach Kreuztal suchen und schließlich über die Trametsch-Piste abfahren“, schildert Herbert Gostner, Kommandant der Feuerwehr Afers.

Auch Tourengeher nehmen vielfach den Bus und steigen dann vom Hotel Vallazza mit den Skiern weiter auf, um über die Trametsch abzufahren, wo sie dann das Auto auf dem Parkplatz in St. Andrä geparkt haben. Einige Tourengeher fahrenzum Parkplatz Skihütte, anderemarschieren bis zur Schatzer-Hütte und dann zum Gabler empor.

„Es gibt viele Varianten“, kommentiert Gostner.

Die Plose AG hat die Pisten erst jüngst wieder perfekt präpariert, weil man ja auf eine Inbetriebnahme der Lifte am 18. Jänner hoffte, die wiederum aufgeschoben wurde. Die guten Pistenverhältnisse ziehen die Wintersportler vermehrt an.

Diese Notlösungen sind mit Problemen behaftet, wie sich am Wochenende vor Weihnachten zeigte: Südtirol wurde in eine weiße Schneedecke gehüllt, die Wintersportler zog es hinaus ins Freie. Der Straßendienst hatte jedoch nur die Fahrbahnen in St. Andrä und Afers geräumt, nicht jedoch den Parkplatz von Kreuztal. Tourengeher parkten deswegenihreFahrzeugeentlang der Straße, ein Vorbeikommen auf der schmalen Fahrspurwar schwierig und auch der Buswendeplatz beim Hotel Vallazza war von Autos besetzt.

Schließlich entwickelte sich ein großes Verkehrschaos, die Busfahrer verständigten die Ordnungshüter.

Die Brixen TourismusGenossenschaft intervenierte und kontaktierte daraufhin die Feuerwehr Afers mit der Bitte, einen Park- und Ordnungsdienst durchzuführen. „Die Leute lassen sich nicht einsperren und den Dingen einfach ihren Lauf lassen, konnten wir auch nicht. Wir mussten eine kurzfristige Lösung finden. Es wurde die Räumung des Parkplatzes veranlasst und ein Ordnungsdienst organisiert“, so Markus Huber, Präsident der Brixen Tourismus Genossenschaft.

Die Wehrmännerhabendem Anliegen Rechnung getragen und an den letzten zwei Wochenenden den Verkehr reguliert.

„Die Frequenz ist wetterabhängig. Aber am Wochenende bei schönem Wetter ist der Parkplatz voll, an die 100 Autos werden abgestellt. Der Andrang ist gegeben“, so Gostner.

Er kann die Wintersportler verstehen: „Die Leute wollen sich bei diesen winterlichen Bedingungen nicht mehr einsperren lassen.“

Alessandro Marzola, Geschäftsführer der Plose AG, verweist darauf, dass die Pisten nach wie vor offiziell geschlossen sind und dass dann das Tourengehen verboten ist. Er zeigt jedoch Verständnis: „Bei diesem schönen Schnee wollen die Leute hinaus, daher werden die Regelungen missachtet.“

Dem jetzigen Andrang auf die Abfahrten blickt er zurzeit jedoch gelassen entgegen: „Wenn wir die Abfahrten präparieren, sind die Pistenfahrzeuge unterwegs, was gefährlich ist. Wir tragen die Verantwortung. Zurzeit befinden wir uns jedoch aufgrund der wiederum verschobenen Inbetriebnahme der Lifte im Winterschlaf. Die Pisten werden bis auf weiteres nicht präpariert und die Fahrzeuge sind nicht unterwegs.“

Er betont jedoch: „Sobald eine Öffnung der Skibetriebe in Aussicht steht, werden wir die Pisten wieder präparieren. Wir werden dann, wie zu Weihnachten, eine Informationskampagne starten, um zu sensibilisieren.“

Das Gerücht, dass Ordnungshüter letzthin viele Strafen an Tourengehern auf den Pisten der Plose ausgestellt hätten, kann Marzola nicht bestätigen: „Ich habe mich bei den Carabinieri informiert. Dort wurde mir mitgeteilt, dass keine Strafen ausgestellt worden seien.“

 

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