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Die Leihmutter-Debatte

Landtag (Foto Werth)

Der Landtag hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob eine Leihmutterschaft auch dann unter Strafe gestellt werden sollte, wenn ein Bürger davon außerhalb Italiens Gebrauch nimmt.

Von Matthias Kofler

Alessandro Urzì (Fratelli d’Italia) forderte in einem Beschlussantrag, dass sich Südtirol im Parlament dafür einsetzen sollte, die Leihmutterschaft auch dann unter Strafe zu stellen, wenn ein italienischer Staatsbürger im Ausland von dieser Gebrauch mache. Leihmutterschaft sei eine Form von Gewalt gegen Frauen, argumentierte Urzì. Das staatliche Gesetz sehe dagegen Haft- und Geldstrafen vor, es gelte aber nur auf Staatsgebiet und sei deshalb nicht wirksam gegen den Reproduktionstourismus. „Bei der Leihmutterschaft hat die biologische Mutter keine Rechte, das Kind wird sofort nach der Geburt von ihr getrennt und wie ein Produkt behandelt“, so der FDI-Politiker.

SVP-Fraktionschef Gert Lanz warnte vor einer Pauschalisierung: Die Leihmutterschaft sei differenziert zu sehen, sie könne nicht per se kriminalisiert werden. In dieselbe Kerbe schlug Brigitte Foppa von den Grünen: „Urzì stellt in seinem Antrag eine Analogie zwischen Leihmutterschaft und Prostitution her. Eine Gesellschaft, die Frauen vielfach abschätzig behandelt, darf ihr nicht die Entscheidung über ihren Körper nehmen.“ Ähnlich äußerte sich Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit): Man sollte nicht jede Form der Leihmutterschaft kriminalisieren. Für viele Paare sei diese der letzte Ausweg, um ein Kind zu bekommen, und wenn es im Einvernehmen geschehe, dürfe man es nicht verurteilen. Franz Ploner (Team K) meinte, der Landtag sei nicht die richtige Bühne für dieses komplexe und heikle Thema. Es sei eher ein Thema für das Parlament nach Anhörung des Bioethikrates. Leihmutterschaft sei eine Realität und könne nicht durch Strafen verhindert werden.

Unterstützung für den Urzì-Antrag kam von der Lega. „Als Frau lehne ich die Leihmutterschaft ab“, erklärte Rita Mattei. Die Kinder würden wie Ware behandelt und ihrer natürlichen Mutter entrissen, Frauen aus armen Ländern würden ausgebeutet. Hier werde die Würde der Frau mit Füßen getreten. Es gebe bereits eine Alternative, die Adoption, und dafür sollte man die Prozeduren einfacher gestalten, sagte Mattei.

Sanitätslandesrat Thomas Widmann wies darauf hin, dass Leihmutterschaft nicht nur in armen Ländern vorkomme, sondern auch in Kanada, wohin sich auch viele Italiener wenden würden. Dieses Thema sollte nicht mit einem Beschlussantrag abgetan werden, man sollte es vertiefen.

Urzì zog seinen Antrag zurück, kündigte aber an, im Gesetzgebungsausschuss einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Dort sollten auch Frauen zum Thema angehört werden.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (12)

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  • andreas

    10.000 Tourismusangestellte bekommen kein Arbeitslosengeld, Bars, Restaurants, Bekleidungsgeschäfte und viele andere befinden sich in prekären Situationen und unsere Helden im Landtag beschäftigen sich mit ihrer Lohnerhöhung und Leihmutterschaft, ein Thema, wo es unseren Provinzpolitikern wohl an Kompetenz feht und Dr. Ploner das Einzig richtige gesagt hat, dass das Thema in einem Bioethikrat besser aufgehoben ist.

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Landeregierung nur mehr reagiert und nicht mehr agiert.
    Die Infektionszahlen Südtirols sind mies im internationalen Vergleich und das seit dem Beginn der Pandemie.
    Unser Anspruch, das Zentrum der Welt zu sein, scheint sich in einer Krise nicht wirklich zu bewahrheiten.

  • n.g.

    Leihmutterschaft, das Recht auf Sterben, wenn man zu krank zum Lebrn ist….. usw.
    Italien lebt wie vor 500 Jahren!

    • gorgo

      Trotzdem sollte sich der Südtiroler Landtag nicht mit dem Parlament verwechseln.
      Falls die Situation vieler SüdtirolerInnen so prekär ist, dass sie bereits eine Leihmutterschaft in Erwägung ziehen, wäre vielleicht anderweitig zu handeln.

      • n.g.

        Vielleicht ist es für manche auch ein grosser Unterschied ob sie zum Teil ihre Gene weitergeben oder nicht.
        Psychologisch sind Adoption und Leihmutterschaft 2 paar Schuhe. Schon mal daran gedacht!

        • gorgo

          Nein.
          Ich überlege gerade, wie ich ironische Kommentare besser formulieren könnte und hoffe, dass du kein Samenspender bist.

          • yannis

            Tja, mit der Sprache der Ironie haben es manche halt nicht so……..
            Aber gut formuliert “ bezüglich der prekären Situation………“

          • gorgo

            @yannis
            Vielleicht sollte man in Zeiten wie diesen auf Ironie besser verzichten. Sie kann mit jeden Tag von der Realität überholt werden.

            @ng Das letzte war nicht so gemeint, ich habe mich nur geärgert weil der Landtag sich momentan um andere Dinge kümmern sollte und nicht wie eine Oberschulklasse in der Suplenzstunde über ethisch sicher brisante, aber lokalpolitisch grad null relevante Themen labern sollte. Oder?

            Jemand von euch Interesse an einer Niere oder ein Stück Leber?
            Ich überlege zu verkaufen.

  • batman

    Von der Leihmutter zur Tagesmutter von der Tagesmutter zur Volksschule von der Volksschule in die Mittelschule usw.

    Wer erzieht die Kinder im Kapitalismus?

  • jochenjutta

    ich kann mir kaum vorstellen, wie würden wir ohne Leihmutterschaft leben… Ich meine, die LM hat unser Leben total verändert, unser langersehnter Sohn wurde von einer ukrainischen Leihmutter geboren und das ist reines Glück! wenn man Leihmutterschaft verbietet, können sehr viele Menschen unglücklich bleiben..

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