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Keine Grippewelle?

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In Südtirol gibt es bislang deutlich weniger grippale Infekte, echte Grippen oder andere Viruserkrankungen. Womit das zusammenhängt.

von Markus Rufin

Alltagsmaske, Hände waschen und Massenansammlungen vermeiden – das wird seit Monaten gepredigt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Doch nicht nur das Coronavirus, auch andere Krankheiten scheinen durch diese Maßnahmen eingeschränkt zu werden.

Es ist beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass rund um Weihnachten Schulklassen halbleer sind, weil sich viele Kinder einer Klasse einen grippalen Infekt oder eine Grippe einfangen.

Dieses Jahr scheint dies aber nicht der Fall zu sein. Offizielle Zahlen gibt es für Südtirol zwar noch keine, aber auch in den Krankenhäusern und Praxen der Haus- und Kinderärzte macht sich bemerkbar, dass es deutlich weniger Grippeerkrankte gibt.

Das bestätigt beispielsweise Simon Kostner, Hausarzt in Wolkenstein: „Bei uns gibt es sehr wenige Fälle, nur vereinzelt kommen Grippe-Erkrankte zu uns in den Praxen. Im Frühjahr gab es deutlich mehr Fälle.“

Genaue Zahlen hat auch Kostner nicht, er schätzt aber, dass den gesamten Herbst über in Gröden gerade einmal hundert Patienten mit einem grippalen Infekt in die Praxen kamen. „Jeder Hausarzt hat ungefähr zehn Fälle gesehen“, schätzt Kostner. Zum Vergleich: Im letzten Jahr gab es rund 2.000 Fälle innerhalb einer Woche in Gröden.

Kostner merkt zwar an, dass man sich erst am Anfang der Saison befinde, aber es gebe deutliche Zeichen dafür, dass die Zahl der Grippe-Erkrankungen abnimmt: „Richtige Grippe-Fälle gab es bisher überhaupt nicht, es gab nur einige grippale Infekte, aber das waren auch nur wenige.“

Auch Silvia Spertini vom Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit bestätigt, dass es in der heurigen Grippe-Saison wohl deutlich weniger Fälle geben wird.

In Italien gibt es für die Grippe ein Überwachungssystem. „Jedes Mal, wenn ein Allgemeinmediziner, ein Kinderarzt oder ein Hausarzt einen Fall verzeichnet, meldet er ihn auch. Die Person wird dann getestet“, erklärt Spertini. „Bisher gab es in Italien, aber auch in Südtirol kein einziges Grippevirus, das isoliert wurde.“

Die Aufzeichnung dafür hat vor rund einem Monat – also Mitte November – begonnen. Zwar unterstreicht auch Silvia Spertini, dass die meisten Fälle erst nach Weihnachten auftreten, im Normalfall gibt es aber auch in den vorhergehenden Monaten einige verzeichnete Fälle.

„Wir erwarten uns deshalb schon, dass es weniger Patienten mit Grippe geben wird“, sagt Spertini. Verantwortlich für die Senkung der Fälle seien vor allem die Schutzmaßnahmen für das Coronavirus, aber auch die Tatsache, dass Reisen derzeit nicht möglich sind. „Die Erreger reisen mit dem Flieger mit, aber auch das gibt es heuer nicht“, meint Spertini.

Auch Franz Rottensteiner, Kinderarzt in Bozen hat heuer weniger grippale Infekte als bisher verzeichnet.: „In der Praxi sehe ich sehr wenig Kinder, die Fieber haben oder krank sind. Geschätzt waren im letzten Jahr die Hälfte der Kinder krank, die andere Hälfte nicht. Heuer sind fünf Prozent krank und 95 Prozent geht es gut.“ Über die Grippe könne er wenig sagen, da Kinder davon eher seltener betroffen sind.

Laut Rottensteiner habe sich in den vergangenen Jahren vor allem in Kindergärten und Schulen eine Erkältung oder ein viraler Infekt sehr schnell verbreitet, weil Eltern ihre Kinder auch mit leichten Symptomen in die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen geschickt haben. Das sei heuer seltener der Fall. Außerdem werde durch die Maske die Übertragung von Erkrankungen erschwert.

Nadine Sulzer, Allgemeinmedizinerin in Tramin sagt, dass sie bisher kaum etwas von Grippe-Erkrankten mitbekommen habe. Grippale Infekte oder Erkältungen gebe es schon, aber auch diese seien seltener geworden. Auch sie geht davon aus, dass die allgemeinen Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus dabei geholfen haben, glaubt aber, dass auch die Impfungen mit dafür verantwortlich sind: „Zumindest bei mir haben sich deutlich mehr Personen gegen die Grippe impfen lassen.“

Doch es gibt auch Ärzte, die glauben, dass nur weniger Fälle verzeichnet werden, so wie Alex Mitterhofer aus Bruneck. Bei den grippalen Infekten habe es kaum Veränderungen gegeben, die große Grippewelle komme aber erst auf Südtirol zu. Er glaubt, dass viele Personen Angst davor haben, mit Grippe-Symptomen zum Arzt zu gehen, weil sie glauben, dass es sich um eine Covid-Erkrankung handelt.

Der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer, kann diese Annahme nicht bestätigen. Er verweist auf Aussagen von Epidemiologen, die behaupten, dass sich die verschiedenen Viruserkrankungen gegenseitig verdrängen. Im Moment verdränge das Coronavirus also das Influenzavirus.

Bei den Ärzten ist aber vorherrschend die Meinung, dass es bisher weniger Grippefälle, grippale Infekte oder andere Erkrankungen gibt und auch weiterhin weniger geben wird. So sagt Silvia Spertini: „Wenn es gleich viele Fälle wie im letzten Jahr gibt, dann läuft etwas im System falsch, denn die Maßnahmen, die die Verbreitung des Coronavirus gelten, sollten auch die Grippe und grippale Infekte einschränken.“

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Kommentare (34)

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  • unglaublich

    Das französische Unternehmen Biomerieux hat nun anscheinend einen Test entwickelt und zertifiziert, der Corona von Grippe unterscheiden kann.
    War das bisher nicht möglich? Wenn nein, dann sind viele Menschen umsonst in Quarantäne geschickt worden.

    • kirke

      Laut mehreren Studien sind Atypisch positiv getestete Menschen auch gar nicht ansteckend. Bei uns landen aber alle, ob gesund oder nicht, in Quarantäne.
      Die Chinesen wissen das längst und isolieren nur mehr Kranke und haben sonst ALLES wieder geöffnet.
      Da aber alle Verschwörungstheorien offensichtlich Wirklichkeit werden, können wir davon ausgehen, dass vor März- April gar nichts passiert, es sei denn die Bevölkerung glaubt den Schwachsinn der über die Medien verbreitet wird nicht mehr und jagd die Politiker zum Teufel.

    • pantone

      Es ist hinlänglich bekannt, dass der PCR Test eine Infektion mit SARS Cov-2 feststellen kann. Er ist sehr sensibel und kann solche Virusmoleküle auch in geringsten Mengen aufspüren.
      Wegen dem Testresultat ist niemand umsonst in Quarantäne geschickt worden.

      • waldhexe

        @pantone

        Ein positiver PCR Test bedeutet weder, dass die getestete Person krank ist, noch dass sie überhaupt „infiziert“ oder gar infektiös sei.

        Hier eine aktuelle Antwort des RKI auf eine Nachfrage. Kurz gefasst sagen sie:
        Covid-19 ist eine Erkrankung, die nicht gleichbedeutend ist mit einem Sars-CoV-2-positiven Test. Sprich: „Wenn die Person keine Symptome hat, hat sie keine Krankheit.“

        Ebenso besagt ein positiver PCR-Test nicht, ob es sich bei dem Gefundenen um vermehrungsfähiges Virusgenom handelt.

        Dennoch werden alle positiv getesteten Fälle als Covid-19-Fall angegeben, WEIL nämlich das „dem international üblichen Vorgehen entspricht“.

        Das RKI behauptet zwar, die Anzahl der Tests in seine Risikobewertung mit einzubeziehen (so wie es statistisch zwingend geboten wäre), erklärt aber nicht wie – und offenbar stimmt das nicht, weil in keiner der Risikobewertungen des RKI diese Größe auch nur ansatzweise ersichtlich ist.

        • mannik

          Falsch, der PCR-Test weist, wenn er positiv ist, auf JEDEN Fall eine vorhandene Infektion nach, nur nicht in welchem Stadium. Richtig ist nur, dass der Test keine gesicherte Aussage darüber erlaubt, ob der positiv Getestete infektiös ist. Um Frage, ob eine positiv getestete Person krank ist, geht es hier nicht, denn ausschlaggebend für die Eindämmung der Pandemie ist, ob sie ansteckend sein könnte. Im Sinne der Prävention geht man davon aus, dass sie es ist.

    • rechner

      Es hat keinen Schnelltest dafür gegeben.
      Im Labor kein Problem

  • andreas

    Bis jetzt waren Kindergarten/Schulen also alljährlich Infektionsherde, was nie jemand ernsthaft in Frage gestellt hat, bei Covid 19 gilt das aber nicht mehr.
    Diese zu öffnen ist anscheinend ein politische Entscheidung, welche den wirtschaftlichen Schaden erhöht, nicht wirklich logisch.

    • n.g.

      @andreas Willst du damit ernsthaft in Zukunft für mehr Regeln nach Covid in Schulen und Kindergärten plädieren?
      Werden wir alle zu kleinen Hypochondern erzogen?
      Es steht ausser Frage, dass zu viel Hygiene den Menschen noch anfälliger für Krankheiten und zudem Bakterien und Viren resister mach.

    • jennylein

      Dass Corona sich in Bezug auf die Altersgruppen anders verhält als ein Grippevirus ist nun wirklich ausreichend wissenschaftlich bewiesen.

    • summer

      @andreas
      Endlich nennen Sie das Kind beim Namen. Es ist geradezu schändlich, die Schule aus politischen Gründen zu öffnen, die Wirtschaft aber aus diesen politischen Gründen dann an die Wand zu fahren.
      Das wird uns alle auf den Kopf fallen. Nur überreißen dies jene Eltern nicht, die ihre Kinder jetzt lieber in die Schule abschieben. Diese werden aber nach der Pandemie viel Zeit zuhause haben, wenn die Entlassungen einsetzen. Dann werden selbst die Letzten verstehen, was sie mit ihren Forderungen nach dem Sonderweg angerichtet haben, denn dann sind die Kinder zwar wieder in der Schule, sie selbst zuhause ohne mittelfristige Aussicht auf Arbeitsstellen.

      • n.g.

        @summer Die Politik entscheidet Schulöffnungen nicht auf Druck von einigen Wenigen die ihre Kinder gern abschieben würden. Dazu sinds einfach zu wenige! Sie entscheiden im Wissen wie wichtig es für die Kinder ist.
        Was dir und andreas vollkommen fehlt!
        Die Entlassungswelle auf dem Rücken von Kundern jetzt festzumachen ist znterste Schublade von dir und zeugt von unglaublicher Ignoranz und Dummheit!

        • n.g.

          Für Entlassungrn sund Leute wie du, cif, heinz usw. verantwortlich!

        • ronvale

          @ng

          Die Pandemie findet hauptsächlich auf dem Rücken der Erkrankten und des Krankenhauspersonals statt.

          Wir alle sind betroffen und leben mit Einschränkungen des täglichen Lebens. Kinder und Jugendliche gehören zur Gesellschaft und müssen leider die Maßnahmen mittragen.

        • summer

          @n.g.
          Dass Sie sich überhaupt trauen, sich so zu äußern, geben Sie sich sonst so pseudolinks.
          Die Kinder haben im Vergleich zu Kindern in abgelegenen Höfen und Weilern vor 30 Jahren heute 100mal mehr Möglichkeiten ohne Präsenzunterricht mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben, als damals. Offenbar haben Sie trotz Kindergarten, den heute noch nur die Hälfte der Erwachsenen besucht haben, weil nicht flächendeckend vorgesehen, eine mangelhafte Sozialisierung, sodass Sie der beste Beweis dafür sind, dass die Empathie keine Frage der sozialen Kontakte, sondern eine Bildung des Herzens ist.
          Und deshalb sind gerade Sie einer jener, der eben durch diesen politischen, und nicht virologischen Zwang, die Schulen zu öffnen, die daran Schuld sind, dass die Infektionen weiter in die Familien hineingetragen werden und somit ein Dritter Lockdown kommen wird. Und das überleben die Betriebe ohnehin nicht mehr und wir kommen dort an, wo Sie dann daheimbleiben können, während die Kinder dann in der Schule sind, nach Überwindung der Pandemie. Dann werden Sie als Erster hier Ihre Hasstiraden loswerden, wie wir das ja sonst gewöhnt sind von Ihnen.

  • andimaxi

    Keine Grippe mehr, alles Corona, sonst kriegt man ja die Zahlen nicht zusammen. Auch die Masern, die vorher ja noch die Gesellschaft auszurotten drohten sind verschwunden. Alles weg. Krebs, Herzkreisllauferkrankungen, alles verschwunden..

  • george

    Ach Leute, wenn andere Krankheiten nicht an die große Glocke gehängt werden bzw. in den „Quackermedien“ offen werden und auch ihr sie nicht konkret beobachtet, weil zur Zeit SARS-CoV-2 alles überschattet, so heißt das noch lange nicht, dass sie nicht vorkommen oder keine Beschwerden da sind.
    Heißt doch immer so „schön“, wenn jemand verstirbt: „Mit oder an Corona“.
    Ihr lebt hier allesamt viel zu viel von den Klatschberichten hier.

  • waldhexe

    Ja, meine Herrschaften, was erzählt man all denen, die ungerechter Weise umsonst unter Hausarrest gestellt wurden? Was dieser PCR-Test wert ist weiss man längst schon, aber man hält immer noch daran fest. Man verschärft immer noch die Massnahmen, die anhand von Zahlen eines nicht validierten Test hervorgehen.

  • tirolersepp

    Sicherlich waren viele ungerechterweise in Quarantäne !

  • rechner

    Kann ich bestätigen, meine drei Kinder sind seit März nicht einen Tag krank gewesen. Ich un meine Frau auch nicht.
    Weder Fieber, noch Schnupfen, noch Husten.
    Alle sind in der Schule oder Kindergarten.
    Da habe ich schon ganz andere Winter erlebt.

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