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„Beethoven hat mich begeistert“

Beethoven von Peppi Tischler, 1965: Eine Nähe, die die Ferne wahrt.

Peppi Tischler kennt man als Karikaturisten und begnadeten Zeichner. In den 1960er Jahren hat er jedoch auch gemalt. Zu Ehren von Ludwig van Beethoven.

(sh) Sein Antlitz verschmilzt in chromatisch ineinander übergehenden Farbformen. Was an Figuration bleibt,  geht in eine abstrakte Farben- und Formensprache über, Auflösung und Zusammenwirkung von Formen und Farbfeldern halten sich die Waage, Komposition und Dekomposition sind eins, der malerische Gestus gleicht einer Tonleiter, das Kolorit verfließt in organisch-dynamischen Rottonschritten.

Das Antlitz von Ludwig van Beethoven, das der Karikaturist und begnadete Zeichner Peppi Tischler 1965 anfertigte, wirkt wie eine einzige, vehement emotionale, musikalische Energie. Kein Wunder, ist die Malerei doch vom letzten Satz der „Eroica“ inspiriert, in dem das Prometheus-Thema mit der dissonanten Welt des Trauermarsches in einem wirbelnden Schluss-Presto aufgehoben wird. 1805 zum ersten Mal öffentlich aufgeführt, war die Eroica die erste weltanschauliche Symphonie der Musikgeschichte. Eine Feier der Freiheit, die Beethoven zunächst Napoleon gewidmet, nach dessen Proklamation zum Kaiser jedoch wutentbrannt wieder zurückgenommen hatte.

Ludwig van Beethoven „hat mich begeistert“ sagt Peppi Tischler. Dass er dem bereits zum Ende seines Lebens als beinahe unerreichbaren Titanen geltenden Komponisten sein einziges abstraktes Bild widmete, ist nur folgerichtig. Beethovens Musik ist nachdenkende Kunst und sie gibt zu denken, wie es nur gegenstandsloser Kunst möglich ist.

Die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Komponisten, die im Coronajahr der Pandemie zum Opfer fielen, ist eine Gelegenheit, Tischlers Beethoven einer erneuten Betrachtung zu unterziehen. Die Beethoven-Begeisterung teilte er übrigens mit Peter Fellin, der sich Ende der 1950er Jahre ebenso künstlerisch mit dem Bonner Komponisten auseinandergesetzt hatte.

Neben dem Ölgemälde hat Tischler im selben Jahr eine Federzeichnung von Beethoven angefertigt. Aus den mit umgedrehter Feder gezogenen waagrechten Strichen kommt das Antlitz in einem Helldunkel-Vibrato zum Vorschein. Die Umrisse und der grimmige Mund sind in den  ineinanderströmenden Helldunkel-Tonalitäten erkennbar, doch es ist eine Nähe, die die Ferne wahrt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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