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Ciao, Tundo

Die Bezirksgemeinschaft Pustertal löst den Vertrag mit dem Unternehmen Tundo auf – als Konsequenz nach gravierenden Vertragsverletzungen: nicht bezahlte Mitarbeiter, mangelhafte Dienste und unzufriedene Kunden. Diese Entscheidung könnte wegweisend sein.

von Silke Hinterwaldner

Seit sechs Jahren fährt das Transportunternehmen Tundo im Auftrag der Bezirksgemeinschaft durch das Pustertal und das Gadertal. Der Auftrag der dort angestellten Fahrer ist es, Menschen mit Behinderung zu den Werkstätten zu bringen. Eine wichtige Aufgabe, mit großer sozialer Verantwortung verbunden. Insgesamt sollte Tundo derzeit 17 Linien bedienen, die Menschen abholen und sie in die Werkstätten nach Toblach, Mühlen, Pederoa und Bruneck befördern.

Bald schon zeigten sich auch im Pustertal, genauso wie in vielen anderen Gebieten Südtirols, die ersten Probleme: Der Dienst wurde nicht zur Zufriedenheit der Leute verrichtet, die Mitarbeiter wurden phasenweise nicht bezahlt. Aber zur Überraschung vieler hat Tundo auch eine zweite Ausschreibung nach den ersten vier Jahren gewonnen. In den vergangenen Monaten jedoch haben sich die Probleme wieder zugespitzt. Seit dem 9. Dezember hat das Unternehmen aus Lecce überhaupt nur noch die Strecke im Gadertal regulär bedient. Die Bezirksgemeinschaft Pustertal hat sich nun dazu entschlossen, hart durchzugreifen: Am Dienstagabend hat der Ausschuss entschieden, den Vertrag aufzulösen. Der Vertrag wäre eigentlich bis zum Jahr 2022 gültig gewesen. Jetzt hat man aber unter dieses leidige Kapitel einen Schlussstrich gezogen.

Roland Griessmair, Präsident der Bezirksgemeinschaft sagt: „Seit September konnte die Firma Tundo nicht mehr den Nachweis erbringen, die Mitarbeiter ordnungsgemäß zu bezahlen. Der Auftrag wurde demnach nicht mehr erfüllt.“ Nachdem die Bezirksgemeinschaft als Vertragspartner das Transortunternehmen mehrmals ermahnt und auch Strafen ausgestellt hatte, sieht man sich nun in der Lage, eine Auflösung des Vertrages anzustreben: „Dieses Mal sind die Vertragsverletzungen gravierend“, sagt Griessmair.

Mittlerweile ist es so, dass die Nettolöhne der Fahrer über die Bezirksgemeinschaft ausbezahlt werden, weil nur so gesichert scheint, dass sie tatsächlich gezahlt werden. Umgekehrt wird dieses Geld nicht an die Tundo überwiesen, um doppelte Kosten zu vermeiden. Wie sich in den Diskussionen landauf landab zeigt, ist die rechtliche Situation alles andere als einfach: Auch andernorts ist man mit Tundo unzufrieden, aber nun hat die Bezirksgemeinschaft Pustertal als erste Institution gewagt, den Vertrag aufzulösen. Diesem Beispiel, sagt Bezirkspräsident Griessmair, könnten nun andere Vertragspartner folgen, zum Wohle der Fahrer und zum Wohle der Beförderten. „Die Menschen“, sagt er, „haben Anrecht auf einen gut funktionierenden Dienst.“

Die Menschen im Fokus: Im Pustertal und im Gadertal hat man deshalb bereits damit begonnen, Ersatzdienste aufzubauen. Auf diese Weise will man vermeinen, dass bis zur neuen Ausschreibung die Fahrten ausfallen und die Menschen mit Behinderung genauso wie die Fahrer auf der Straße stehen. „In der Zwischenzeit“, sagt Griessmair, „können wir eine neue Ausschreibung des Dienstes vorbereiten.“ Der Präsident der Bezirksgemeinschaft hofft, dass sich dieses Mal tatsächlich mehrere Anbieter finden, um so für die Zukunft zu gewährleisten, dass der Transport auf allen Linien ohne Unterbrechungen und ohne große Probleme garantiert wird.

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