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„Land soll zahlen“

Foto: Ludwig Thalheimer

Künftig soll nicht mehr das Land, sondern die Gemeinde Bozen die Kosten für die Führung der Notunterkünfte übernehmen. Die Verwaltung wehrt sich dagegen.

von Markus Rufin

Noch stehen 120 Personen in Bozen ohne Obdach dar. Doch bald soll sich das ändern. Nachdem verschiedene Initiativen dazu aufgerufen haben, den Obdachlosen zu helfen, fand man letzte Woche gleich mehrere Lösungen zur Unterbringung dieser Personen (TAGESZEITUNG berichtete).

Zur Erinnerung: Zum einen werden im Ex-Alimarket rund 35 Personen unterkommen, weitere 100 Personen sollen wie im Sommer in der Messe Bozen eine Notunterkunft erhalten. Doch weil die Bereitstellung der Notunterkunft in der Messe Bozen wohl noch einige Zeit dauern wird, hat die Gemeinde reagiert und will in der Zwischenzeit die Bozner Stadthalle für die Obdachlosen zur Verfügung zu stellen.

Dies wäre eine Lösung, mit der den meisten Obdachlosen zumindest zwischenzeitlich geholfen ist. Doch nun gibt es ein weiteres Problem: Das Land möchte für die Führung der Strukturen nämlich nicht mehr aufkommen. Diese Aufgaben sollen die Gemeinden übernehmen. Dabei hat die Provinz noch in diesem Sommer alle Kosten für die Notunterkünfte übernommen.

Doch die Stadt Bozen ist mit diesen Mehrkosten keinesfalls einverstanden. Wie Bürgermeister Renzo Caramaschi gestern bei der Pressekonferenz des Stadtrates erklärte, setzt sich die Stadtverwaltung gegen diese Neuregelung zur Wehr, vor allem, weil die Stadt bereits viele Kosten alleine stemmen müsse: „Wir haben 219 Plätze für Obdachlose in Gemeindestrukturen geschaffen. Zum Vergleich: In Trient stellt die Gemeinde 120 Plätze zur Verfügung.“ Auch die Gemeinden in Südtirol geben laut Caramaschi kaum Geld für Notunterkünfte zur Verfügung.

Caramaschi betont, dass die Stadt zwar bereit sei, den Obdachlosen zu helfen, er fordert diese Hilfsbereitschaft aber auch von anderen Gemeinden ein: „Wenn jeder seinen Teil beitragen würde, gäbe es dieses Problem gar nicht.“

Rund 40.000 Euro pro Monat müsste die Gemeinde an einen Verein bezahlen, damit dieser die Führung der Notunterkunft im Ex-Ali-Market übernimmt. Weitere 35.000 Euro würden für die Führung der Notunterkunft in der Stadthalle auf die Verwaltung zukommen. Eine Summe, die laut Landesrat Arnold Schuler, durchaus vertretbar sei: „Die Gemeinden bekommen über die Gemeindenfinanzierung Geldmittel für genau solche Aufgaben bereitgestellt. Es ist eine Überlegung, die durchaus ihre Rechtfertigung hat.“

Aber auch er ruft andere Gemeinden, aber auch andere Regionen dazu auf, ihrer Verantwortung nachzukommen: „Es kann nicht sein, dass jeder seine Augen verschließt und jene, die menschlich mit Obdachlosen umgehen, bestraft werden.“

Dass die Unterbringung der Obdachlosen für den Winter aber an der Finanzierung scheitert, schließt der Landesrat aus: „Der Landeshauptmann wird nun direkt mit dem Bürgermeister sprechen, aber das Problem ist auf jeden Fall überwindbar.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (35)

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  • n.g.

    „Es kann nicht sein, dass jeder seine Augen verschließt und jene, die menschlich mit Obdachlosen umgehen, bestraft werden.“

    Entweder ich verstehe den Satz nicht oder es steht da wirklich, indirekt darin, dass die Gemeinden die das angedachte Geld dann wirklich ihrem Verwendungszweck zuführen dies als Bestrafung sehen?

  • n.g.

    Das ist doch was für martasiphia. Humanitäres Denken, sozialer Umgang usw. Grins

    • george

      Da ist nichts zum Grinsen! Die Aussage – „Es kann nicht sein, dass jeder seine Augen verschließt und jene, die menschlich mit Obdachlosen umgehen, bestraft werden.“ – bestätigt doch genau die Einstellung von ‚marthasophia‘. Aber für eine solche Einstellung darf auch niemand blöd angegangen oder sogar bestraft werden. Einen Platz zum Schlafen und mindestens eine Mahlzeit pro Tag sollte doch jeder Mensch haben können. Soviel gibt unsere Erde allemal noch her und sie darf nicht nur für „Auserlesene“ zum Leben da sein.

      • n.g.

        Ich wollte damit martasophia vor Augen halten wie humanitär in unserer Gesellschaft gedacht wird. Da sie anderer Meinung ist.
        Die Realität sieht anders aus.
        Im Gegenteil. Es ist sogar so, dass ich schätze wenn jemand so denkt!
        Hättest du oder.sie all meine Kommentare richtig gelesen, wüsstet ihr, dass auch ich des öfteren auf den Hunger und die Armut in der Welt hingewiesen habe. Aber im selben Atemzug drauf hingewiesen hab, WIR HIER sollten uns darum sogar bei ‚Kleinigkeiten‘ wie Covid SEHR zurückhalten. Das ist dazu ein Fliegenschiss in der heutigen Welt!
        Ich bestreite lediglich, dass die Mehrheit das tut und nur durch das dauernde Äußern solcher Wünsche, ändert man nichts!

      • n.g.

        @george Der Unterschied den ich schon mal zeigen wollte, ist der, dass wir uns hier den ganzen Dreck an Regeln und Maßnahmen leisten können. Mal abgesehrn ib gut ider schlecht. Verstehst du und anderswo ist alles egal. Also jammern wir auf einem Niveau das uns nucht mal zusteht! Egal ob Kranke, Tote nich sonst was!

      • n.g.

        @george oder auch martasophia. Eine Frage. Wegen meines Kommentars. Ein Gedankenspiel.
        Stellen wir uns vor, jetzt kommt die Impfung und sie wirkt wie vorhergesagt. Grosse Freude!
        Jetzt nehmen wir an, sie, du und ich sind Beführworter und möchten uns impfen lassen.
        Und jetzt nehmen wir an, das ist auch Tatsache, aber irgendwo auf der Welt gibt’s Länder die sich die Impfungen für die Menschen nicht leisten können oder erst viel später bekommen.
        Wer von uns Dreien wäre dann bereit sie zu spenden? Zu warten… und damit eine mögliche Ansteckungen oder gar Tod in Kauf zu nehmen.
        Ist es nicht so , dass WIR ES HABEN, ALS ERSTE UND ES DANN AUCH IN ANSPRUCH NEHMEN?

        • george

          n.g.
          Was fragst du lang? Tu anstatt zu fragen. Ich hänge nichts an die große Glocke, spende aber immer wieder lebensnotwendige Grundlagen überall dorthin, wo ich weiß, dass sie auch an die Leute kommen, die es brauchen. Weitere Worte darüber sind nicht notwendig, wo gute Taten zu vollziehen sind.

          • n.g.

            Du hast meine Frage nicht beantwortet!

          • n.g.

            @george Würdest du deine Dosis spenden? Du bist ausgewichen!

          • andreas

            @n.g.
            Die Frage ist gerade Thema bei einer europäischen und internationalen Ethikkommision und ist eine politische Entscheidung.
            Auf jeden Fall hat der Einzelne das Recht, den Impfstoff ohne schlechtem Gewissen in Anspruch zu nehmen.
            Ob die reichen Nationen zu Gunsten der ärmeren auf den Impfstoff verzichten, wird sich zeifen.

  • watschi

    fùr einen sinnlosen massentest hat das land ùber 3 millionen euro beim fenster hinaus geworfen und wegen ein paar tausend euro macht man so einen aufstand? zum schàmen.

  • batman

    Über die Gemeinde Bozen gäbe es noch einige Artikel zu schreiben, z.B. wie sie mit ihren Bürgern umgeht.

  • schnabel

    Ich wurde alle Kontrollieren von wo sie herkommen den wir können nicht die ganze Welt ernähren sie sollen in ihren Gemeinden um Unterkunft suchen

    • n.g.

      @schnabel Was willst du dann mit denen machen? Heim karren? Da kostet uns das momentane ‚Durchfüttern‘ weniger, wenns dir schon ums Geld geht. Und zweitens, wenn jemand schon in Not ist, fragt man nicht erst, woher er kommt!
      Für Weihnachten hast dich disqualifiziert!

    • n.g.

      Oder, schnabel, kennst die Geschichte nicht… Da suchten Welche ne Bleibe aber bekamen keine?

    • ohnehirnlebtmanbesser

      Oh Herr oder Frau Schnabel.Leider kònnen und wollen wir nicht die ganze Welt ernàhren.Aber einige hundert…das mùssen wir….das kònnen wir. Es sind Menschen wie Sie. Nur ihre Wiege stand nicht so gùnstig wie Ihre. Hirni

      • watschi

        hirni, moment mal, dass allen menschen in not geholfen werden musss, da bin ich deiner meinung, aber, nein, nur wo die wiege stand, darf nicht ausschlaggebend sein, wo jemand nach jahren landet. viel hängt auch davon ab, was jeder daraus macht und da gibt es genug beispiele.

        • ohnehirnlebtmanbesser

          Oh Watschi. Statt Wiege nennen wir es die sonnige Seite des Lebens. Besser?. Dein Hirni

          • watschi

            hirni, du weisst, ich respektiere dich, aber ich muss dir wieder widersprechen. ich kenne (leider) allzuviele leute, die auf der sonnigen seite geboren und aufgewachsen sind, dann aber aus eigener schuld (es gibt zahlreiche ursachen) im „abgrund“ gelandet sind. nicht immer ist die welt schuld, wenn es menschen finanziell schlecht geht.

          • watschi

            und noch etwas will ich loswerden: vom ersten advent bis zum vierten advent helfen nützt wenig. ich helfe immer vom vierten advent bis zum ersten advent. das bringt den notleidenden mehr und man trifft auf weniger leute, welche das schlechte gewissen der menschen in der weihnachtszeit ausnützen, obwohl sie es nicht notwendig hätten.

      • yannis

        @hirn-Loser,
        wenn es nach meiner und vieler anderer Wiege gegangen wäre, säßen auch viele andere und ICH unter der Brücke.!
        Die Wiege ist sehr, sehr selten die Ursache……

        • ohnehirnlebtmanbesser

          Oh Yannis. Stand deine Wiege im afrikanischen Busch.?

          • watschi

            hirni, die wiege muss nicht im afrikanischen busch gestanden haben, dass es einem schlecht geht. ausserdem ist das ein vorurteil, denn viele wàren vor langer zeit dort in freiheit glùcklicher gewesen als nach amerika verschleppt zu werden um dort als sklaven arbeiten zu mùssen und gefoltert zu werden.

  • ohnehirnlebtmanbesser

    Oh Watschi. Immer noch deine starke Sonnenbrille auf der Nase? Cognac und Kaminfeuer? Egal. Hauptsache diese Menschen werden betreut. Mit Privat oder unseren Steuergeldern…….Wàhend tausende in der Altstadt um nutzlose Weihnachtsgeschenke kàmpfen…….schlafen Menschen einige hundert Meter entfernt unter Brùcken. Hirni hat sie besucht.

    • watschi

      hirni, bitte, wollen wir einmal unseren verstand benutzen. erstens, hilft es den betroffenen wenig, wenn du sie nur besuchst, zweitens muss niemand ein schlechtes gewissen haben, wenn er seinen liebsten ein weihnachtsgeschenk kauft, er hat ja dafùr gearbeitet (ausserdem hilf es der wirtschaft, ansonsten wàren ja alle bald einmal arm). drittens, es wird immer jemand geben, der unter der brùcke schlàft, aber dafùr muss niemand sein leben aufgeben und nur noch spenden. es werden auch weiterhin jeden tag tausende sterben, das heisst aber nicht, dass wir alle jeden tag trauern mùssen, ansonsten wùrden wir verzweifeln. hirni, die welt ist rund, schòn und manchmal grausam.

  • mizzitant

    Netta mol im stond sein, dei poor leit, wos koane Unterkunft hobn, onständig zu versorgen. Ober a gschroa mochn, wenn sie ihrn monatslohn net kriegen. Dei laggl dei tamischn… Ormes reiches Südtirol… Schamen muas mon sich… Südtirol ein Angeberlond und Koan Herz für die Bedürftigen und dei bissl Bedürfnisse, dei solche Menschen nou hobn. Weihnachten isch nettamol Weihnachten sou.

  • cosifantutte

    Warum bettet man diese armen Obdachlosen nicht in die unzähligen, nun leer stehenden Wohnungen der Urlaub auf dem Bauernhof Betriebe und der Hotels? Besonders die Urlaub auf dem Bauernhof Betriebe, die ja Steuerbegünstigt sind, können sich ja nun umgekehrt solidarisch zeigen. Heisst es nicht immer „zomholtn Leit“?

  • n.g.

    @andreas Das beantwortet meine Kernfage immer noch nicht.
    Natürlich kann man sich reinen Gewissens impfen lassen aber alleine, dass sich Ethikräte damit befassen, zeigt wie schwierig diese Frage ist.
    Jaaa, politisch wird entschieden aber hat Politik was mit humanitären Entscheidungen zu tun? Nicht wirklich! Und darum meine Frage an die ach so humanitär denkenden george und martasiphia.
    Im Fall Impfung stehen die vor einem Problem. Denn wir haben das Geld und andere nicht! Und wir hier, aus der warmen und beleuchteten Stube können warme Gedanken verbreiten, wir können sogar richtig helfen aber wie sieht es aus wenn in solchen Ländern Menschen an Covid sterben, mehr als bei uns, wie siehts dann mit den warmen Gedanken aus? Erst wohl WIR und dann DIE!
    Die Heuchelei stört mich daran! Wir können und tuns einfach und die Anderen kommen zuletzt! Bei uns sterben dann ein paar weniger und bei Denen..!
    Hab vin den beiden nicht ein Wort gelesen, dass Impfstoffe erst da verteult werden sollten wo es schlechte bis gar keine Möglichkeiten gibt Erkrankten zu helfen.
    Nochmal die Frage, jetzt auch an dich. Wer sollte es dann zuerst bekommen? Leute die in Gegenden leben wos keine Intensivbetten gibt oder wir?
    Wer sind die Egoisten mit genug Geld, wir?

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