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„Sind darauf angewiesen“

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Südtiroler Vereine mussten im heurigen Jahr auf viele Einnahmen verzichten. Nun stehen auch noch die Spendenaktionen zu Neujahr auf der Kippe. 

von Markus Rufin

Rund um Neujahr ziehen Musikkapellen und Feuerwehren im ganzen Land von Haus zu Haus, um der Dorfbevölkerung ihre Neujahrsglückwünsche entgegenzubringen und gleichzeitig Spenden entgegenzunehmen.

Mit dem neuen Dekret des italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte steht nun aber fest, dass auch die übliche Neujahrssammlung der Vereine umgeplant werden muss.

Wie Wolfram Gapp, Präsident des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren, erklärt, habe der Verband Empfehlungen ausgearbeitet: „Wir empfehlen, die Kalender entweder in den Postkasten zu werfen oder vor dem Haus abzulegen und ein Schreiben beizugeben, in dem um die Überweisung eines Spendenbetrages gebeten wird.“

Gapp weiß, dass viele Feuerwehren auf die Spenden zu Neujahr angewiesen sind: „Es gibt viele Feuerwehren, die die Spendenaktion jährlich machen und einen großen Teil des Haushaltes dadurch zusammenbekommen.“

Eine Feuerwehr, die mit der Spendensammlung bereits gestartet ist, ist die FF Bruneck. Wie Kommandant Reinhard Weger ausführt, habe man die Sammlung immer Anfang Dezember durchgeführt.

Heuer hat die Brunecker Feuerwehr die Massentest-Aktion für die Spendensammlung genutzt. „Wir wurden von der Gemeinde beauftragt, Informationsblätter für den Massentest an die Haushalte zu verteilen“, berichtet Weger. „Dabei haben wir auch unseren Kalender beigelegt und um die Überweisung einer freiwilligen Spende gebeten.“

Bis Ende Dezember läuft die Spendenaktion der FF Bruneck, bisher sei bereits einiges zusammengekommen, wofür sich der Kommandant bedankt. Doch auch Weger rechnet damit, dass weniger Einnahmen zusammenkommen werden. In finanzieller Notlage gerate man durch das heurige Jahr aber nicht, dennoch seien die Spenden eine wichtige Einnahme.

Aber laut Landesverband sind auch Hausbesuche noch möglich. Darauf setzt die FF Klausen, erklärt Kommandant Markus Mitterutzner: „Wir werden von Haus zu Haus gehen, Einweghandschuhe und FFP2-Masken tragen. Wir werden aber nicht in die Häuser hineingehen.“

Auf die Spendeneinnahmen möchte auch die Feuerwehr Klausen nicht verzichten, da sämtliche Feste ausgefallen sind. Mitterutzner schätzt, dass die Feuerwehr auf insgesamt rund 30.000 bis 35.000 Euro verzichten musste. „Wenn die Neujahrssammlung auch noch ausfallen würde, wäre es finanziell gesehen knapp.“

Knapp könnte es auch bei einigen Musikkapellen werden. Viele Kapellen haben zu Neujahr nämlich kleine Konzerte gespielt. Verbandspräsident Pepi Fauster berichtet, dass man zwar versucht habe, zumindest kleine Bläsergruppen wieder spielen zu lassen, aber auch hierfür haben die Musiker eine Absage erhalten.

So zum Beispiel die Musikkapelle Oberinn. Deren Obmann Stefan Pircher sagt: „Weil wir bereits auf Feste verzichten mussten, wollen wir die Neujahrssammlung dennoch durchführen. Zwar wird es nicht wie üblich ablaufen, aber wir werden vermutlich etwas machen.“ Die Details müssen aber noch geklärt werden.

Die Neujahrsspende sei in Oberinn die größte Einnahmequelle, auf die man gerade nach dem Ausfall der Feste angewiesen sei.

Aus finanzieller Sicht weniger bedeutend ist das Neujahrskonzert für die Bürgerkapelle Gries. Dafür hätte es heuer aber einen besonderen traditionellen Wert. Denn die Bürgerkapelle feiert ihren 200. Geburtstag.

Eigentlich wäre heuer daher eine Oper in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Bühnen Bozen geplant gewesen. „Wir haben nun aber umgeplant“, erzählt Obmann Roland Furgler. „Wir haben das Glück, dass unser Konzert live übertragen wird. Heuer werden wir nur unsere professionellen Musiker, die ja weiterhin spielen dürfen, beim Konzert auftreten lassen.“

Zwar generiere man keine Einnahmen, aber die Kosten seien auch nicht so hoch. Ohnehin sei der finanzielle Aspekt für die Bürgerkapelle zweitrangig. Dennoch verteilen die Musiker das „Grieser Weihnachtspaktl“, eine Aktion, die in Zusammenarbeit mit Grieser Produzenten entstanden ist. Dieses wird gegen eine freiwillige Spende verteilt. Damit wolle man aber lediglich die Kosten decken

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Kommentare (7)

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  • bernhart

    Vereine allgemein sind wichtige Organisationen, sie bereichern jede Ortschaft und sollte auch von Gemeinden und Land großzügig unterstützt werden. Gerade heuer in dieser schwierigen Zeit wurde den Vereinen die Möglichkeit genommen selbst Feste abzuhalten um ihre Kassen zu sanieren, da her wäre es angebracht wenn das Land die Vereine einen ordentlichen Beitrag gewähren würde. Ein Dank an alle freiwilligen Helfer.
    LR Achammer jetzt kannst du die Gemeinschaft helfen.

  • keinpolitiker

    Wieso darf eine Musikkapelle nicht in einem öffentlichen Ort im Freien spielen, aber in den Kaufhäusern und Einkaufsstrassen düürfen Massen an Leuten rumlaufen?

    Wir hier in Südtirol sind ja wieder die größten Vollpfosten, denn wir sind wieder mal die einzigen in ganz Italien, die sich strickt an die Regeln aus Rom halten.

  • brutus

    Wo ist das Problem???
    Habe Spenden und Mitgliedsbeiträge bereits online überwiesen! Mache ich beim Weißen Kreuz schon seit Jahren so!

  • hansi

    brutus leider hast du hier etwas nicht kapiert, mit den Neujahrswünschen ist Tradition, sowie soziales verbunden – zig Leute und Menschen sich jährlich auf das musikalische Ständchen, sowie den wechsel einiger wenige Worte freuen – diesen Wert hast du, sowie leider unsere Politiker bisher nicht kapiert. Durch die Pandemie sehr viel soziales Engagement zerschlagen wird, gar sehr viel Aufbauarbeit- aber des leider noch nicht so sehr wahrgenommen wird – daher ist es wichtig dass Widmann Projekt unterstütz für Covid-Spürhunde – dümmer gehts immer, gar ein graus- sag nur besinnliche Weihnacht und sehr stille Nacht

  • brutus

    @hansi
    Ich frage dich ob man nicht einmal auf Tradition verzichten kann, um andere zu schützen!

  • hansi

    Verzichten wir doch auf alles, mir ist sicherlich auch die die Situation bewusst, aber mit Bedacht sicher Lösung vorhanden bzw mit Wille, denn warum gehts dann fünf vor zwölf – und wenn so weitergeht haben wir dann die größeren Probleme, als durch Covid selbst, es bringt nichts die Welt neu erfinden zu wollen bzw. neue Projekte aus den Fingern zu saugen wollen durch Studien und blabla und gewachsenes links liegen zu lassen

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