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Nicht wichtig!

Das Museion (Foto: Martin Rattini)

Geschäfte und Einkaufszentren dürfen aufsperren, Museen, Galerien, Kinos, Theater und Konzerthäuser bleiben geschlossen, obwohl das Ansteckungsrisiko dort erwiesenermaßen am geringsten ist. Deutlicher und verletzender könnte das Signal nicht sein: Kultur und Kunst sind nicht wichtig.

von Heinrich Schwazer

Die Politik bestimmt, wer und was wichtig und notwendig ist und wer und was nicht. Das unsägliche Etikett, das sich in der Pandemie dafür eingebürgert hat, lautet „systemrelevant“. Dass ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen, Supermarkt-MitarbeiterInnen, AltenpflegerInnen und weitere Berufe in der  Corona-Pandemie unverzichtbar sind, leuchte jedem vernunftbegabten Menschen ein. Es geht dabei um die simple Frage: Welche Arbeiten und Schlüsselleistungen müssen weiterhin funktionieren, damit ein Land nicht zusammenbricht?

So weit, so demokratisch legitimiert. Heikel wird es, sobald es um Bedürfnisse geht, die nicht zu den dringendsten und lebensnotwendigen gehören. Ist ein Kosmetikgeschäft systemrelevant, weil man dort auch Seife kaufen kann, ein Blumenladen hingegen nicht?

Die Antwort, die die römische Regierung und notgedrungen die Landesregierung gegeben haben und die seit gestern in Kraft ist, lautet: Geschäfte und Einkaufszentren dürfen aufsperren, Museen, Galerien, Kinos, Theater und Konzerthäuser, kurz alles, was man als Kulturleben bezeichnet, bleibt geschlossen, obwohl das Ansteckungsrisiko dort erwiesenermaßen am geringsten ist und die Kulturveranstalter viel in Hygienemaßnahmen investiert haben.

Das zu kapieren, verlangt einem ziemlich viel ab. Solange das Virus unter uns grassiert, ist Kontaktbeschränkung der einzige Weg, um seine Ausbreitung einzudämmen, und kein Bereich kann von sich behaupten, die Ansteckung nicht zu begünstigen. Dass die Krisenbekämpfung aber gerade auf Kosten des Kulturlebens gehen soll, wird von Künstlern und Veranstaltern zu Recht als äußerst ungerecht empfunden. Laufen in Geschäften, Einkaufszentren und Gasthäusern etwa nicht Tausende zusammen? Warum sollte eine Galerie oder ein Ausstellungsraum ansteckender sein als eine Modeboutique oder ein Schuhladen? Für beide gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen, verboten aber wird nur der Besuch von Galerien und Museen, die ja nicht gerade für großes Gedränge bekannt sind.

Wurde für diese Ungleichbehandlung von politischer Seite ein einziges Argument vorgebracht? Nein, weil es keines gibt. Die Kulturräume bleiben geschlossen, weil die Politik Geschäft und Vergnügen unterscheidet, so wie die Römer das Leben nach Brot und Spielen eingeteilt haben.

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Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • gorgo

    Galerien ok.
    In Theatern und Kinos sitze ich doch etwas länger, als in Geschäften.
    Zudem geht dort eigentlich niemand alleine hin.
    Vielleicht sollten wir aufhören, bei jeder Sparte „ungerecht“ zu schreien. Sondern hinschauen, was die Absicherung der dort arbeitenden Personen betrifft. Die meisten Museen und auch Theater sind in Landeshand.
    Ein Manfred Schweigkofler zB. gerade in Lohnausgleich?

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