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„Man denkt an das Schlimmste“

Nach dem Horror-Unfall in der Formel 1: Der gebürtige Meraner Günther Steiner, Teamchef von Haas F1 Team, erzählt, wie es Romain Grosjean geht und wie er den Unfall miterlebt hat.

Tageszeitung: Herr Steiner, wie geht es Ihnen nach dem schrecklichen Unfall von Romain Grosjean? Und vor allem wie geht es ihm?

Günther Steiner: Mir geht es eigentlich gut, wir hatten viel Arbeit, aber das gehört dazu. Das Wichtigste ist, dass es Romain, den ich heute Vormittag (gestern, Anm. d. Red.) im Krankenhaus besucht habe, den Umständen entsprechend gut geht. Er hat Verbrennungen an den Händen und eine Verrenkung an der Ferse, aber sonst geht es ihm gut. Er redet schon wieder davon, in Abu Dhabi im Auto zu sitzen.

Wie haben Sie den Unfall erlebt? Was ist Ihnen alles durch den Kopf gegangen?

Wenn man so etwas sieht, muss man damit sehr vorsichtig umgehen, keine Emotionen einfließen lassen. Ich sah das Auto in Flammen und man denkt schon an das Schlimmste, dann bekamen wir die erlösende Funknachricht, dass Romain sich nicht mehr im Auto befindet. Als ich dann innerhalb kurzer Zeit Romain auf dem TV-Bildschirm sah, wie er aus dem Auto sprang, waren ich und das gesamte Team sehr erleichtert. Wenn man weiß, dass sich dein Fahrer nicht mehr im Autowrack befindet, kann man mit der Situation besser umgehen. Das war ein sehr erlösender Moment.

Als Teamchef sind Sie Ansprechperson für viele Medien in aller Welt. Wie kommen Sie damit klar? Nahezu alle Medien weltweit haben über den Unfall berichtet …

Ich komme damit sehr gut klar, ich habe keine Probleme, mit den Medien zu sprechen, das ist Teil meiner Arbeit. Gestern habe ich gesehen, dass es sehr wichtig ist, sofort die Nachricht zu verbreiten, dass es Romain gut geht. Ich war mit seinem Physiotherapeuten sofort in Kontakt. Er war im Medical Center und lief zum Hubschrauber, somit hielt er mich immer auf dem aktuellen Stand. Romain ging es in diesem Moment nicht schlecht und deswegen wollte ich diese Information sofort den Medien übermitteln. Es ist der kürzeste Weg, um alle Leute zu informieren, sei es seine Familie oder Freunde. Wenn diese Information direkt von mir und dem Team kommt, dann wissen die Leute, dass es die Wahrheit ist. Es waren ja keine schlechten Nachrichten – wenn es schlechte Neuigkeiten gewesen wären, wäre man vorsichtiger, was man sagt. Aber nach so einem schrecklichen Unfall gute Nachrichten zu verbreiten, ist eigentlich die einfachere Arbeit.

Was werden Sie in der Formel-1-Saisonpause machen? Werden Sie auch ein paar Tage in Meran verbringen?

Wir haben als Familie Weihnachten immer in Meran verbracht, aber dieses Jahr werden wir coronabedingt leider nicht kommen können, weil die Zeit, die man in Quarantäne verbringen müsste, einfach zu lang wäre. Wir müssten bei Ankunft in Meran und bei der Rückreise in die USA zweimal in Quarantäne, und das ist einfach zu viel. Während dieser Pandemie muss man vorsichtig sein und sich ruhig verhalten, bis wir die Situation endlich im Griff haben und der Impfstoff in Umlauf gebracht wurde. Aktuell möchte ich lieber meine Familie schützen. Wir werden deshalb die Feiertage zuhause in den USA verbringen. Aber sobald es wieder möglich sein wird, werden wir wieder ein paar Wochen in Meran verweilen.

Interview: Roman Gasser

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