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At the point of subversion

At the point of subversion (constituting the new normal) von Barbara Gamper und Fouzia Wamaitha Kinyanjui (Video still)

AMACI hat zum Anlass der 16. Ausgabe des Tages der zeitgenössischen Kunst am 5. Dezember die beteiligten Museen eingeladen, über die Bedeutung von „Community“ nachzudenken. Der Beitrag von Kunst Meran Merano Arte ist die Arbeit At the point of subversion (constituting the new normal), die von der Künstlerin Barbara Gamper und der Schwarzen feministischen Aktivistin Fouzia Wamaitha Kinyanjui eigens zum Jahresthema und unter Berücksichtigung der aktuellen Bewegungsbeschränkungen produziert wurde.

Den Ausgangspunkt dieses Projektes bildet die Schnittstelle von künstlerischer und aktivistischer Praxis sowie der Begriff power sharing. In Form eines Dialogs werden jene Dynamiken von Macht aufgedeckt und sich ihnen widersetzt, die Rollenaufteilungen und Hierarchien konstituieren: Wer befindet sich in der Position Fragen zu stellen und wer antwortet? Wie wird jenen Stimmen Platz gemacht, denen oft eine untergeordnete Rolle im öffentlichen, sozialen, politischen, ökonomischen und künstlerischen Raum zugewiesen wird?

Ergebnis dieser Auseinandersetzung ist ein Video, das die Betrachter*innen direkt anspricht und sie auffordert, sich dieser Widersetzung (die die neue Normalität bildet) anzuschließen und über die eignen Privilegien und Verhaltensmodelle nachzudenken.
Dabei beruht die Videoarbeit auf der verbalen Kommunikation, wie auch auf nicht-verbalen Ausdrucksformen: Zum einen bewirken die Fragen, Antworten und Zitate in unterschiedlichen Sprachen (Deutsch Italienisch, Englisch, Swahili und Kikuyu) in den Betrachter*innen das Gefühl der Zugehörigkeit wie auch das des Ausschlusses, zum anderen entwickelt sich durch die Verwendung textiler Materialien eine performative, visuelle und taktile Sprache. Eine Untersuchung der historischen sowie symbolischen Bedeutung von Textilien und ihrer Muster sowie des Umgangs mit ihnen, stellt den Hintergrund des Textileinsatzes dar. Bereits in ihren vorangegangenen Recherchen beschäftigte sich Barbara Gamper mit der Kulturgeschichte des Stoffes und bezog sich dabei auf die Archäologin und Linguistin Marija Gimbutas, auf die Naturwissenschaftshistorikerin und Feministin Donna Haraway, auf die Soziologin Riane Eisler sowie auf die Philosophin und Mitbegründerin der postkolonialen Theorie Gayatri Spivak.

Das Video, das auf der Website von Kunst Meran Merano Arte anlässlich des Tages der zeitgenössischen Kunst im Rahmen von AMACI veröffentlicht wird, bildet den Ausgangspunkt eines umfangreicheren Projektes, das sich in einer offenen und partizipativen Form weiterentwickeln und eine kritische Reflexion über Konzepte von Gesellschaft, Individualität, Recht und Verantwortlichkeit anstoßen möchte.

Barbara Gamper
Das Zusammenspiel von Performance- und Videokunst sowie von physisch-betontem Wohlbefinden des Körpers und Verwendung von Textilien, zeichnen Barbara Gampers Praxis aus. Der Körper und sein Archiv in Form von Erlebnissen, Emotionen und sinnlichen Wahrnehmungen spielen in ihrem künstlerischen Schaffen eine zentrale Rolle. Um die Zusammenführung von Personen physisch zu ermöglichen, verwendet sie in ihren künstlerischen Strategien oft Bewegung und Partizipation in Verbindung mit textilen Objekten, die sie „soziale Gewebe“ und „performative Stoffe“ nennt. Darüber hinaus beschreibt sie ihre Praxis als eine Verkörperung der eigenen Politiken und Erfahrungen, in welcher sie queere Mutterschaft als Methode versteht, um die (hetero)normative Praxis im familiären und kulturellen Kontext kritisch zu konfrontieren. Zentral erscheint dabei die Bevorzugung von kollektiven und gleichberechtigenden Strukturen anstelle von Dominanz- und Unterdrückungsverhältnissen.

Barbara Gamper schloss 2016 ihr Studium der Bildenden Kunst an der Universität Goldsmith in London ab. Ihre jüngsten Ausstellungsbeteiligungen sind „Unlearning Categories”, Museion, Bozen (2020); „Run the World (girls)”, Galleria Doris Ghetta, Pontives (2019); „Womb to Web (human / nonhuman entanglements #2)”, Kelder Projects London (2019); „At the level of the bone”, Chalton Gallery (2018); „Cellular Breathing (toward fluid bodies and autotelic experience”, Galerie Andreas Schmidt, Berlin (2018) und „We Move in Her Way” mit Sonia Boyce, ICA, London (2016).

Fouzia Wamaitha Kinyanjui

Fouzia Wamaitha Kinyanjui beschreibt ihr eigenes Leben und ihre Tätigkeit als ein Buch mit vielen Kapiteln. Ihr Engagement als Schwarze feministische Aktivistin in einer weißen Mehrheitsgesellschaft – mit einem bewussten Verweis auf das Pronomen „sie” – ist dabei vorrangig zu erwähnen. Ihre Rolle als Mutter in einer Umgebung, in der noch klassische Rollenaufteilungen vorherrschen, versteht sie als absolut politisch.

Sie gestaltet Empowerment-Prozesse für Schwarze Menschen/Menschen of Color und ist im intersektionalen Bereich der Antidiskriminierung, der Rassismuskritik und des kritischen Weißseins aktiv. In diesem Rahmen organisiert und begleitet sie auch Entwicklungsprozesse wie Beratungen, Seminare oder Workshops für interessierte Personen, Gruppen sowie Organisationen und wurde in Südtirol wie auch im Ausland als Expertin und Referentin eingeladen (z.B. Festival Goes DiverCity – Mailand, PaiDeina – Innsbruck). 2018 war sie Gründungsmitglied und Co-Koordinatorin des antirassistischen Netzwerks Stop Racism BZ. Heute koordiniert sie einen Raum des Vereins HRI – Human Rights International, in dem Sensibilisierungsarbeit gegen Rassismus geleistet wird, und organisiert hierfür wöchentliche Online-Treffen. Fouzia Wamaitha Kinyanjui ist assoziiertes Expert*innen-Mitglied des Vereins Il Razzismo è una brutta storia.
Darüber hinaus ist sie Farb- und Stilberaterin.

 

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