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„Goldene Nase verdient“

Alex Piras

Alex Piras, Vizevorsitzender des ASGB und Fachsekretär für Handel, Hotel, Gastgewerbe und Dienstleistungen, übt harsche Kritik an der Auftragsvergabe für den Schülertransport ab Herbst 2021 an den Betrieb Tundo.

Der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB) sei extrem verwundert, dass ein Unternehmen, welches auf Provinzebene bereits durch Unzuverlässigkeit im Transport von Menschen mit einer Beeinträchtigung glänzt und dessen Transportmittel bekanntlich eklatante Sicherheitsmängel aufweisen, den Zuschlag für den Schülertransport ab Herbst 2021 erhält:

„Wollen wir wirklich die Sicherheit unserer Kinder und der anderen Verkehrsteilnehmer riskieren, indem wir den Auftrag, essentielle Beförderungsdienste durchzuführen, an ein Unternehmen vergeben, welches nicht nur lokal, sondern auch in anderen Regionen und Städten durch verzögerte Lohnzahlungen und inadäquater Transportmittel  auffällt? Diese Frage muss sich die Landesvergabeagentur gefallen lassen. Tundo zieht bei Ausschreibungen immer dieselbe Masche ab. Formal präsentiert sich das Unternehmen ihm Rahmen der Ausschreibungen zwar von seiner Prachtseite, um im Anschluss die besten Ressourcen abzuziehen und diese als Gegenstand anderer Ausschreibungen zu nutzen. Dies untermauern zahlreiche nationale Presseberichte. Die Leidragenden sind schlussendlich die Passagiere und das Personal, während sich der Betrieb eine goldene Nase verdient“, so Piras.

Der ASGB-Vize weist darauf hin, dass es sehr wohl möglich ist, durch spezielle Klauseln gewisse Unternehmen von der Auftragsvergabe auszuschließen: „Man muss nicht immer das Rad neu erfinden, manchmal reicht ein Blick über die Provinzgrenzen hinaus. Die Provinz Trient hat in ihrer Ausschreibung für den Schülertransport im Jahr 2017 verfügt, dass an der Ausschreibung teilnehmende Betriebe in den vergangenen drei Jahren Schülertransporte mit 2.000 Schülern in Gemeinden über 800 Meter Meereshöhe durchgeführt haben müssen, wobei Liniendienste explizit ausgenommen sind. Diese Klausel hat dazu geführt, dass das Unternehmen Tundo schlussendlich die notwendigen Anforderungen nicht erfüllt hat und von der Auftragsvergabe ausgeschlossen wurde. Rechtsmittel gegen diese Klausel wurden von Tundo zwar eingelegt, aber schlussendlich vom Staatsrat abgelehnt. Die Autonome Provinz Trient hat 2017 damit argumentiert, dass die Morphologie des Trentino Erfahrungswerte im Umgang mit Bergstraßen und winterlichen Verhältnissen voraussetzt. Der Umstand, dass auch in Südtirol ähnliche morphologische Verhältnisse herrschen, hätte die Übernahme dieser Klausel durchaus gerechtfertigt“, zeigt sich Piras überzeugt.

Der ASGB fordert das Land mit Nachdruck auf, Möglichkeiten zu prüfen, eine lokale Lösung in dieser Causa herbeizuführen: „Der Umstand, dass die Wertschöpfung und damit auch Aufträge für hiesige Unternehmen nach Lecce abwandern, ganz zu schweigen von der Gefahr für unsere Kinder, der die Menschen mit einer Beeinträchtigung leider bereits ausgesetzt sind, sollte doch Anlass genug sein, jegliche zur Verfügung stehende Mittel zu nutzen, um diesem unwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten“, so Piras, der hinzufügt, dass es äußerst frustrierend sei, einerseits alles zu versuchen, die Gehälter der Mitarbeiter einzufordern, andererseits beobachten zu müssen, wie eben jener Betrieb, der die Gehälter nur unregelmäßig zahlt, weitere lukrative Aufträge erhält.

 

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