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Bestehendes nutzen

.Glurns (Foto: IDM Frieder Blickle)

Wie sieht die Zukunft des Bauens in einem Land aus, in dem nur 5,5 Prozent der Fläche bebaubar ist? Sie dreht sich auf jeden Fall um die Frage, wie man die Landschaft sorgsam nutzen kann, damit Südtirol weiterhin ein attraktiver Lebensraum für Südtirolerinnen und Südtiroler, aber auch für Gäste bleibt.

Und Konzepte wie Sanierung, Aufstockung und Leerstandsmanagement werden darin breiten Raum finden. Darüber waren sich die Experten aus dem In- und Ausland einig, die gestern zum Webinar „Symposium Innenentwicklung“, organisiert von IDM Südtirol, der Plattform Land und der Kammer der Architekten, geladen waren. Vorgestellt wurde dabei vor den über 300 Teilnehmern des Events auch das neue Landesgesetz „Raum und Landschaft“, das im Juli in Kraft getreten ist. In einer Gesprächsrunde diskutierten im Anschluss Expertinnen und Experten, darunter Maria Hochgruber Kuenzer, Landesrätin für Raumordnung, zum Thema „Sanieren: Wichtig, aber richtig!“.

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde auch beim Bauen. „Unsere Vision für Südtirol ist es, dazu beizutragen, dieses Land zum begehrtesten nachhaltigen Lebensraum Europas zu machen. Wenn wir das erreichen wollen, ist es wichtig, unsere Ressourcen mit großem Respekt zu behandeln. Braun vor grün ist eine von vielen Möglichkeiten, das zu tun: Wenn wir die bereits vorhandenen Bestände achtsam nutzen, indem wir sie renovieren, ausbauen und sinnvoll neu verwenden, sorgen wir dafür, dass unsere Dörfer und Städte attraktiv bleiben, und halten Flächen für Neubauten frei, wo diese notwendig sind“, sagt Vera Leonardelli, Direktorin der Abteilung Business Development von IDM. „In diesem Krisenjahr unternimmt jeder Sektor große Anstrengungen, Chancen für die Zukunft zu ermitteln. Im Austausch mit den Vertretern der Baubranche wurde der Bereich Aufstockungen, Anbauten und Sanierungen als eine Marktnische erkannt, die noch ungenutzte Chancen aufweist“.

Hier ergeben sich laut den beim Symposium anwesenden Experten Potentiale, die es zu nutzen gilt: ökologische, weil weniger Flächen beansprucht werden; soziale, indem neue Wohnangebote für verschiedene Bevölkerungsgruppen geschaffen werden; und wirtschaftliche, weil attraktiver, wenn möglich energetisch sanierter Wohnraum entsteht. So können etwa Dachaufstockungen ein Lösungsansatz sein für leistbares Wohnen ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Großes Augenmerk sollte dabei auf die Verwendung nachhaltiger regionaler Materialien wie etwa Holz gelegt werden, ihnen sollte der Vorzug gegeben werden gegenüber billiger Materialen aus dem globalen Markt, die eine schlechtere CO2-Bilanz aufweisen und bei denen es dann große Probleme mit der Entsorgung gibt.

Fokus auf Nachhaltigkeit heißt es auch bei der Plattform Land, die sich den Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes auf die Fahnen geheftet hat und dabei besonders die Balance zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im Auge hat. „Gerade im ländlichen Raum führt der Weg zu mehr Nachhaltigkeit über die Gemeinden. Denn auch wenn die Nachhaltigkeit ein globales Thema ist, müssen viele Probleme lokal gelöst werden, wie etwa das Thema Bauen bei Mangel an bebaubaren Flächen“, sagt Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land. „Wir haben deshalb bereits 2017 ein Projekt zum Leerstandsmanagement gestartet, bei dem Leerstände in Südtiroler Gemeinden erhoben werden. Ziel ist es, den Gemeinden einen Überblick über diese leerstehenden Bauten zu geben, damit sie in einem zweiten Schritt wieder genutzt werden könnten.“  Dieses Projekt, das einen wichtigen Beitrag zum Flächenschutz in Südtirol leisten will, wurde den Teilnehmern beim Webinar präsentiert.

Wie Dachaufstockung und Sanierung im städtischen Raum und bei denkmalgeschützten Gebäuden aussehen kann, erzählten die Architekten Sylvia Dell’Agnolo und Marco Sette an konkreten Beispielen; besonders die Beratung der Bauherren durch die Architekten führe zu funktionalen Gebäuden, unter Berücksichtigung ihrer Geschichte. Sanierungen werden zudem derzeit auch vom Staat mit dem Dekret „Rilancio“ kräftig unterstützt: Privatpersonen können einen Steuerabzug von 110 Prozent auf energetische Sanierungen geltend machen, wenn sich die Energieklasse des Gebäudes um zwei Stufen erhöht. „Hier sind die Rahmenbedingungen genau zu studieren und die dafür verwendeten Materialien müssen den ökologischen Mindestumweltkriterien (CAM) entsprechen, also weitestgehend natürlich und nachhaltig sein“, sagte Manuel Benedikter vom gleichnamigen Architekturbüro in Bozen und Vertreter der Kammer der Architekten, bei der Diskussionsrunde.  „Durch eine gute Planung des Architekten ist es einerseits möglich, behutsam mit der Bausubstanz umzugehen und trotzdem, beispielsweise mittels geeigneter Dämmmaterialien und unter Einsatz einer angemessenen Beschattung, im Winter wie im Sommer die Innentemperatur auch ohne Klimaanlage im Komfortbereich zu halten“, so Benedikter.

Welche Lösungen man andernorts für die Themen Leerstandsmanagement und Sanierung gefunden hat, wurde am Exempel des österreichischen Bundeslands Vorarlberg gezeigt. Dort werden sogenannte „Sanierungslotsen“ eingesetzt, die Besitzern von alten oder zu groß gewordenen Häusern dabei helfen, sie zu sanieren anstatt leer stehen zu lassen. Das Projekt läuft seit Anfang 2019. Zwölf „Sanierungslotsen“ sind derzeit im Einsatz, allesamt ausgebildete Architekten und Architektinnen, die über 60 Projekte begleiten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

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  • bernhart

    Die Jungen Bauherrn werden bestraft ,für die Fehler welche früher gemacht wurden.
    Altbausanierung ist in den meisten Fällen teurer als ein Abbruch mit Wiederaufbau. Holz als Baustoff gut und Recht, DÄMMUNG ist bei uns übertrieben.
    Das Bauen muss bezahlbar sein und bleiben.
    Sanieren im Ortskern heißt, kein Platz vor dem Haus, kein Garten, kein Lagerplatz ,kein Parkplatz.
    Oft ist es besser ein Objekt abzureisen und begrünen , als zu sanieren.
    Jeder Architekt will sich auf Kosten des Bauherrn ein Denkmal setzen.

  • bernhart

    Das Wort Nachhaltig Bauen sollten viele Architekten und Landesbeauftragte nicht in den und nehmen, denn viele Öffendliche Bauten sind Betonklötze und haben mit der ganzen Isolierung aus nicht erneuerbarem Material mit Nachhaltig nichts zutun.
    Unsere Vorfahren haben uns gezeigt wie man bauen kann und das mit heimischen Materialien.

  • hansi

    Leider wird bei uns im Land viel zu viel geschwafelt – ist ja gut und recht auch manch Ansatz aber in der Praxis bzw Umsetzung happert es gewaltig (siehe neue Landesraumordnung) – das Papier ist wie eh und je geduldig – aber leider nicht mal das vorhanden ist, sprich das Werkzeug die Richtlinien für die Planer und teils totaler Lockdown – Stillstand – herrscht. Die Folgen werden wir im Frühjahr im Sektor der Bauwirtschaft präsentiert bekommen, aber vielleicht liege ich falsch , wobei ich nichts einzuwänden hätte wenn dem so wäre.

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