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„Eine Schweinerei“

Foto: 123RF.com

Kevin Tribus ist Eventveranstalter aus Naturns. Obwohl er 2020 bisher keine Einnahmen verbuchte, erhielt er bisher keine Hilfe vom Land. Wie es so weit kommen konnte.

von Markus Rufin

Viele Branchen treffen die Coronakrise und die Einschränkungen hart, am härtesten dürfte aber die Eventbranche betroffen sein. Seit neun Monaten finden kaum Events in Südtirol statt. Dabei gibt es gar einige Menschen, die davon abhängig sind, in erster Linie natürlich die Veranstalter selbst.

Einer von ihnen ist Kevin Tribus aus Naturns, der als selbstständiger Eventorganisator tätigt ist: „Ich bin in nahezu allen Sparten tätig, in denen Events organisiert werden.“

Zwar war es im Sommer unter strengen Auflagen möglich, Events zu planen und zu veranstalten, allerdings mussten diese im Freien stattfinden. „Leider war dadurch ohnehin wenig möglich“, berichtet Tribus. „Viele Bürgermeister haben aber im Sommer auch unter Einhaltung der Auflagen keine Events zugelassen, weil sie nicht die Verantwortung übernehmen wollten.“

Der Naturnser selbst hat im heurigen Jahr keinen einzigen Cent als Eventveranstalter verdient. Weil er hauptberuflich als Eventmanager tätig ist, musste er in den vergangenen Monaten von seinem Erspartem leben. Doch wie für viele Unternehmen, die zu den besonders betroffenen Wirtschaftssektoren zählen, gab es auch für Eventveranstalter Beitragshilfen vom Land.

Um genau zu sein, gab es für Eventveranstalter die Möglichkeit, für zwei Beiträge anzusuchen. Den ersten Beschluss fasste die Landesregierung bereits im Frühjahr. Demnach sollten Zuschüsse an Kleinunternehmen verteilt werden, die im Vergleich zum Vorjahr in den Monaten März, April und Mai einen Umsatzrückgang von mindestens 50 Prozent erlitten haben.

Der Naturnser Eventveranstalter ist nur durch Kollegen aus der Branche darauf gekommen, dass auch er um diesen Beitrag ansuchen darf. Da Kevin Tribus kein Event im heurigen Jahr veranstaltete, suchte er über seinen Wirtschaftsberater um diesen Beitrag an. Doch letztendlich wurde sein Gesuch abgelehnt.

Der Grund: Das Event, das der Naturnser organisierte, fand erst im Juni statt. Dennoch ist es für Tribus eine „Schweinerei“: „Ich habe noch im Mai Tickets verkauft, also hatte ich sogar einen Umsatzverlust von 100 Prozent. Allerdings hat mir mein Wirtschaftsberater erklärt, dass die SIAE-Abrechnung entscheidend ist. Um das Geld zu bekommen, hätte diese Abrechnung bereits im Mai ausgestellt werden müssen. Das ist aber erst drei Tage nach dem Event möglich.“ Obwohl er also einen Umsatzverlust nachweisen konnte, stand ihm kein Beitrag zu.

Wie der Eventveranstalter erklärt, sei es anderen Kollegen aus der Branche ähnlich ergangen. „Vor allem kleine Eventveranstalter schauen durch die Finger“, erklärt Tribus. Zwischen 3.000 und 5.000 Euro hätten er und seine Kollegen dadurch bekommen. „Das ist für mich viel Geld, damit käme ich für fünf Monate über die Runden.“

Er selbst organisiert kleine bis mittelgroße Events, die er alle drei bis vier Monate veranstaltet. Dabei bekommt er meistens den Erlös aus den Ticketverkäufen.

Sein Wirtschaftsberater tröstete ihn damit, dass ein Soforthilfebeitrag in Ausarbeitung sei, der demnächst verteilt werde. Tatsächlich wurde dieser Mitte September von der Landesregierung auf den Weg gebracht.

Kevin Tribus hat auch um diesen Beitrag angesucht. Bis zu 100.000 Euro hätten die betroffenen Unternehmen dadurch bekommen. Aber er erfüllte die Anforderungen erneut nicht.

Denn für diesen zweiten Beitrag, hätte er einen Jahresgesamtumsatz von mindestens 30.000 Euro vorweisen müssen. „Ich habe 2019 rund 27.000 Euro verdient, habe diesen Umsatz also nur knapp verpasst. Würde man den Umsatz von 2018 hernehmen, hätte ich es locker geschafft.“, erklärt der Naturnser.

Also wurden auch beim zweiten Beitrag die kleinen Eventveranstalter vernachlässigt. Das fiel ihm auch auf, als er sich beim zuständigen Amt nochmal informierte, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, den Beitrag zu erhalten: „Dem Land scheinen nur die großen Betriebe wichtig zu sein. Den kleinen Veranstaltern wird dagegen nicht geholfen.“

Tribus hat dafür kein Verständnis: „Selbst ein kleiner Eventveranstalter hat sich meiner Ansicht nach eine Beihilfe verdient, denn diese Aufgabe ist unglaublich schwer. Wir kämpfen nicht nur mit einem finanziellen Risiko, sondern müssen uns auch mit den Sicherheitsproblemen beschäftigen. Wir tragen eine große Verantwortung.“

Außerdem erhielt er beim Amt die Auskunft, dass er sehr wohl Anrecht auf den ersten Beitrag gehabt hätte: „Ich wurde dann mit Sätzen vertröstet wie ,Man müsste nur dahinter bleiben‘ oder ,Der frühe Vogel fängt den Wurm‘. Für mich ist das völlig unverständlich, wie man das zu jemanden sagen kann, der sich in einer solchen Situation befindet.“

Kevin Tribus lebt seit Monaten nur noch von seinem Ersparten, hat aber gleichzeitig Familie und Kinder: „Ich habe noch Glück, weil ich zumindest eine Wohnung besitze. Wenn ich Miete zahlen müsste, wäre ich am Ende.“

Der Naturnser kennt noch mindestens fünf andere Kollegen aus der Eventbranche, die ebenfalls kein Anrecht auf die beiden Beiträge hatten. Mindestens zehn seiner Kollegen fielen bei einem der beiden Beiträge durch.

Zwar wurde Tribus beim Amt für Wirtschaft mitgeteilt, dass derzeit nicht geplant sei, neue Beiträge auszuschütten, da es mittlerweile aber wieder einen Lockdown gibt, hofft er, dass sich das ändert.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (8)

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  • tiroler

    Wir habeneine Pandemie. Das öffentliche Geld wird bald aufgebraucht sein. Es ist auch nicht richtig, dass öffentlich Befienstete, die zuhause Däumchen drehen, den Gehalt weiterhin beziehen.

  • sorgenfrei

    @tiroler: wieso schieben sie den schwarzen peter deb öff. bediensteten zu? 9000 bauern haben lt. Sbb 2 x 600 € =fast 11 mio, jetz bekommen sie noch nachträglich die möglichkeit, um beiträge anzusuchen, obwohl der einreichtrrmin versemmelt wurde… lobby sei dank! Urlaub auf dem bh kann meines wissens noch separat um beiträge ansuchen… dabei habem viele von den bauern sogar mehr verdient qls im vorjahr… politiker mit monatseinkommen von 13000 bekommen beiträge, auch anderen spitzenverdiener mit iva-nummern wird es si ergangen sein… handwerker erzählen mir, sie hätten für die monate april-mai schon geschaut, dass der „umsatz“ stimmp, obwohl sie arbeiten durften, um trotzdem beiträge zu kassieren… andere berichten, sie hätten in den folgemonaten soviel gearbeitet, wie noch nie…. bekommen trotzdem den beitrag…. das resultat ist, dass jene, die ihn wirklich bräuchten, durch den rost fallen wie eventmanager, künstler, einzelhändler, friseure etc… dies finde ich eine frechheit….

  • goggile

    es muessen endlich publik gemacht werden was sich àmtersesselangestellte alles gegenuber steuerbugglern in verschiedensten àmtern leisten!

    unkuendbare jobs wie àmtersesselklebende beamte, ordnungsorgane und gerichtsarbeitende gehòren bei fehlverhalten unverzueglich fristlos entlassen mit schadenersatz fuer steuerbuggler, veròffentlichung der namen in medien der schuldigen und keinerlei verschlampungen, verschiebungen oder typisch beamtendeutsch ausgedrueckt: man wurde versetzt!

  • iceman

    Eventveranstalter hört sich nicht gerade als systemrelevant an und bei einer Summe von 30.000€ Jahresumsatz wird auch nicht viel in die Steuerkasse geflossen sein.
    Wie sagte schon Kennedy? „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“

  • andreas77

    Guat zem brauchet er ober schun an beitrog für 2019 a weil mit 27k umsotz kimmsch a nit iber die runden.

  • petz512

    Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, dass es hier weder um den Umsatz noch um Systemrelevanz geht.
    Vielleicht gibt es viele Betriebe, Sparten, Menschen die einfach durchs Raster fallen um an eine Beitrag zu kommen.
    Betriebe die z.B. erst letztes Jahr ihr Tätigkeit begonnen haben und dieses Jahr keinen bis wenig Umsatz machen, aber trotzdem Fixspesen, Kredite usw. zu zahlen haben.
    Auch diese Betriebe, die Menschen die dahinterstehen, die Familien die keine Zuwendungen bekommen sollte man berücksichtigen.
    Vielleicht sollte dies, der Artikel aussagen!

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