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Der vertuschte Skandal

Die positiven Tests

Unglaublich aber wahr: 1.300 positive Corona-Tests sind im Papierkorb gelandet. Ein Hausarzt rekonstruiert den Skandal.

Es gibt bereits politische Stellungnahmen zum Skandal.

Südtirols Hausärzte haben in den vergangenen zwei Wochen nämlich fast 1.300 Corona-Positive an die Sanitätseinheit gemeldet.

Unglaublich, aber wahr: Die Meldungen landeten im Papierkorb.

Es war ein Allgemeinmediziner, der den Skandal enthüllt hat.

Die TAGESZEITUNG veröffentlicht jetzt das Dokument, in dem der Südtiroler Mediziner diesen Skandal rekonstruiert und dokumentiert hat.

„Sehr geehrte Medienvertreter,

ich bin Arzt für Allgemeinmedizin in (…) und möchte Ihnen von einem mir gestern Abend bekannt gewordenen, skandalösen Vorgang innerhalb des Sanitätsbetriebes berichten (siehe auch Screenshot „Mail SÜGAM“):

Es geht um die Meldung von im Antigen-Schnelltest positiv getesteter Personen über das Webportal des Sanitätsbetriebes, welches meines Wissens von der SIAG (Südtiroler Informatik AG) in Auftrag gegeben und mit dem IT-Programm des Hygienedienstes verbunden worden ist.

Am 31.10.2020 waren um 21:53 Uhr 1.261 Personen mit positivem Ergebnis von den Hausärztinnen und Hausärzten über die eigens dafür vorgesehene Funktion der Web-Applikation „korrekt“ an den Hygienedienst gemeldet worden.

Diese Meldung sollten vom Hygienedienst mit erhöhter Priorität bearbeitet werden, damit die für die Beendigung der Quarantäne vorgeschriebenen (negativen) PCR-Tests zeitnahe organisiert werden können.

Wie ich (am Freitag) zu meinem Entsetzen erfahren musste, sollen die so von uns durchgegebenen Meldungen den Hygienedienst angeblich ohne Dringlichkeit oder sonstigen Hinweis und damit PRAKTISCH NICHT erreicht haben!

Auch soll es bisher nicht möglich gewesen sein, positive Antigen-Test-Meldungen in irgendeiner Form „herauszufiltern“. 

Die Kollegen der zuständigen epidemiologischen Abteilung beim Hygienedienst müssten anscheinend täglich das GESAMTE Archiv (= Anagrafik des Südtiroler Sanitätsbetriebes, über 500.000 Personen) auf positive Schnellt-Tests hin durchstöbern!

Dr. (…)  hat uns erst am Freitag, 30.10.2020, eine kurze Mail und einen 6-seitigen Anhang übermittelt, auf dessen fünfter (!) Seite eher umschrieben als klargestellt wird, dass eine separate Meldung für den PCR-Abstrich gemacht werden soll.

Es besteht somit die (unsinnige) Notwendigkeit, die Meldung an den Hygienedienst DOPPELT zu machen, d.h. einmal das positive Schnelltest-Ergebnis zu übermitteln UND ANSCHLIESSEND über eine andere Funktion noch eigens einen PCR-Abstrich anzufragen.

Weder in seiner vorangegangenen Mail vom 16.10.2020 noch in der damals erstmalig zugeschickten Bedienungsanleitung für den Ag-Schnelltest-Bereich der Webapplikation wurde an irgendeiner Stelle die Notwendigkeit einer zweiten Meldung im Sinne einer separaten Anfrage für einen PCR-Abstrich erwähnt!

Wir Hausärzte melden demnach seit praktisch ZWEI WOCHEN (!) POSITIV getestete Patienten unwissentlich „falsch“ an den Hygienedienst!

Folge dieses schwerwiegenden IT-Versagens ist, dass ein Großteil der fast 1.300 im Schnelltest POSITIV getesteten Bürger vermutlich vergeblich auf einen Anruf des bereits völlig überforderten Hygienedienstes warten bzw. gewartet haben, einem Hygienedienst, der höchstwahrscheinlich noch nicht einmal weiß, dass besagte Personen positiv getestet/gemeldet worden sind und daher für diese Personen auch keine PCR-Abstriche rechtzeitig planen konnte!!

Ich bitte Sie diesen Vorfall publik zu machen (…).

Der Sanitätsbetrieb, der Hygienedienst und die SIAG werden sicher versuchen, diesen Skandal im Stillen zu bereinigen, d.h. zu vertuschen, aber es darf diesmal einfach nicht sein, dass die Verantwortlichen damit ungestraft davonkommen!

Mit freundlichen Grüßen und bestem Dank

Dr. (…), Hausarzt in (…)

P.S. Wie ich eben erfahren habe soll die Primaria und damit Hauptverantwortliche des Hygienedienstes Bozen, Frau Dr. Dagmar Regele, aktuell und noch bis 09. November im Urlaub sein.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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