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Keine Anklage

Jacob Radloff

Der Verleger Jacob Radloff und weitere Mitglieder des Umweltinstituts München müssen sich nicht vor Gericht verantworten.

Das Landesgericht Bozen bestätigte am Mittwoch den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen Verleger Jacob Radloff und die Mitglieder des Umweltinstituts aus Mangel an Beweisen einzustellen.

Die Betroffenen begrüßen die Entscheidung als einen bedeutenden Teilsieg für das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Die Pestizidprozesse gegen oekom-Autor Alexander Schiebel und Agrarreferent Karl Bär vom Umweltinstitut München gehen jedoch weiter.

Die nächste Verhandlung ist am 27. November 2020 gegen Karl Bär.

Das Bozner Landesgericht hat entschieden, das Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer des Münchner oekom verlags, Jacob Radloff, einzustellen und keine Anklage gegen ihn zu erheben. Radloff verlegte im Jahr 2017 Alexander Schiebels Buch „Das Wunder von Mals“, in dem der Autor die massive Anwendung von Pestiziden im Südtiroler Apfelanbau anprangert. Aus diesem Grund war gegen den Verleger als “Mittäter im Verbrechen der erschwerten üblen Nachrede” ermittelt worden.

Auch die Ermittlungen gegen aktive und ehemalige Vorstände des Umweltinstitut München wurden heute zu den Akten gelegt.

Initiator der Anzeigen gegen Radloff, Alexander Schiebel und das Umweltinstitut München war der Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft und damalige stellvertretende Landeshauptmann Arnold Schuler.

Jacob Radloff begrüßt die Entscheidung, dass sein Verfahren zu den Akten gelegt wurde, äußert sich gleichzeitig jedoch sehr besorgt über den weiteren Fortgang der Südtiroler Pestizidprozesse:

“Ich fühle mich in meiner Position bestärkt. Solange eine Kritik berechtigt ist und einer öffentlichen Auseinandersetzung dient, darf sie auch pointiert und meinungsstark ausfallen. Doch auch wenn ich nun nicht mehr selbst auf der Anklagebank Platz nehmen muss, stehen immer noch Menschen vor Gericht, weil sie auf ein real existierendes Problem aufmerksam gemacht haben. Meine Solidarität gehört weiterhin unserem Autor Alexander Schiebel und Karl Bär vom Münchner Umweltinstitut. Wir werden uns auch weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, um diesen Prozess auch für sie zu einem guten Ausgang zu bringen.”

Ebenfalls eingestellt wurden heute die Verfahren gegen aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder des Umweltinstituts München.

Das Umweltinstitut initiierte im Jahr 2017 eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den hohen  Pestizideinsatz in Südtirol, auf die Landesrat Arnold Schuler und über 1300 Obstbauern aus der Region mit den Anzeigen wegen übler Nachrede reagierten.

Auch für das Umweltinstitut bedeutet die Entscheidung aber nur einen Teilsieg, weil Agrarreferent Karl Bär schon im November seinen nächsten Prozesstag bestreiten muss.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (18)

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  • summer

    Ist doch klar, dass der Verleger alles tun wird, um den Angeklagten zur Seite zu stehen.
    Wäre ja ein schlechter Verleger, wenn er nicht den Verkauf des Buches aus seinem Verlag nicht forcieren würde und damit gratis Werbung erhält.
    Ich sehe immer mehr meine Vermutung bestätigt, dass es den ökosozialen Pseudolinken nicht im Geringsten um den Menschen an sich geht, sondern durch und durch um die eigene Lobby und die eigenen wirtschaftlichen Vorteile.

    • leser

      Summer
      Du ormes heiterle
      Hisch net verstondn, dass due herrn eppas beschrueben hobm wos man jederzeit nochmessn konn
      Und du esl refesch von lobby und wirtschoftlichen interessen
      Wenn de 1500 bauern de mitgeklog hobm in beroterri g verklogatn wegen folscher onleitung, nocha tatn sie an prozess gewingen
      Obo zohln tuit do bürger so odo so nocha isch es jo wurscht

    • criticus

      @summer
      Normalerweise haftet in jedem europäischen Land der Autor für den Inhalt eines Buches. Einen Verleger anzuklagen ist schon eigenartig. Herr summer, wenn das Pseudolinke sind, dann sind Sie wohl ein Ultrarechter. Einiges mag wohl übertrieben sein, so wie es im Buche steht, und auf der anderen Seite sind leider auch Tatsachen vermerkt. Bitte Herr summer, verfassen Sie ihre Kommentare mit mehr Niveau und weniger hassvoll gegenüber Andersdenkenden!
      Frag mich nur, zahlt der Herr Landesrat Schuler nun diese Prozesse?

      • summer

        @criticus
        Sie sollten sich das Verlagswesen etwas genauer anschauen, denn es verhält sich dort nicht 1:1 wie Sie hier gerne weiß machen möchten.
        Warum lehnen manche Verlage manche Skripten ab? Nicht nur aus rein technischen Gründen oder mangels wissenschaftlicher Kriterien? Und warum reißen sich manche Verlage um Storys, die rechtlich und inhaltlich schon vorab mit Klagen rechnen müssen.
        Bitte unterstellen Sie den Verlagen nicht nur Altruismus und Selbstlosigkeit.
        Und nun zu Ihrem Sager des Ultrarechten: abgesehen von der sprachlichen Zusammenhangslosigkeit ist Ihr vermeintliches Argument schon derart abgedroschen, dass ich mich langsam schon frage, wie dumm solche selbsternannten Pseudolinke eigentlich sind, dass sie immer noch glauben, diese Ultrarechtskeule ziehen zu müssen, wenn sie ohne Argumente sind?
        Wissen Sie, Pseudolinke ist ja noch ein harmloser Ausdruck im Vergleich dazu, dass ich solche Leute eigentlich als linksextreme Taliban oder Fundis bezeichnen könnte, denn eine sachliche Frage: wem ist mit Schiebels Buch gedient außer sich selbst in den Vordergrund zu stellen und seine eigene Vermarktung durch Verkauf und Spenden an das Umweltinstitut zu fördern?
        Dasselbe muss man jenen Terroristen in Paris fragen, der einen Lehrer geköpft hat, weil er im Unterricht die sehr wohl berechtigten Karikaturen gezeigt hat, ob dies im Sinne der Meinungsfreiheit ist? Sie werden Gott sei Dank weiterhin gezeigt, denn die freie Meinungsäußerung ist ein liberales Recht, dennoch besteht nirgendwo ein Recht auf Verleumdung. Das sind diese Karikaturen nicht, denn es gibt massenweise Karikaturen zu Jesus, Gott Vater, dem Heiligen Geist, zu Papst und Kirche. Ja, das müssen aufgeklärte Gläubige schon aushalten, es darf den Christen zugemutet werden.

        • leser

          Summer
          Aiai jetz woasch odo sicher net welchn quatsch gsogg hosch
          I nimm di gern mit mir amol mit dubai
          Noch konnsch de meinung frei äussern, i wett sem net lei koan kopf mear sondern sem findet man gor nimma
          Selche trottl wie du terfn la ba ins ungschtroft ummalafn

        • criticus

          @summer
          Normalerweise schreib ich einen Kommentar und Basta, bin nicht so rechthaberisch wie Sie Herr summer. Aber heute mache ich eine Ausnahme. Versuchen Sie bei Antworten weniger und gezielter zu schreiben. Was wollten Sie mir überhaupt mitteilen?

    • martasophia

      Es ist richtig und wichtig, dass die Politik die Meinungsfreiheit nicht unterbinden kann.

  • alsobi

    Gott sei Dank wurde die Anklage zurückgezogen. Ich hoffe auch sehr das Schiebel und Bär recht bekommen werden.

    • leser

      Alsobi
      Sie haben recht
      Es bråuchte mutigere richter, welche schuler und duemitklagenden bauern persònliche auf zahlung der prozesskosten verurteilendas ist schlicht und einfach eine sauerei
      Schuler den būrger bei den 600 eurogesuch verarscht und nicht mal dafūr gibts folgen fūr ihn

  • robby

    Mit den Spritzheften in der Hand wird es für Schuler und den mitklagenden Bauern sehr schwer werden den Prozess in ihre Richtung zu drehen. Vom Imageschaden für die Südtiroler Landwirtschaft brauchen wir gar nicht zu reden. Chapeau!

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