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Sonderfall Südtirol

Weil das Land Südtirol im Sport die eigenen Regeln beibehalten will, dürfen der FC Südtirol und der HC Bozen vor mehr Zuschauern als Serie-A-Vereine spielen.

von Markus Rufin

Nur die für Südtirol „sinnvollen“staatlichen Regelungen wollte Landeshauptmann Arno Kompatscher zu Beginn dieses Woche übernehmen. Einige Regeln wurden mittlerweile an das nationale Dekret angepasst, andere bleiben dagegen bestehen.

Das sorgt für teils paradoxe Situationen. Deutlich wird das bei den Zuschauern bei Sportveranstaltungen.

Denn auch hier möchte der Landeshauptmann die bisherigen Regelungen, die im Landesgesetz enthalten sind, beibehalten. Dabei gibt es im Ministerialdekret gerade bei den Zuschauern die mitunter größten Einschränkungen.

Künftig dürfen Stadien nur mehr zu 15 Prozent gefüllt sein, in keinem Fall darf es aber über 1.000 Zuschauer geben. Für Hallen gilt sogar eine Obergrenze von 200 Personen und auch nur dann, wenn sichergestellt wird, dass die Hallen regelmäßig gelüftet und der Sicherheitsabstand von einem Meter gewährleistet werden kann.

Das ist künftig in allen Fußballstadien Italiens so, inklusive der Stadien die Serie A, die eigentlich genügend Platz  bieten würden. Einzige Ausnahme: Das Drusus-Stadion. Dort soll laut Plan am 1. November wieder gespielt werden. Der FC Südtirol hat für das neue Stadion, das für 2.800 Plätze homologiert ist, ein Sicherheitskonzept erstellt, das auf das Landesgesetz aufbaut.

„Wir können jeden zweiten Sitzplatz nutzen, wodurch der Mindestabstand von einem Meter eingehalten wird. Wir messen die Körpertemperatur und stellen Desinfektionsmittel bereit“, erklärt Dietmar Pfeifer, Geschäftsführer des FCS. Damit wären 1.400 Zuschauer bei den Speilen zugelassen, auch wenn der Geschäftsführer von einer konkreten Anzahl Abstand nimmt. „Die 1.400 sind nirgends festgeschrieben, es geht darum, das ein Sitzplatz frei ist.“

Fakt ist: Der FC Südtirol darf im jeden Fall vor mehr Zuschauern auflaufen, als Serie-A-Vereine wie Juventus Turin, SSC Napoli oder der AC Milan. Und das obwohl diese Stadien ein deutlich größeres Fassungsvermögen haben und damit sicherer wären. Gemessen an der Bevölkerung gehört Südtirol was die Coronainfektionen angeht zu den schlechtesten Provinzen.

Geschäftsführer Pfeifer verweist aber auf das Sicherheitskonzept: „Letztendlich geht es darum, wie man die Spiele organisiert beziehungsweise die Protokolle einhält. Man sollte nicht nur eine Personenbegrenzung einführen, sondern prüfen, welche Voraussetzungen gegeben sind und die Situation einzeln bewerten.“

Schuld an der paradoxen Situation habe der Staat. Pfeifer schlägt vor, dass lokale Behörden jede Sportstätte überprüfen und der darin spielende Verein ein Sicherheitskonzept vorlegen muss: „Wenn die einzelnen Sportstätten diese Protokolle einhalten, sehe ich kein Problem darin, dass mehr als 1.000 Leute ins Stadion gehen.“

Noch vorteilhafter ist das Südtiroler Landesgesetz für Vereine, wie dem HCB Südtirol Alperia. In der Eiswelle dürften laut staatlichem Dekret maximal 200 Zuschauer kommen, durch das Landesgesetz sind derzeit aber 25 Prozent der Gesamtauslastung zugelassen. Das wären 1.800 Zuschauer. Selbst in einer geschlossenen kleineren Halle dürften also mehr Zuschauer kommen, als in einem Stadion für 70.000 Zuschauer.

Der Verein selbst verweist darauf, dass die Entscheidung nicht bei ihnen liegt. „Für uns ändert sich nichts, wir handeln weiterhin nach den Vorgaben der Provinz, sollte sich etwas ändern, werden wir uns natürlich anpassen“, so Pressesprecher Luca Tommasini.

Auch Pfeifer betont, dass man bei eventuellen Änderungen diese natürlich berücksichtigen werde, er hofft aber auf Einsicht des Staates: „Wenn man diszipliniert ist, können viele Problematiken gelöst werden. Letzthin steigen die Infektionszahlen durch Disziplinlosigkeit.“

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